Ichenhausen

Neue Talkreihe in alter Synagoge

Der Autor Rafael Seligmann Foto: imago images/VISTAPRESS

Ichenhausen

Neue Talkreihe in alter Synagoge

Hoher Besuch in der ehemaligen Synagoge Ichenhausen: Der CSU-Ehrenvorsitzende und frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel tritt dort am Freitag als Premierengast der »Ichenhausener Synagogengespräche für die Zukunft« auf

 28.09.2022 15:40 Uhr

Der Moderator dieses neuen Talkformats ist Rafael Seligmann, jüdischer Publizist aus Berlin mit familiären Wurzeln in Ichenhausen, das in Bayerisch-Schwaben zwischen Augsburg und Ulm liegt.

Seligmann hat die »Synagogengespräche« gemeinsam mit Klaus Wolf angestoßen. Wolf ist Professor für Deutsche Literatur und Sprache in Bayern an der Universität Augsburg sowie Vorsitzender der Stiftung zum Erhalt der einstigen Synagoge. Ziel des Formates sei es, »von jüdischen Werten ausgehend aktuelle Debatten mit Strahlkraft in die Gesellschaft tragen, nicht zuletzt angesichts eines immer lauter werdenden Antisemitismus«. Vierteljährlich soll es fortan Gespräche mit prominenten Gästen geben.

Format Zugesagt hat Wolf zufolge schon Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Ferner wolle man den Münchner Kardinal Reinhard Marx, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser einladen. Der Stiftungschef will das Format als TV-Sendung etablieren, dazu liefen Gespräche mit Arte und dem Bayerischen Rundfunk. Die Erstausgabe werde als Aufzeichnung in den Youtube-Kanal »Schwäbisches Literaturschloss Edelstetten« eingestellt. Wie Wolf sagt, sind zur Premiere am 30. September, 17 Uhr, auch Gäste in der alten Synagoge willkommen.

Ichenhausen war - wie andere Orte in Bayerisch-Schwaben - einst stark jüdisch geprägt. So galt um 1830 knapp die Hälfte der Ichenhausener als jüdisch, das entsprach rund 1.200 Personen.

Zum Hintergrund erklärt Wolf: »Ichenhausen und andere kleinere Orte im einst habsburgischen Vorderösterreich bildeten früher das sogenannte Medinat Schwaben.« Medinat heißt Staat auf Hebräisch. »Darunter ist ein relativ stark jüdisch besiedeltes Gebiet inmitten einer katholisch geprägten Landschaft zu verstehen.« Die Habsburger seien aus Interesse an hohen Steuereinnahmen tolerant gegenüber den Juden gewesen. Zudem hätten die Religionen voneinander profitiert: »Die Juden konnten am Sabbat katholische Mägde für sich arbeiten lassen, die Katholiken fanden ihr Auskommen in der starken jüdischen Textilindustrie.« kna

Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht« über ihre Sorgen um die Demokratie und den Aufstieg rechter Parteien. Zu sehen sind Ausschnitte der Interviews auch im Nachtprogramm der ARD

 19.01.2026

Interview

»Die Kita wird für alle offen sein«

Yevgeny Kutikov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Potsdam, über die erste jüdische Kita in Brandenburg.

von Christine Schmitt  19.01.2026

Dachau

2025 mehr als eine Million Besucher in KZ-Gedenkstätte

Erstmals wurden in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein ganzes Jahr lang Besucher gezählt. 2025 waren es mehr als eine Million. Im kommenden Frühjahr will man deren Profil genauer untersuchen

 19.01.2026

Köln

Jüdischer Karnevalsverein antisemitisch angefeindet

»Es ist das bisher Heftigste, was uns passiert ist«, sagt der Präsident des jüdischen Karnevalsvereins »Kölsche Kippa Köpp«. Den Mut verliert Aaron Knappstein aber nicht

von Leticia Witte  19.01.2026

Uckermark

Stille Weite

Alex Stolze ist Musiker und hat sich in einem Dorf unweit der deutsch-polnischen Grenze einen jüdischen Ort in Brandenburg geschaffen

von Katrin Richter  18.01.2026

Berlin

»Meine Überraschung war die Konfitüre aus Rosenblüten«

Laurel Kratochvila backt Challa, Rugelach und Bagels. Nun hat sie ein Buch über polnische Backkunst geschrieben, das die »New York Times« prämiert hat. Eine Reise in die Familiengeschichte und an den Straßenrand

von Katrin Richter  18.01.2026

Grunewald

Friedhof Heerstraße braucht mehr Platz

Die Gemeinde hofft auf die lang erwartete Erweiterung. 1200 neue Grabstellen sind geplant

von Christine Schmitt  18.01.2026

Porträt der Woche

Action als Lebenselixier

Ruth Frenk ist Gesangspädagogin, lebt am Bodensee und fand im Alter die große Liebe

von Matthias Messmer  18.01.2026

Gelnhausen

»Stopp! So geht das nicht!«

Die Stadt wollte das Rabbinerhaus aus dem 16. Jahrhundert verkaufen. Ein Förderverein schritt ein und entwickelt nun ein Konzept als »Ort des Dialogs«

von Eugen El  18.01.2026