Hamburg

Lichter über der Alster

Wohl noch nie hat die Hansestadt ein derart fröhliches Chanukka-Fest erlebt, und das mitten auf der Alster mitten im frostigen Winter. Zwei Alsterschiffe organisierte der neu gegründete Hamburger Kulturverein »MIT2WO« mit dem Lichtkünstler Michael Batz, und viele Menschen kamen an die Anlegerstation Jungfernstieg, um Michael Batz’ Lichtshow »Chanukka Light of Dance« auf der Binnenalster rund um die beleuchtete Alstertanne zu erleben.

Mit 80 tanzenden Drohnen malte der Lichtkünstler mit seinem Team vier Bilder in Blau zwischen Himmel und der vereisten Wasserfläche. Mit kleinen Lichtpunkten formten die Drohnen eine Chanukkia, einen Dreidel, das Hamburger Wappen und den Schriftzug »MIT2WO«. Das Publikum am Alsterufer applaudierte lange.

chanukkia Zuvor zündete Hamburgs Landesrabbiner Shlomo Bistritzky gemeinsam mit Philipp Stricharz, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, das erste Licht an der neuen Chanukkia auf der Reesendammbrücke am Jungfernstieg an, die jetzt zusammen mit dem Weihnachtsbaum vor dem Rathaus steht.

Zwei Alsterdampfer wurden extra aus dem Winterquartier geholt.

Das Licht zu entzünden, dauerte in diesem Jahr etwas länger als sonst: Der Leuchter am Jungfernstieg ist neu, und nicht alles klappte beim ersten Versuch. Um kurz vor 17 Uhr erstrahlte die Chanukkia dann aber schließlich. Am Fuß des energiesparenden Leuchters informiert ein Monitor über Ursprung und Bedeutung von Chanukka.

»Chanukka ist ein Feiertag, den wir jetzt in Hamburg wie in Berlin, Paris und London mitten in der Stadt erleben dürfen, ein Feiertag, der eine ganz wichtige Botschaft hat, den Sieg des Lichts über die Dunkelheit«, sagte Landesrabbiner Bistritzky. Seit mehreren Jahren wird in Hamburg Chanukka öffentlich gefeiert.

SUFGANIOT Nach dem Anzünden enterten rund 200 Familien mit Kindern, Singles und Paare, Juden wie Nichtjuden, die zwei Schiffe, die die Alster-Touristik zur Verfügung gestellt und extra für die Chanukka-Feier aus dem Winterquartier geholt hatte. Die Mitglieder des Kulturvereins »MIT2WO« hatten die Tische mit koscheren Sufganiot und Getränken, Chanukka-Talern, Dreideln, kleinen Überraschungen und mit Informationen über das Judentum gedeckt.

»Ich bin mit meiner Idee, nach dem Entzünden der Chanukkia ein Fest zu veranstalten, zu Michael Batz gegangen, der uns schon lange unterstützt«, sagte Giorgio Paolo Mastropaolo, Gründer des Kulturnetzwerks. Der Name steht für den Plan, sich zweimal im Monat an wechselnden Orten mit jüdischem Hintergrund zu treffen, um so die Stadt und ihr Judentum neu zu entdecken und gleichzeitig das Judentum in die Stadtgesellschaft zu tragen.

Zudem steht der Name für die Mizwot, die 613 Gebote der Tora. Die Botschaft des Kulturnetzwerks: jüdisches Leben in Hamburgs Gegenwart für die Zukunft zu aktivieren und alle Ströme des Judentums zu vereinen. »Das ist meine Vision für Hamburg«, sagt Mastropaolo.

FEST Er entwickelte mit dem Lichtkünstler, Kulturentdecker und Autor Michael Batz (Das Haus des Paul Levy – Rothenbaum­chaussee No. 26, Verlag Dölling & Galitz) den Plan, das Lichterfest für die ganze Stadt zu geben, mit einem von 80 Drohnen inszenierten Lichtertanz über der Binnenalster. »Wir wollen Chanukka zwischen Himmel und Erde zum Leuchten bringen als Botschaft für Frieden und Zusammenleben«, sagte Mastropaolo.

»MIT2WO« steht für den Plan, sich zweimal im Monat zu treffen.

»Licht bringt Menschen zusammen, Licht ist ein Bedürfnis«, sagte Michael Batz und dankte Tobias Haack von der Alster-Touristik für den Mut, zum Chanukka-Fest erstmals Alsterdampfer aus dem Winterschlaf zu wecken. Zudem erinnerte Batz daran, dass die erste Ampel Deutschlands 1922, also vor genau 100 Jahren, in Hamburg am Stephansplatz neben dem Jungfernstieg eingerichtet wurde. »Licht ist Literatur für die Stadt«, sagte der Künstler, der mit Licht Geschichten erzählt.

»Chag Sameach, Freunde!«, begrüßte Peggy Parnass, Ehrenvorsitzende des Kulturnetzwerks, die Gäste. »Ich bin so begeistert und überrascht, dass so viele Jüdinnen und Juden hier so gut gelaunt beisammen sind, eine Ansammlung von fröhlichen jüdischen und nichtjüdischen Menschen auf einem Schiff – wann haben wir das je erlebt, das ist einfach wunderbar!«, freute sich die 95-jährige Journalistin.

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