Sommerfest

Manege frei

Der Hubert-Burda-Saal des Jüdischen Gemeindezentrums am Jakobsplatz hatte sich am letzten Julisonntag in ein großes Zirkusareal verwandelt. An den Seitenwänden hingen große Bilder von Zirkuswagen – mit Tieren, Clowns und anderen Artisten. So mancher Elefant oder Löwe, der durch die Fenster der Waggons blickte, hatte durchaus Ähnlichkeit mit denjenigen, die schon aufgeregt durch Saal oder Foyer rannten. Im Hintergrund der Bühne war ein riesiges Pferd zu sehen, darauf eine kleine Voltigier-Tänzerin. Das Bild daneben zeigte ein Zirkusrund mit vielen Besuchern, darüber der Schriftzug »Zirkus Sinai«. Unter diesem Motto hatte die Sinai-Schule am vergangenen Sonntag vor Beginn der Ferien zum Sommerfest eingeladen.

zebras Der Saal war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt – und erst nach mehrmaliger Ermahnung, auch die Notausgänge freizuhalten, konnte die Vorstellung mit dem Einzug des gesamten Zirkusensembles beginnen: Da gruppierten sich Clowns und Tänzer auf den Stufen vor der Bühne, da fauchten kleine Löwen, kamen Elefanten und Zebras, hüpften Affen, reihten sich Tänzer ein und schwarze Gestalten, die besonders neugierig machten. »Lassen Sie sich von den Darstellern entführen in die Welt des Zirkus Sinai, lassen sie uns gemeinsam fröhlich feiern und ein erfolgreiches Schuljahr ausklingen«, lud Antonia Ungar die Gäste ein. In ihrer kurzen Ansprache hatte die Schulleiterin sich zuvor auch im Namen des Lehrerkollegiums bedankt »bei Schulkommission, Elternbeirat und den vielen Eltern für die Vorbereitung dieses schönen Tages.« Für die Schulkommission hielt Michael Fischbaum vom Vorstand der IKG eine kurze Ansprache, in der er die Leistungen von Lehrerinnen und Leitung der Sinai-Schule würdigte: »Ich freue mich auch für unsere Kinder, die hier an unserer Schule die Möglichkeit zu einer umfangreichen Ausbildung und Erziehung bekommen.« Für den Elternbeirat dankte Esther Chmiel dem Kollegium und der IKG, die die Arbeit der Schule bestens unterstützt.

Vom Vorstand anwesend waren neben Präsidentin Charlotte Knobloch und Michael Fischbaum auch Ariel Kligman und Vizepräsident Marian Offman. Ihre Anerkennung richtete sich zudem an alle, die mit Zeit, Geld und Ideen zum Erfolg der Schule beitragen. Dann begann auch schon die erste Zirkusnummer mit den Jumping Kids aus der Klasse 4b. Dass auch der Sportunterricht an der Sinai-Schule einen wichtigen Stellenwert hat, bewiesen die jungen Artisten nicht nur mit Purzelbaum und Handstand. Sie sprangen kopfüber durch mehrere Reifen und rollten sich gekonnt ab.

Schließlich ging die Rolle vom Sprungbrett aus nicht nur über ein, sondern sogar über fünf Kinder, die dem Können ihrer Mitschüler so sehr vertrauten, dass sie sich bedenkenlos auf die Matte hinter dem Absprungbrett legten. Entspannender für die Zuschauer wurde es dann mit den Klassen 2b und 2a, die zum Affentanz luden. Mit wilden Masken und viel Temperament tanzen einige der Kinder als kleine Äffchen über die Bühne, während die anderen ihnen mit Gesang und Instrumenten den Takt vorgaben. Ganz ohne Sicherheitsgitter durften die Zirkusbesucher dann die kleinen Gelbschwanzlöwen erleben, die – laut Ansage – der Zirkus Sinai direkt aus Afrika mitgebracht hatte.

löwen Die Kinder aus der Klasse 1a hatten sich die Darbietungen ihrer vierbeinigen Kollegen wohl genau angesehen. Sie boten das gesamte Programm – vom Springen von einem Hocker zum anderen bis zum Balancieren über Stangen, wobei auch sie dann von ihrer Dompteuse zur Belohnung ein Leckerli erhielten. Nur eines war ganz besonders: Eine solch große Löwengruppe ist selten in der Manege zu sehen.

Viel Spaß hatten die Zuschauer anschließend bei der Clown-Schule der Klasse 3a. Die Schüler probten nach Herzenslust und die Leiterin hatte so ihre Schwierigkeiten, sie immer wieder zu Plichtaufgaben zu rufen. Da dauerte es dann auch einige Trillerpfeifen-Töne lang, bis die ganze Mannschaft schließlich der Größe nach aufgestellt war. »Rüssel nach rechts, Rüssel nach links« hieß dann das Kommando, als nochmals die Klassen 2a und 2b einen Elefantentanz aufs Parkett legten. Anschließend galoppierten 16 kleine Zebras aus der Klasse 1c durch die Manege. Die besonders gelungenen Masken begeisterten ebenso wie die Dressurnummer und das Publikum applaudierte im Takt, als die kleinen Stars über die Bühnentreppe wieder auf ihre Plätze im Saal trabten.

Äffchen Musikalische Erinnerungen an das Dschungelbuch ließen die Großen auch mitklatschen, als die Klasse 2c den Dschungeltanz aufführte. Äffchen hüpften munter über das Parkett, die Elefanten hatten diesmal kleinere Ohren und tanzten auf vier Beinen – vorne ein Kind aufrecht mit Maske, dahinter eines, das diesem gebückt um die Taille fasste. Dann wurde es stockdunkel im Raum. Nur die Umrisse der Tänzerin auf dem Bühnenbild und der Schriftzug Zirkus Sinai waren zu sehen. Jetzt wurde auch klar, warum die Kinder der Klasse 1b alle schwarz gekleidet in den Saal gekommen waren. Mit wechselnder Choreografie verleiteten wechselnde Formen zum Träumen, bis schließlich kurz der Schriftzug »Schule« zu lesen war.

Bewunderung und viel Applaus bekamen auch die beiden letzten Darbietungen. Die Klasse 3b bot eine Jongliernummer, in der zu chinesischen Klängen nicht nur Teller auf Stäben balanciert wurden, sondern sich die kleinen Akteure dazu auch noch auf den Boden legten und wieder aufstanden. Das Bravo aus dem Publikum war ihnen sicher. Das galt auch für die jungen Akrobaten der Klasse 4a, die atemberaubende Menschenpyramiden formten. Immer wieder neue Formationen erstaunten hier das Publikum. Wie beim echten Zirkus sammelten sich dann alle noch einmal auf der Bühne, bevor nach einer kurzen Ansprache von Präsidentin Charlotte Knobloch die gemeinsam gesungene Hatikwa das offizielle Programm beendete.

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