Corona

Normale Ausnahme

Mund-Nasen-Maske und Desinfektionsmittel helfen auch in Schulen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Foto: Getty Images/iStockphoto

Eines schafft Corona nicht: Auch in diesen Tagen lässt sich Noga Hartmann, Direktorin der I. E. Lichtigfeld-Schule in Frankfurt, die Begeisterung für ihre Arbeit nicht verderben. »Ich freue mich jeden Tag auf die Schule.« Und diese Einstellung teilt sie derzeit auch mit ihren Schülern. »Denn das hat die Pandemie geschafft, dass Schülerinnen und Schüler nun wohl gerne in die Schule kommen und sie schätzen.« Schließlich sei für die Kinder und Jugendlichen der Präsenzunterricht an der Schule besser als der Distanzunterricht.

An der Lichtigfeld-Schule werden Kinder von der Eingangsstufe bis zum Abitur unterrichtet. »Wir müssen ihnen die Normalität wiedergeben«, meint die Direktorin. Die Schule ist im Präsenzunterricht, und alle hoffen, dass es trotz einiger – noch übersichtlicher – Infektionen und Quarantänefälle bei Schülern und Pädagogen, die unter dem hessenweiten Durchschnitt von zwei Prozent liegen, auch weiter möglich bleibt. »Es ist sehr anstrengend für uns alle, aber trotzdem sind wir zufrieden.«

Mund-Nasen-Schutz Die Maßnahmen hat der Schulträger in Absprache mit der Schulleitung unabhängig von der Landesregierung vor Kurzem verschärft: So tragen auch die Schüler der Eingangsstufe während des Unterrichts und auf dem Schulhof Masken. »Der Mund-Nasen-Schutz ist Teil des Alltags.« Besprochen und empfohlen wurde das mit dem Gesundheitsamt und dem Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, dem Mediziner Leo Latasch, der auch Frankfurter Krankenhäuser in der Pandemie berät, sowie dem Mitglied des Gemeindevorstands und Schuldezernenten Harry Schnabel.

»Unsere Schüler haben kein Problem mit dem Maskentragen«, hat Noga Hartmann beobachtet, obwohl der Unterricht dadurch mühsamer sei. Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen kann und ein ärztliches Attest vorlegt, darf auf ein Schutzvisier zurückgreifen. Zu den derzeitigen Regeln gehören auch das Desinfizieren, Lüften und Abstandhalten.

Pädagogen und Eltern machen sich derzeit Sorgen, dass es in der Schule zu einer Ansteckung kommen könnte – und fast jeder hat eine eigene Meinung zu diesem Thema. Also gibt es viele Diskussio-nen. »Ich kann sie alle verstehen«, sagt Hartmann. Beispielsweise beim Sportunterricht. Einige Eltern meinen, dass der derzeit unnötig sei, andere wiederum betonen, dass die körperliche Aktivität sogar sehr wichtig ist. Dazu sind gerade im Bereich des Sports die Einstellungen zu Masken unterschiedlich. Können die im Sportunterricht getragen werden? Je nach Sportart sind sie mittlerweile auch Pflicht.

Elternsprechstunden Ein Thema sind auch die Elternsprechstunden. So finden beispielsweise die jährlichen Elternbeiratstreffen derzeit digital statt.

Zum Mitzwah Day am 15. November hatten sich einige Klassen etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Sie bastelten beispielsweise Ketten für Masken, wie sie auch an Sonnenbrillen angebracht sind, damit man sie sich um den Hals hängen kann und sie nicht verliert. Mit Dankesbriefen und -karten versehen, haben die Kinder sie an die Sicherheitsmitarbeiter, Polizisten und Nachbarn verschenkt.

Bei den Mahlzeiten wird der Mindestabstand von 1,50 auf zwei Meter vergrößert.

Die Zahlen der Neuinfektionen sind in Frankfurt weiterhin hoch. Allein in Hessen gibt es etwa 2000 Neuinfektionen pro Tag. Der 7-Tage-Inzidenzwert liegt laut Robert-Koch-Institut in der Mainmetropole bei mehr als 200.

