EUJS

»Osteuropa stärker einbeziehen«

Frau Cazés, das neue jüdische Jahr ist erst wenige Tage alt. Mit welchen Vorsätzen geht die European Union of Jewish Students (EUJS) in 5779?
Als Vertretung der europäischen Studierendenschaft haben wir uns drei Schwerpunkte gesetzt. Wir möchten auf den Rechtsruck in Europa aufmerksam machen. Wir wollen noch stärker das Thema Women’s Empowerment ansprechen, und drittens möchten wir die Verbindung zwischen Ost- und Westeuropa stärken.

Sie nehmen Osteuropa mehr in den Blick?
Das Augenmerk in der politischen Themensetzung von EUJS lag häufig auf Westeuropa. Das politische Klima in Europa hat sich aber verändert. Rechtspopulismus spielt in Ungarn oder Polen bereits eine ganz andere Rolle als in Westeuropa. In Großbritannien und Frankreich sind jüdische Studierende auf dem Campus vor allem mit BDS-Aktionen oder mit dem Antisemitismus aus dem linken Spektrum konfrontiert. Wir müssen alle Entwicklungen im Blick behalten.

Anfang September ist die »Summer U« in Bulgarien zu Ende gegangen. Welche Erfahrungen nehmen Sie daraus mit?
Allem voran steht, dass die »Summer U« ein Ort für positives jüdisches Selbstverständnis in Europa ist. Diese »Summer U« war eine besondere, da die EUJS in diesem Jahr ihr 40. Jubiläum hat. Wichtig ist uns aber auch, die lokalen jüdischen Gemeinden mit unserem Besuch zu stärken. Auch hier wollten wir Osteuropa einbeziehen, weshalb diese »Summer U« nicht in Frankreich oder Portugal, sondern in Bulgarien stattfand. Wichtig war uns dieses Jahr auch die Initiative der nationalen Studierendenvertretungen.

Wie genau sah das aus?
Es gab zum Beispiel die »Union Hours«, bei denen auch die Jüdische Studierendenunion Deutschland dabei war. Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten außerdem Aktivitäten wie Debattierklubs oder einen Salsa-Kurs organisieren. Wir wollten die Studierenden noch einmal mehr bekräftigen, sich mit ihren Ideen einzubringen. Und: Zum ersten Mal haben wir auf unserer Vollversammlung auch Policies verabschiedet.

Zu welchen Themen?
Wir haben Resolutionen zu Themen eingebracht wie: Wie gehen wir mit Antisemitismus aus der Linken und BDS um? Sprechen wir mit rechtspopulistischen Parteien? Wie steht die EUJS generell zum Konstrukt Europäische Union? Wie positio­nieren wir uns zu Israel? Womens’ Empo­werment und Inklusivität sind Themen, die mir als Vizepräsidentin sehr wichtig sind. Auch dazu wurden Policies verabschiedet.

Welche Instrumente gibt die EUJS den Studierenden an die Hand, um sich vor Ort einzubringen?
Wir bieten übers Jahr verteilt Seminare an. So haben 25 jüdische Studenten mehrmals im Jahr die Möglichkeit, sich in Brüssel die EU-Institutionen anzusehen und mit Vertretern der Länder zu sprechen. Wir möchten den jungen Menschen das Gefühl geben: Deine Stimme zählt.

Wie erreichen Sie Studenten, die sich nicht engagieren?
Die »Summer U« ist dafür das beste Beispiel. Sie ist eine offene, inklusive Zusammenkunft junger jüdischer Menschen aus ganz Europa. Dabei geht es nicht entweder nur um Politik oder nur um Party, sondern um beides. Das ist das Spannende. Es war auch schon immer so, dass sich bei der »Summer U« auch junge Leute treffen, die sich in anderen jüdischen Kontexten vielleicht nicht wiederfinden.

Welche Themen setzen Sie für das nächste Jahr?
Ganz klar: EU-Parlamentswahlen. Die Stimmung in Brüssel ist sehr angespannt, und der Rechtsruck, der sich durch Europa zieht, wird sich an den Wahlen abbilden. Für Organisationen, die sich für Minderheiten einsetzen, wird es ungemütlicher werden.

Mit Laura Cazés vom Vorstand der European Union of Jewish Students sprach Katrin Richter.

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026