Frankfurt

»Oasen der Zivilcourage«

Auf der Bühne: Preisträger von der Frankfurter Wöhlerschule und Mitglieder des Gemeindevorstands Foto: Michael Faust


Eine kraftvolle, prägende und inspirierende Persönlichkeit, ein Mensch voller Wärme: So charakterisiert Benjamin Graumann, im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt unter anderem für Jugend zuständig, Beni Bloch. Graumann würdigte den 2019 verstorbenen langjährigen ZWST-Direktor und das ebenso langjährige Gemeindevorstandsmitglied am Montag anlässlich der erstmaligen Verleihung des von der Gemeinde ausgelobten Beni-Bloch-Preises für Jugendengagement.

Neben zahlreichen Schülerinnen und Schülern, Gemeindemitgliedern sowie Kommunal- und Landespolitikern waren auch die Zentralratsvizepräsidenten Mark Dainow und Abraham Lehrer im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum erschienen. Als besonderen Gast begrüßte Graumann Blochs Ehefrau Miriam, die aus Israel anreiste.

Erbe »Ja, wir brauchen diesen Preis«, betonte Graumann. Es gehe darum, den Namensgeber zu ehren, dessen einzigartige Arbeit bis heute fortwirke. Die Gemeinde möchte Menschen und Projekte auszeichnen, die für Beni Blochs Erbe stehen. Die diesmal prämierten Projekte bezeichnete Graumann als »Oasen der Zivilcourage in einer Wüste von Gleichgültigkeit und Kälte«. Der Beni-Bloch-Preis sei ein »dringend benötigter Mutmacher für uns selbst«, zeige er doch, »dass wir nicht allein sind«.

»Der Preis ist ein dringend benötigter Mutmacher für uns selbst.«

Benjamin Graumann

Auch Frankfurts Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) würdigte den Namensgeber des Preises. Beni Bloch habe »uns immer wieder gezeigt, was Menschlichkeit bedeutet«. Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker (CDU) lobte in seiner Videoansprache den Preis als »Ansporn, sich mit dem jüdischen Leben auseinanderzusetzen«.

Stolz Sichtlich stolz und auch etwas nervös nahmen anschließend die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft »Jüdisches Leben in Seligenstadt« der Einhardschule in Seligenstadt einen der mit 1000 Euro dotierten ersten Preise entgegen. Die Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren recherchieren die jüdische Geschichte ihrer im Landkreis Offenbach gelegenen Stadt.

Sie haben unter anderem die Patenschaft für den an ihre Schule angrenzenden jüdischen Friedhof übernommen, den sie regelmäßig pflegen. Mit dem Preisgeld wollen die Seligenstädter Schüler die Namen aller auf dem Friedhof liegenden Verstorbenen, die keinen Grabstein haben, verewigen.

Noam Petri wurde für sein Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus ausgezeichnet.

Ein weiterer erster Preis ging an die Arbeitsgemeinschaft »Spurensuche« der Wöhlerschule in Frankfurt. Die Jugendlichen der Klassen 9, 10 und der Oberstufe beschäftigen sich mit den Lebensgeschichten jüdischer Wöhlerschüler in der NS-Zeit. Unter anderem soll ein selbst produzierter Podcast an die Schicksale der verfolgten jungen Frankfurter erinnern.

»Es waren Menschen wie wir alle«, sagte David Preiser von der AG »Spurensuche«. Es sei auch ihre Aufgabe, dass die Schrecken der Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerieten, betonte Preisers Mitschülerin Isabell Macher.

dialog Der 18-jährige Frankfurter Schüler Noam Petri erhielt für sein Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus sowie seinen Einsatz für den interreligiösen Dialog den mit 500 Euro dotierten zweiten Preis. »Noams Einsatz kommt von Herzen und aus tiefer Überzeugung«, hieß es in der Laudatio. »Als Kind der Gemeinde, als Kind von Beni Bloch und als Kind von Makkabi war meine jüdische Identität schon immer sehr stark«, betonte Petri.

Zum Abschluss würdigte Michaela Fuhrmann, Leiterin für politische Beziehungen der Frankfurter Gemeinde, noch einmal den Namensträger des alle zwei Jahren vergebenen Preises: »Wenn Beni Bloch uns zusehen könnte, würde er bestimmt hoffnungsvoll lächeln.«

Lesen

Zehn Welten

Die Journalistin Anna Lutz hat Jüdinnen und Juden porträtiert und darüber ein Buch veröffentlicht. Entstanden sind Geschichten zwischen Nähe und Distanz

von Leon Stork  28.07.2026

Kino

»Das ist das Vermächtnis meines Vaters«

Alice Brauner setzt als Produzentin die Familientradition fort. Ein Gespräch über ihren neuen Film »Block 10«, Herausforderungen für Schauspieler und intensive Recherchen

von Christine Schmitt  28.07.2026

München

Vorhang auf für die Kids

Zum Start der Sommerferien führen die Kinder der Sinai-Grundschule ein Musical in englischer Sprache auf

von Luis Gruhler  28.07.2026

Worms

Ein Turm in der Erde

Seit ein paar Wochen können Besucher wieder die Mikwe besichtigen. Ein Ort mit einer langen Geschichte. Doch der Klimawandel hinterlässt seine Spuren

von Mascha Malburg  28.07.2026

Interview

»Kiddusch mit Empanadas«

Daniela Rusowsky über die lateinamerikanische Gemeinschaft in Berlin, Melodien aus der Heimat und die Bedeutung von Kabbalat Schabbat

von Mascha Malburg  26.07.2026

München

Diplomatie und Freundschaft

Anlässlich seines 15-jährigen Bestehens lud das israelische Generalkonsulat zu einem Festakt in den Kaisersaal der Residenz

von Luis Gruhler  26.07.2026

Porträt der Woche

Eine Stimme für Israelis

Eliran Hirsh möchte mit seinen Podcasts Landsleute weltweit vernetzen

von Lorenz Hartwig  26.07.2026

Berlin

Rabbinerkonferenz: Berliner Führerbunker jüdischer Gemeinde geben

Was wird aus dem alten Führerbunker in Berlin? Derzeit streiten Senat, Stadtplaner und Denkmalschützer um den richtigen Umgang mit der Ruine. Die Europäische Rabbinerkonferenz schaltet sich nun mit einem Vorschlag ein

 26.07.2026

Bayern

»Es ist Zeit, den Hass zu beenden«

Eine Mahnwache der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zeigte Solidarität mit dem Opfer des israelfeindlichen Verbrechens in der Region Würzburg

von Stefan W. Römmelt  25.07.2026