Corona

»Nur ein einziger Gig«

Roy aka Gel Abril Foto: Tom Holiganov

Als wenn eine Art Mehltau über allem liegen würde – auf diese Formel ließe sich der pandemiebedingte Stillstand in der Berliner Klubszene wohl am besten bringen. Seit einem Jahr dauert er nun schon an. Wohl kaum eine andere Branche in der Hauptstadt ist von den Folgen der Corona-Krise so betroffen.

Zwar bastelt der Senat aktuell an einem langfristigen Stufenplan für die Rückkehr zu mehr Normalität, in dem ebenfalls von Lockerungen für Klubs die Rede sein soll. Doch wann genau wieder Licht am Ende der Tanzfläche zu sehen ist, das kann im Moment niemand mit Gewissheit vorhersehen.

Für ihre Betreiber ist die Situation ebenso existenzbedrohend wie für die vielen Mitarbeiter. Aber auch diejenigen, die mit dem Auflegen von Musik ihr Geld verdienen, müssen sich mit der Situation irgendwie arrangieren und Ideen haben, wie man die Krisenzeit meistern kann.

HOTSPOT Und weil Berlin als einer der Hotspots der weltweiten Klubszene gilt, tummeln sich hier auch zahlreiche DJs aus Israel. Einige von ihnen sind äußerst erfolgreich und haben sich zu festen Größen etabliert, was jedoch nichts an der Tatsache änderte, dass auch sie derzeit beim Auflegen von Platten vor Publikum eine Zwangspause einlegen mussten. So wie Roy Brizman, auch bekannt als Gel Abril, der bereits seit 2009 in Deutschland Musik macht.

Vor der Krise waren einige von ihnen äußerst erfolgreich und hatten sich zu festen Größen in der Klubszene etabliert.

»Seit Ausbruch der Corona-Krise vor einem Jahr hatte ich nur einen einzigen Gig«, berichtet der Israeli, der vor der Pandemie regelmäßig unter anderem im Kater Blau, Watergate oder der Wilden Renate auftrat. »Das war im Sisyphos im vergangenen Sommer.« Der Klub nahe der Rummelsburger Bucht verfügt über ein Außengelände, weshalb für einige Wochen auch draußen – natürlich unter Einhaltung strenger Auflagen – getanzt werden durfte.

»Ansonsten habe ich die Zeit genutzt, im Studio intensiv an neuen Tracks zu arbeiten und mich musikalisch voranzubringen – also im wahrsten Sinne des Wortes eine kreative Pause eingelegt.« Möglich war dieser Produktivitätsschub unter anderem dank finanzieller Hilfen durch den Staat.

FAMILIE Doch ein Ereignis sollte sogar Corona überschatten. »Im Februar vergangenen Jahres verstarb meine Mutter in Israel.« Die Tatsache, nicht wie vor der Pandemie regelmäßig zwischen Berlin und Tel Aviv zu pendeln, um seiner Familie dort nahe sein zu können, war bis dato für ihn wohl eine der größten Herausforderungen, die der Lockdown mit sich brachte. Aber auch etwas Positives ereignete sich. »Ich wurde kürzlich Vater eines zweiten Kindes.«

Den Kontakt mit der Familie in Israel ebenfalls in Zeiten von Corona aufrechtzuerhalten – da ist manchmal schon ein wenig Einfallsreichtum gefragt. »Ich lege derzeit regelmäßig im Kitkatclub auf«, erzählt Asaf Dolev. »Aber natürlich nicht vor Gästen. Das Ganze wird dann live gestreamt«, so der DJ, der in »normaleren« Zeiten neben dem legendären Kitkatclub auch im Suicide Circus oder Club Magdalena zu sehen und zu hören ist.

Den Kontakt mit der Familie in Israel aufrechtzuerhalten, ist eine der größten Herausforderungen.

»Mein Vater und meine Mutter, beide schon über 70, schalten sich dann dazu. Dank Livestream bleibe ich also nicht nur mit meinem Publikum verbunden, sondern darüber hinaus auch mit meinen Eltern. Und es bereitet allen Beteiligten einen Riesenspaß.« Seit fünf Jahren lebt Dolev in Berlin. »Musikalisch liegen meine Schwerpunkte auf Techno und House.«

AUSSENGELÄNDE Wie die Krisenzeit über alle vor genau einem Jahr hereinbrach, daran erinnert sich Dolev noch ganz genau. »Eigentlich sollte ich noch Anfang März im Kitkatclub auflegen«, so der DJ. »Doch die Betreiber hatten beschlossen, auf Nummer sicher zu gehen, und stellten den Betrieb schon vor dem generellen Lockdown ein.« Er selbst hatte nur wenige Wochen zuvor einen weiteren Job außerhalb der Klubszene angefangen, sodass es finanziell nicht so kritisch für ihn werden sollte.

Nun hofft Dolev, dass im Sommer wenigstens in Klubs mit einem Außengelände Auftritte möglich sein werden. »Und egal, was noch kommt. Zu Rosch Haschana werde ich auf jeden Fall wieder nach Israel fahren.«

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