Kunst

Kunst liegt in der Familie

Anna Nero mit Großmutter und Mutter Foto: Alexander Neroslavsky

Kunst

Kunst liegt in der Familie

Tochter, Mutter, Großmutter – eine Ausstellung in Frankfurt

von Eugen El  08.12.2021 08:46 Uhr

»Dieses Projekt ist mir sehr wichtig«, bekennt Anna Nero. Die 1988 in Moskau geborene Frankfurter Künstlerin hat in monatelanger Arbeit eine besondere Schau auf die Beine gestellt. Unter dem Titel DREI – jüdische Künstlerinnen aus Frankfurt stellt sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter aus. »Drei Generationen jüdischer Frauen, die ihr Leben der Kunst gewidmet haben«, heißt es in der Ankündigung.

Dass die Ausstellung in dieser Konstellation stattfindet, sei naheliegend, so Nero. Mit dem Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« fand sich der passende Anlass – und mit der großzügigen »Ausstellunghalle 1A« im Stadtteil Sachsenhausen der geeignete Ort.

Grafik In ihrer Kunst gehen Großmutter, Mutter und (Enkel-)Tochter auf den ersten Blick unterschiedliche Wege. Während Tatiana Ovrutschski, 1935 in Leningrad (heute: Sankt Petersburg) geboren und kurz vor der Ausstellungseröffnung gestorben, gegenständlich malte, bewegt sich ihre 1961 geborene Tochter Julia zwischen Figuration und Abstraktion.

Anna Nero wiederum, die 2015 ihr Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst abschloss, hat sich gänzlich von der menschlichen Figur verabschiedet. »Das Jüdische in meiner Kunst ist das Bildermachen und die gleichzeitige Verweigerung, ein Abbild zu machen«, erläutert Nero im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen.

Bei allen Unterschieden einen ihre Erfahrungen die drei Künstlerinnen. Laut Ankündigung seien sie »geprägt von Migration, Antisemitismus, Erfolgen und Rückschlägen, Anpassung, Veränderung, Assimilation und Ausgrenzung, Sexismus und Resilienz«.

Die gesamte Familie lebt seit 1995 in Frankfurt. Dort wuchs Nero auf. Kurz nach ihrem Studienabschluss kehrte sie in die Mainmetropole zurück. Sie wird von mehreren Galerien vertreten und war unlängst Teil der Ausstellungsreihe JETZT! – Junge Malerei in Deutschland in Bonn, Wiesbaden, Chemnitz und Hamburg.

Und doch müssen Künstlerinnen bis heute vielerorts um Akzeptanz und Sichtbarkeit ringen. Als ihre Großmutter in den 50er-Jahren am Moskauer Surikov-Institut ihr Malereistudium aufnahm, waren Frauen in der Fakultät, so Nero, selten, und Juden waren »schlichtweg nicht gern gesehen«. Ihre Großmutter sei als Frau und Jüdin ausgegrenzt worden. Als Außenseiterin habe sie in ihrer Kunst eine Beobachterposition eingenommen.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Dezember in der Ausstellungshalle 1A, Schulstraße 1A, Frankfurt/Main, zu sehen.

Beziehung

Von Menschen und Wölfen

Laura Goldfarb ist vieles: Therapeutin, Schauspielerin – und Autorin. Mit ihrem Mann hat sie einen Paar-Ratgeber geschrieben, der anders ist als andere. Zu Besuch im Prenzlauer Berg

von Bettina Piper  26.03.2026

Rede

Zentralrat der Juden verteidigt Karin Prien

In Erfurt sprach Josef Schuster über den Status quo Jüdischen Lebens in der Bundesrepublik. Dabei ging Schuster auch auf das Programm »Demokratie leben« und die Kritik an die Familienministerin ein

 25.03.2026

Programm

Ferienprogramm, Retrospektive und ein Rache-Musical: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. März bis zum 2. April

 25.03.2026

Turnier

Fliegende Kippot

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Pascal Beck  24.03.2026

Sachsen

Rund 1000 Veranstaltungen zum »Jahr der jüdischen Kultur«

Unter dem Titel »Tacheles« steht in Sachsen 2026 das jüdische Leben im Mittelpunkt. Zahlreiche Akteure beteiligten sich. Das Programm wächst noch immer

von Katharina Rögner  24.03.2026

Rothenburg

Unter dem Pflaster

Als im vergangenen Sommer bei Grabungsarbeiten die Fundamente einer Synagoge entdeckt wurden, war das eine Sensation. Messungen zeigen nun: Sie war eine der großen

von Marc Peschke  23.03.2026

Kulturprogramm

Von Spezialitäten und Zumutungen

Der Schriftsteller Dmitrij Kapitelman las im Jüdischen Gemeindezentrum aus seinem jüngsten Buch

von Nora Niemann  23.03.2026

Neukölln

Rechts und links der Sonnenallee

Ein Stadtspaziergang führt auf jüdischen Spuren durch den ehemaligen Arbeiterbezirk

von Pascal Beck  23.03.2026

Gedenken

Zwei Buchenwald-Verbände gegen Auftritt von Wolfram Weimer

In der Gedenkstätte Buchenwald wird am 12. April an die Befreiung des Konzentrationslagers erinnert. Geplant ist ein Grußwort von Kulturstaatsminister Weimer. Zwei Verbände haben damit ein Problem

 23.03.2026