Düsseldorf

Kompetent gegen Diskriminierung

Beraten in allen Fragen von Diskriminierung: die Mitarbeiterinnen von SABRA Foto: Alexandra Roth

Unbequem wie ein Stachel will SABRA sein, wenn es um den Einsatz gegen Diskriminierung geht. So steht SABRA als Abkürzung nicht nur für den Titel »Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit – Beratung bei Rassismus und Antisemitismus«, sondern ist ebenso das hebräische Wort für Kaktus. Kleine Kakteen zieren auch das Büro in der Düsseldorfer Bankstraße nahe dem Gemeindezentrum. Es soll Anlaufstelle für alle sein, die im Alltag, im Berufsleben, in der Schule oder bei der Wohnungssuche benachteiligt werden.

Rechtsberatung und Prävention sind die zwei Pfeiler, auf denen SABRA aufgebaut ist. Riccarda Blaeser und Sophie Brüss werden sich um diese Bereiche kümmern. Zwei halbe Stellen hat das Land Nordrhein-Westfalen bewilligt und zum Großteil finanziert. Die restlichen rund zehn Prozent wird die Jüdische Gemeinde Düsseldorf tragen.

Sozialabteilung SABRA ist an die gemeindeinterne Sozialabteilung angegliedert. Ihre Leiterin Olga Rosow weist darauf hin, dass nun eine Anlaufstelle speziell für antisemitische Diskriminierung geschaffen wurde. SABRA ist die erste in NRW, die zweite bundesweit. Bei der Zentralwohlfahrtsstelle gibt es bereits das »Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment«. Von dem Know-how der ZWST könne auch SABRA profitieren, sagt Olga Rosow.

Nordrhein-Westfalen betreibt seit zehn Jahren Integrationsagenturen. Servicestellen für Antidiskriminierungsarbeit wurden ins Leben gerufen. Seit 2016 werden sie aufgrund des Flüchtlingszuzugs ausgebaut. Auf Landesebene gibt es mittlerweile 13 Servicestellen mit verschiedenen Schwerpunkten. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf entschied sich, die Antisemitismusprävention aufzubauen.

»Es geht darum, Gemeindemitglieder von der Jugend bis ins Alter zu stärken, um mit antisemitischen Vorfällen, mit Vorurteilen sowie verbalen bis hin zu körperlichen Angriffen umzugehen«, erläutert Olga Rosow. SABRA ist dabei nicht nur für die Gemeinde, sondern für ganz Nordrhein-Westfalen zuständig. Betroffene können per E-Mail oder Telefon Kontakt aufnehmen oder persönlich vorbeikommen.

Einzelfallberatung »Wir wollen beraten, aufzeigen, welche Ansprüche vorhanden sind, und helfen, Konflikte zu lösen«, sagt Riccarda Blaeser, Juristin und Mediatorin. Sie wird für die Einzelfallberatung im juristischen Bereich zuständig sein.

»Wenn jemand aus ethnischen Gründen eine Wohnung nicht bekommt oder ein jüdischer Schüler beschimpft wird, können sich Betroffene an uns wenden«, sagt Blaeser. Auch Schadensersatzansprüche aufgrund des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes könnten behandelt werden.

Für die praktische Arbeit ist Sophie Brüss, Theaterpädagogin und erfahren in der politischen Bildung, zuständig. Sie arbeitet derzeit Workshops aus, die sich an Lehrer und Multiplikatoren richten oder mit Schulklassen arbeiten. »Damit wollen wir für den alltäglichen Antisemitismus sensibilisieren«, so Brüss. Das Angebot gilt auch für Schüler ab der dritten Klasse, »da zu dieser Zeit verschiedene Religionen im Unterricht durchgenommen werden«.

theaterpädagogik Dabei will Brüss auf verschiedene pädagogische Methoden wie etwa die Theaterpädagogik zurückgreifen. »Ich werde versuchen, nicht nur intellektuell mit den Workshop-Teilnehmern zu arbeiten, sondern ganzheitlich, das heißt, auch auf Erfahrungsebene an sie heranzukommen.«

Des Weiteren will SABRA jeden gemeldeten Fall von Diskriminierung mit dem speziellen Fokus Antisemitismus festhalten. Bislang werde zu wenig statistisch erfasst, meint Rosow. Eine Ausnahme sei die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS), die seit zwei Jahren für Berlin aktiv ist. »Dabei sind Statistiken auch für die politische Lobbyarbeit des Zentralrats wichtig«, meint Rosow. Über die Internetseite www.sabra-jgd.de, die in den nächsten Tagen online gehen wird, können dann antisemitische Vorfälle gemeldet werden.

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Berlin

Eine Torarolle für die Zukunft

30 Jahre Chabad Berlin: Die Gemeinde feiert mit einem Straßenfest und einer ganz besonderen Zeremonie

 31.08.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Natur

Damit es grünt

Die Gemeinden machen sich Sorgen über die Folgen des Klimawandels – und suchen gemäß Tikkun Olam nach Auswegen

von Chris Meyer  30.08.2026

Rundgang

Blick in die Vergangenheit

Die jüdische Geschichte Münchens erlebte viele Umbrüche – und ist kaum jünger als die urkundlich verbürgte Historie der Stadt selbst

von Luis Gruhler  30.08.2026

Porträt der Woche

»Ich brauche absolute Ruhe«

Zvi Dori ist Geigenbauer in Hannover und seit dem 7. Oktober vorsichtiger geworden

von Alicia Rust  30.08.2026

Berlin

Jüdischer Garten ausgezeichnet

Laut Jury »zeugt der Garten neben seiner Niederschwelligkeit und atmosphärischen Dichte, von großer Poesie und Klarheit«

 28.08.2026

Ehrenamt

Zeit für andere

Vereine, Institutionen und auch Gemeinden bauen auf sie: Menschen, die sich freiwillig für jüdisches Leben engagieren. Zwei Projekte werden nun ausgezeichnet

von Katrin Richter  27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026