Berlin

Know-how für die Gemeinden

Nadine und Sascha tauschen ihre Plätze neben dem Whiteboard mit dem Trainer. Sie haben fünf Minuten Zeit, vor der ganzen Gruppe ein Gespräch zu gestalten – mit allem, was sie an diesem Tag gelernt haben: Körpersprache, Rhetorik, Kommunikationstechniken.

Die übrigen Seminarteilnehmer hören aufmerksam zu. Das Feedback lässt nicht lange auf sich warten. »Was hättest du im Nachhinein anders gemacht?«, fragt Coach Ralph Schicha. Sascha überlegt kurz. »Ich bin zu schnell hineingeprescht anstatt Nadine selbst Lösungsideen entwickeln zu lassen.« Die anderen nicken zustimmend.

Ob Teamgespräche, Konfliktlösung oder Personalführung – Gesprächssituationen wie die von Nadine und Sascha kennt jeder der 30 Teilnehmer aus der praktischen Gemeindearbeit. Wie werde ich wahrgenommen? Wie kann ich meine Zuhörer motivieren und Gemeindemitglieder dazu bewegen, aktiver zu sein? Es sind Fragestellungen wie diese, die bei »Next Step« im Mittelpunkt stehen.

Nachwuchs Die Fortbildungsreihe ist ein gemeinsames Projekt des Zentralrats der Juden in Deutschland, der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG). Sie richtet sich an junge jüdische Nachwuchskräfte, die haupt- oder ehrenamtlich in den Gemeinden tätig sind.

»Nach dem vielversprechenden Auftakt in Zürich freuen wir uns sehr, jetzt unsere 30 Teilnehmer in Berlin begrüßen zu können«, sagte Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden. »Damit wollen wir den jüdischen Nachwuchskräften weiteres Know-how für künftige Führungsaufgaben an die Hand geben.« Dieses Mal standen Themen wie Kommunikation und Konfliktmanagement auf dem Programm, angeleitet von dem Schauspieler Ralph Schicha und dem Psychologen und Unternehmenscoach Louis Lewitan.

Benjamin Gilkarov hat sich nach dem ersten Seminar in Zürich sehr auf Berlin gefreut. »Es ist eine unglaublich gute Dynamik – die Gruppe ist sehr stark zusammengewachsen«, beschreibt der 31-Jährige das Wiedersehen. Gilkarov engagiert sich seit acht Jahren hauptamtlich in der Jugend- und Kulturabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Was er hier lernt, komme ihm in der Gemeindearbeit zugute.

Input »Ich kann seitdem viel besser mit Kollegen umgehen – indem ich etwa das Team mit meinen Stärken fördere, aber meine Schwächen durch andere ausgleiche«, beschreibt Gilkarov den bisherigen Input.

Auch Nicole Kürzer hat an diesem Nachmittag schon vorne gestanden. Sie hat vorgetragen, präsentiert, zugehört, Feedback gegeben und mitdiskutiert. Der rege Austausch hat Spuren hinterlassen: Ihre Stimme klingt heiser. »Auch dafür hatte der Coach Tipps – wie wir mit unserer Stimme arbeiten, um die Zuhörer bei Laune zu halten«, sagt sie. Manche Themen des Seminars kennt Kürzer aus dem Kommunikationsstudium – aber nur theoretisch. Es sei das erste Mal, dass sie ihr Wissen auch praktisch anwenden kann. Kürzlich wurde sie in die Kulturkommission der Wiener Gemeinde gewählt. Ihre neuen Erfahrungen will sie dort vor allem im interkulturellen Austausch einsetzen.

Bei »Next Step« können die Nachwuchskräfte ihre Erfahrungen weitergeben und voneinander lernen. Genau darum geht es laut Daniel Botmann langfristig. »Next Step soll länderübergreifend zu einer Stärkung der jüdischen Community beitragen«, sagt der Geschäftsführer des Zentralrats.

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