Köln

Mehr Spenden als je zuvor

Es sollte wie immer ein rauschender Ball werden, als die Women’s International Zionist Organisation (WIZO) zu ihrer alljährlichen Spendengala in die Kölner Wolkenburg geladen hatte. Doch zum traditionell ausgelassenen Feiern bis in die frühen Morgenstunden ist seit Beginn des Krieges gegen Israel niemandem mehr zumute.

So wurde nach reiflicher Überlegung unter dem Motto »Eine Nacht für Kinder« ein festlicher Abend begangen. Stille statt Tanzmusik füllte den elegant geschmückten, großen Saal der Wolkenburg, als Orly Licht, Vizepräsidentin der WIZO Deutschland, eine Kerze entzündete, bevor sie zu ihrer Begrüßungsrede ansetzte.

»Am 7. Oktober hat Israel die verheerendste Katastrophe seit dem Holocaust erlebt«, sagte Orly, die auch dem Kölner WIZO-Vorstand angehört. »Wir haben erst überlegt, ob wir vor diesem Hintergrund unsere Gala überhaupt durchführen sollten.«

Denn die Bilder und schrecklichen Einzelheiten seit dem Hamas-Massaker »schmerzen unsere Herzen, aber noch mehr schmerzen die weltweiten Demonstrationen für die Hamas und das Schweigen vieler Menschen darüber«. Nicht zuletzt deshalb hätten sich die Kölner WIZO-Frauen gemeinschaftlich für eine Veranstaltung entschieden, die dem Ernst der Lage angemessen sei.

Eine Patenschaft garantiert einem Kind eine gesicherte Versorgung.

»In dieser herausfordernden Zeit braucht Israel uns mehr denn je, und das zeigen wir. Denn wir schulden es den Opfern und deren Angehörigen. Wir müssen zusammenstehen«, so Orly. Bettina Levy vom Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln pflichtete ihrer Kollegin bei: »Auch wenn uns nicht nach Tanzen zumute ist: Wir feiern das Leben und stehen zusammen.«

Mit Erfolg, denn am Abend dieser 42. Kölner WIZO-Gala wurde gespendet wie nie zuvor. Rund 250 Personen, darunter viele nichtjüdische Gäste wie der auch in Israel bekannte Kölner Aktionskünstler HA Schult (»Für Israel gehe ich überall hin«), waren der Einladung gefolgt und spendeten in Form von Patenschaften für soziale Projekte, die WIZO in Israel betreibt.

Eine solche Patenschaft garantiert einem Kind eine gesicherte Versorgung für ein Jahr. WIZO, eine der größten internationalen Frauenorganisationen der Welt, engagiert sich in Israel in rund 800 Einrichtungen für sozial benachteiligte Frauen und Kinder, Familien, Senioren und Einwanderer – unabhängig von deren religiöser Prägung oder ethnischer Herkunft.

Vielfältige karitative Projekte in Israel

Bereits kurz nach Ausbruch des Krieges am 7. Oktober hat die weltweit in 50 Ländern aktive Organisation damit begonnen, ihre vielfältigen karitativen Projekte in Israel zu intensivieren. So gehörten in den ersten Tagen nach dem Hamas-Angriff die elf WIZO-Kindergärten zu den einzigen, die ihren Betrieb weiterführten.

Unter den Rednern des Abends war auch Nathanael Liminski, Minister für Europa- und Bundesangelegenheiten. »Wenn mich jemand fragt, wie sich der Hass überwinden lässt, drücke ich ihm die Kontonummer von WIZO in die Hand«, sagte der Chef der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen. Zudem wies er darauf hin, dass die Landesregierung derzeit konkrete Maßnahmen plane, um sich an Wiederaufbauprogrammen in Israel zu beteiligen.

Die Stadt Köln war durch Oberbürgermeisterin Henriette Reker vertreten.

»Es war mir schon immer eine Herzensangelegenheit, die WIZO-Frauen zu unterstützen«, sagte der Hausherr der Wolkenburg, Rudolf von Borries, und ergänzte: »Und dieses Mal erst recht!« Unter den Gästen war auch der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. Die Stadt Köln war durch Oberbürgermeisterin Henriette Reker vertreten, das Rheinland durch die Vorsitzende der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbands Rheinland, Anne Henk-Hollstein.

Auch der Präsident des 1. FC Köln, Werner Wolf, und Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, nahmen an der Gala teil. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wandte sich in einem von Trude Lehrer verlesenen Grußwort an die Festgesellschaft. »Wir alle sind zum Handeln aufgerufen, es geht um Zeichen der Solidarität«, so das Staatsoberhaupt. Botschafter Ron Prosor warnte mit Blick auf die Demons­trationen und Sympathiebekundungen für die Hamas: »Wenn wir heute nicht dagegen aufstehen, werden wir morgen weinen.« Für Deutschland könne es nur eine Seite geben, »und das ist die Seite Israels«.

Für ein angemessenes musikalisches Programm sorgten die Klas-Band aus Berlin und der »Teufelsgeiger« Igor Epstein. Die aus Israel stammende und seit Jahren in Köln beheimatete Opernsängerin Dalia Schächter gab berührende Gesangseinlagen, und die Pianistin Emma Rintel spielte und sang ein mitreißendes Medley israelischer Lieder.

Schließlich sprach Oberbürgermeisterin Henriette Reker die jüdische Gemeinde Köln direkt an: »Über unsere historische Verantwortung hinaus ist es ein Glück und eine Freude, dass Sie zu unserer Gesellschaft gehören. Das lassen wir uns nicht nehmen.«

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