Wer dieser Tage im Sekretariat des Albert-Einstein-Gymnasiums in Düsseldorf anruft, hört im Hintergrund die Stimmen der Kinder, die sich gerade auf dem Schulhof munter unterhalten und ihre Pause genießen. Nach zwei Wochen Hybridunterricht heißt es nun wieder für alle Schüler, auch physisch rechtzeitig zur ersten Stunde zu erscheinen. Michael Anger, Direktor des Gymnasiums, wusste vor knapp drei Wochen keinen anderen Rat, als die Schulklassen zu teilen und abwechselnd jeden Tag die eine und dann die andere Hälfte kommen zu lassen.

Infektionslage Eine Klasse war in der Schule, die andere schaltete zu Hause den Computer für den Online-Unterricht ein. Klassenarbeiten mussten allerdings verschoben werden. Nötig wurde dieses Modell, da zahlreiche Lehrer und Schüler in Quarantäne waren. Die Infektionslage sei unklar gewesen. Natürlich beunruhige das alle. Nun werden die Pädagogen mit FFP2-Masken ausgestattet, die sie fast den ganzen Tag tragen müssen, damit sie gut geschützt sind. Maskenpflicht gilt auch für die Kinder und Jugendlichen, nur beim Essen dürfen sie abgenommen werden. »Und bei den Mahlzeiten vergrößern wir den Abstand auf zwei Meter«, sagt der Schulleiter.

Der Klassenverband soll zusammenbleiben. Ausnahmen sind nur die Wahlpflichtkurse.

Der Klassenverband soll zusammenbleiben. Ausnahmen sind nur die Wahlpflichtkurse, wo es nicht anders funktionieren würde. »Die laufen mit einer festen Sitzordnung.« Arbeitsgemeinschaften wurden abgesagt, diese Zeit wird nun zum Lernen im Verband genutzt. Derzeit freut sich der Direktor vor allem darauf, dass endlich die vor langer Zeit bestellten Luftfilter eintreffen sollen. Der Schulträger, die Jüdische Gemeinde Düsseldorf, hatte sie für das Gymnasium und die Grundschule bestellt.

Darüber hinaus werden die Lehrer alle zwei Wochen durchgetestet. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Der Schwimmunterricht kann nicht stattfinden, weil die Bäder geschlossen sind. »Es macht sehr viel Arbeit, den Alltag mit diesen Herausforderungen zu stemmen. Aber Präsenzunterricht ist wichtig«, sagt Anger.

Quarantäne Das sagt auch Daphna Schächter, Direktorin der Yitzhak-Rabin-Grundschule in Düsseldorf. Zwei Klassen waren in den vergangenen Monaten in Quarantäne – »wir hatten mit mehr gerechnet«. Wahrscheinlich liege die übersichtliche Lage an dem ausgefeilten Konzept: Masken tragen die Kids immer, keine Klasse begegnet einer anderen, der Schulbusdienst, der früher die Schüler nach einer geografischen Route abholte, holt sie jetzt nach dem Kriterium des Klassenverbands ab.

»Es ist schon sehr anstrengend. Hut ab vor dem Kollegium.« Die Lehrer müssen ebenfalls die ganze Zeit die FFP2-Masken tragen. Das Zeitkonzept sehe nun ganz anders aus, weshalb Verschnaufpausen entfallen. Als die ersten Kinder in Quarantäne waren, hatten sie nachmittags Einzel-Unterricht per Zoom. »Nach dem ersten Lockdown können das alle.« Im Moment gebe es offiziell keinen einzigen infizierten Schüler in Düsseldorf, sagt Schächter.

In Köln befinden sich etwa fünf Prozent der Schüler der Lauder-Morijah-Schule in Quarantäne. Die Masken müssen die Kinder immer dann tragen, wenn sie sich in den Räumen bewegen. »Das machen sie mittlerweile ganz selbstverständlich, die Regeln haben sie schnell verinnerlicht«, sagt Alex Shnaider vom Vorstand. Am Platz dürfen sie sie abnehmen.

Auch der Fahrdienst muss sich dem Konzept anpassen. »Jüdische Eltern sind immer besorgt, jetzt aber noch mehr«, sagt Shnaider. Am Dienstag entschied die Schulleitung, es den Familien freizustellen, ob die Schüler die letzten beiden eigentlichen Schultage vor den Ferien kommen mögen oder nicht. Sie können es selbst entscheiden.

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