Düsseldorf

»Malmad« zeigt Vielfalt

Wie kann man Schüler und Schülerinnen in der achten Klassenstufe an das Judentum heranführen? Wie könnte eine Projektwoche zum Thema Antisemitismus aussehen? Was lässt sich Jugendlichen über den Staat Israel vermitteln? Wie lassen sich Schubladendenken und Vorurteile bekämpfen? Für solche und andere Fragen in Bezug auf Judentum, jüdische Identitäten, Israel und Antisemitismus in seinen heutigen Formen steht seit Mittwoch das Onlineprojekt »Malmad« zur Verfügung.

Die Bezeichnung »Malmad« leitet sich aus dem Hebräischen ab und bedeutet sinngemäß »Stachel« oder »Dorn«. Unterstützt wird das Onlineprojekt vom Ministerium für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

»Antisemitismus ist ein gesamtgesell­schaftliches Problem, welches auch durch Bildung reproduziert wird. Durch unsere bisherige Arbeit haben wir festgestellt, dass ein hoher Bedarf an Bildungs- und Präventionsarbeit, auch im Kontext Schule, besteht«, sagt Sophie Brüss. Sie ist Referentin bei SABRA in Nordrhein-Westfalen, der Servicestelle für Antidiskriminierungs­arbeit und Beratung bei Rassismus und Anti­semitismus, in deren Rahmen das »Malmad«-Projekt entstanden ist. Gemeinsam mit Olga Rosow, Leiterin der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, hat sie das Projekt initiiert.

Unterstützung »Mit ›Malmad‹ möchten wir Lehrende an Bildungsinstitutionen, Schulen und Vereinen dabei unterstützen, die Leerstellen zu Themen wie dem gegenwärtigen vielfältigen Judentum oder dem Staat Israel mit qualifiziertem Material zu füllen«, beschreibt Olga Rosow das Projekt.

Michael Rubinstein, Direktor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, findet »Malmad« wichtig. »Es freut mich sehr zu sehen, dass wir als Jüdische Gemeinde Düsseldorf nun mit der Bildungsplattform ›Malmad‹ eine wichtige Lücke in der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit schließen werden. In dieser herausfordernden Zeit stimmt mich dies überaus positiv.«

Entwicklungsarbeit Dem Launch der Webseite gingen knapp zwei Jahre mit Konzeption und Entwicklung voraus. Nun kommt man dem Bedarf an Ideen für die Workshop-Gestaltung sowie Bildungsmaterialien mit einem virtuellen Methodenkoffer entgegen. Dies sei in Anlehnung an die Methodenkoffer zu verstehen, die man sich in Museen ausleihen kann, erklärt Projektmitarbeiterin Marina Friemelt. »Wir wollten etwas Zeitgemäßes machen, das nicht ausgeliehen und zurückgegeben werden muss, sondern digital leicht verfügbar ist«, sagt die Historikerin.

Für die verschiedenen Themenkomplexe gibt es unterschiedliche Herangehensweisen.

Unkompliziert und leicht verfügbar sind die Anregungen für Workshops, Projektwochen und Vermittlungsmethoden, die sich, nachdem man sich in einem kurzen Verfahren registriert hat, auf der Webseite einsehen und herunterladen lassen. Ein Modul beispielsweise zum Thema »Jüdische Identitäten« zeigt, wie man mit einem Quiz zum Judentum ins Thema einsteigen, durch spielerische Hilfsmittel zu Vorurteilen vordringen und diese aufbrechen könnte.

»Die Methoden sind entweder selbst von uns entwickelt oder überprüft und ausprobiert worden«, betont Marina Friemelt. »Es geht uns nicht darum, das Rad neu zu erfinden und alles selbst zu machen, sondern ein ganz klares Ziel von uns ist, eine Plattform zu werden, auf der auch andere Organisationen ihre Sachen zur Verfügung stellen möchten.«

Plattform Die Plattform ist ein Schritt, antisemitismuskritische Bildungsarbeit möglichst vielen zur Verfügung zu stellen und dabei gleichzeitig hilfreich eingeordnet einen Fundus an Methoden und Anregungen für schulische und außerschulische Bildungseinrichtungen zu schaffen. Aus pädagogischer Sicht sei es ein Alleinstellungsmerkmal, dass der Spagat zwischen Schule und außerschulischer Bildung gewagt wird, erläutert Natalie Kajzer, die für die pädagogische Begleitung des Projekts zuständig ist. Behandelt werden die Themenbereiche Antisemitismus, Judentum, Israel, Demokratie und Menschenrechte.

Für die verschiedenen Themenkomplexe gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. So beschäftigt sich ein Modul mit Israel und vermittelt die Vielfalt des Landes. Ein weiteres untersucht den Aspekt Identitäten. Bei gruppendynamischen Spielen geht es beispielsweise darum, Identitäten aufzusprengen. »Hier lege ich Wert darauf, dass keine ›-ismen‹ reproduziert werden, also kein Rassismus, kein Antisemitismus. Also nicht die Fragen ›Was habe ich, und was bin ich?‹, sondern die Fragen ›Wer bin ich, und was interessiert mich?‹ stehen im Vordergrund«, sagt Natalie Kajzer.

Die Initiatoren hoffen auf ein breites Feedback, um das Projekt weiterentwickeln zu können.

Perspektiven Ein Ansatz, der bei der Methodendarstellung wichtig gewesen sei, sei die Berücksichtigung der jüdischen Perspektive, ergänzt ihre Kollegin Marina Friemelt im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Wichtig ist uns, die jüdische Stimme zu Wort kommen zu lassen.« Da die Teilnehmenden eher nichtjüdisch seien, sei es umso wichtiger, auch direkte Aussagen von jüdischen Menschen aufzunehmen. Hierfür wird dann zum Beispiel auch mal ein Filmausschnitt genutzt, in dem eine Jüdin die Vielfalt jüdischen Lebens, aber auch der Religionsausübung beschreibt.

Das Onlineprojekt ist ansprechend gestaltet, übersichtlich, vielfältig, zudem kostenlos, und es soll weiter wachsen. Die Projektverantwortlichen betonen, dass die Webseite sich im Aufbau befindet und eine sich weiterentwickelnde und stetig wachsende Plattform ist. Wünsche, Vorschläge, Feedback sind bei den Macherinnen aus Düsseldorf daher sehr willkommen. »Wenn Pädagogen uns rückmelden, dass zum Beispiel ein Element nicht gut funktioniert, würden wir das modifizieren«, erklärt Natalie Kajzer.

Erklärungen Glossare zu den Oberbegriffen »Israel« und »Judentum« erleichtern das Arbeiten. Hier werden typische Begrifflichkeiten der jüdischen Religion, Feiertage oder Traditionen kurz und knapp erläutert. Von A wie »Aggada« bis Z wie »Zion« greift das Glossar zu Israel wichtige Personen aus der Politik, historische Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen kurz und knapp auf.

Neben Methoden, Informationen und weiterführenden Kontakten machen auch Vorschläge für Exkursionen die Vielfalt der Webseite aus. Da »Malmad« ein Projekt in Nordrhein-Westfalen ist – aber natürlich bundesweit genutzt werden kann –, beschränken sich die Exkursionstipps auf dieses Bundesland.

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