Berlin

Koscher fliegen

Der Mensch ist das einzige Wesen, das im Fliegen eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann», hat der deutsche Humorist Loriot alias Vicco von Bülow einmal gesagt. Dem könnte man hinzufüge, dass nur der gläubige Jude, der für seinen Flug von Berlin nach Tel Aviv eine israelischen Airline gewählt hat, mit einer einigermaßen schmackhaften koscheren Mahlzeit rechnen konnte. Es gab Zeiten, da hatten Reisende, die Kaschrut halten, gerade mal die Auswahl zwischen vertrockneten Käsebrötchen und Salat aus der Dose. Oder, wie unlängst ein Reisender berichtete, wurden an Bord eines Ferienfliegers Thunfisch-Sandwiches gereicht, die laut Aufkleber eine koschere Küche in Bangkok/Thailand einige Wochen zuvor zubereitet hatte.

Das Angebot hat sich inzwischen geändert. Auf den meisten Israel-Flügen sind koschere Menüs Standard geworden. Zudem sind viele der Kabinenbesatzungen auf die Bedürfnisse religiöser Reisende besser eingestellt und haben nicht selten Fortbildungen absolviert. Auch ans Gebet vor dem Flug wird gedacht. Der Flughafen Frankfurt am Main verfügt über einen jüdischen Gebetsraum, am Airport in Tel Aviv kann eine Synagoge be-
sucht werden. In Tegel und Schönefeld wird ein entsprechender Service noch nicht angeboten, aber vielleicht auf dem neuen Berliner Großflughafen. Die Nachfrage nimmt wie die Zahl der Direktflüge jedenfalls zu.

Israir So fliegt etwa Israir von November bis März zweimal wöchentlich ab Berlin. «Wir sind eine israelische Fluggesellschaft. Jeder Passagier bekommt eine koschere Mahlzeit und glattkoschere Kost auf Vorbestellung», sagt Dori Shoshan vom Israir-Marketing. Einfache Gerichte umfassen Käse, Gemüse, Yoghurt und Brot, warme Hauptmahlzeiten Huhn, Gemüse und Kuchen. «Nichts davon kostet extra.» Die Menüs werden in Tel Aviv hergestellt und ganz frisch an Bord gebracht.

Größere Gruppen religiöser Passagiere bekommen auf Israir-Flügen zudem nach Möglichkeit zusammenhängende Sitze. «Unsere Crew absolviert einmal jährlich ein Sondertraining, um den Bedürfnissen dieser Passagiere möglichst gerecht zu werden», sagt Shoshan.

Lufthansa Die Lufthansa bietet zweimal täglich Flugverbindungen über Frankfurt und fünfmal wöchentlich über München nach Tel Aviv. «Fluggäste, die aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen spezielle Kost wünschen, können zwischen 19 verschiedenen Sondermahlzeiten wählen, darunter auch koscheren Gerichten. Alle Sondermahlzeiten sind kostenfrei, müssen aber aus logistischen Gründen spätestens 24 Stunden vor Abflug bestellt werden», sagt Lufthansa-Sprecher Jan Baerwalde.

Die zweimonatlich wechselnden Menüs orientieren sich dabei an den vergleichbaren Menüs der anderen Passagiere. So werden auch in der Economy Class Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch gereicht. «Um größtmögliche Frische zu garantieren, werden die Gerichte möglichst in der Nähe des jeweiligen Abflugflughafens hergestellt. Die koscheren Gerichte für Flüge ab Frankfurt stammen von Sohar’s, dem einzigen koscheren Restaurant- und Cateringbetrieb in Frankfurt», so Baerwald. Die Gerichte kommen doppelt verpackt und verschweißt zur Cateringtochter LSG Sky Chefs und werden dort einer Kontrolle unterzogen. «An Bord überprüfen wir die Menüs dann vor dem Servieren erneut auf Unversehrtheit.»

Die Stewards und Stewardessen der Lufthansa durchlaufen zudem regelmäßig Schulungen zur interkulturellen Kompetenz. «Darüber hinaus werden den Flugbegleitern weitere, flugspezifische Informationen zur Verfügung gestellt. Diese beinhalten auf Flügen nach Israel unter anderem Verhaltensempfehlungen zur Anrede, Begrüßung, Gesten und Gewohnheiten oder Essen und Trinken», sagt Baerwald.

EL AL Die israelische Fluggesellschaft EL AL fliegt im Winter von Berlin, Frankfurt und München 16-mal wöchentlich nonstop nach Tel Aviv. «Unser Service ist insofern besonders, als unser Personal Hebräisch spricht und sich naturgemäß mit jüdisch-religiösen Befindlichkeiten bestens auskennt. Aber alle Passagiere erhalten den gleichen, besonders aufmerksamen und herzlichen Service», sagt Marion Paderna von EL AL Frankfurt.

Serviert wird an Bord ausschließlich koscheres Essen, das in Israel von der eigenen Firma TaMam hergestellt wird. Streng koschere Mahlzeiten werden unter Aufsicht produziert. «Die Mahlzeiten werden in speziellen Containern und streng ko-
scher in versiegelten Plastikfolien an Bord geliefert.» Zusätzlich besteht, falls 48 Stunden vor Reiseantritt bestellt, ein Angebot aus 21 weiteren Sondermenüs, darunter glatt vegetarisch, ovolacto und veganisch, strengkoscher Fisch, laktosefrei, koschere Mahlzeiten für Diabetiker oder streng koschere Kindermenüs.

Air Berlin Ab sofort bietet auch Air Berlin koschere Menüs auf seinen Israelflügen an. Anstelle der bisherigen Sandwiches kann der Fluggast nun zwischen drei verschiedenen belegten Bagels auswählen, die von Top Kosher & Gourmet in Berlin hergestellt werden.

«Alle Zutaten sind koscher, glattkoscher und LeMehadrin», versichert Katja Kalinowski vom Top-Kosher-Projektmanagement. Die warmen Speisen – ein vegetarisches sowie ein Fleischgericht – müssen zwar bei Flugbuchung oder bis zwei Tage vor Abflug vorbestellt werden, sind aber dafür von Spitzenkoch Franz Raneburger abgeschmeckt und werden unter Aufsicht von Gemeinderabbiner Yitshak Ehrenberg zubereitet. «Das bedeutet: Die Küche ist am Schabbat wie an hohen Feiertagen nicht geöffnet, alle Zutaten sind zertifiziert», sagt Kalinowski.

Ehrenberg, Rabbiner der orthodoxen Synagoge Joachimstaler Straße, ist selbst passionierter Hobbykoch. «Ich habe alles probiert: Die Bagels mit Salat, Wurst oder Thunfisch sind sehr lecker. Das ist eine schöne Portion, man kann davon satt werden. Und die warmen Speisen sind exzellent». Viele Fluggäste hätten sich schon bei ihm gemeldet und das koschere Angebot gelobt. «Das ist so ähnlich wie Bio. Es bedeutet bewusst zu essen und ist Trennkost für die Seele».

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026