Jüdische Kulturwochen

Kanadische Comedians bringen die Gemeinde endlich wieder zum Lachen

Jamie Elman und Eli Batalion (v.l.) bei ihrem Auftritt in Frankfurt Foto: David Bachar

So voll und so laut hat man das diesen Saal seit langem nicht mehr erlebt. Am Sonntagabend sind zahlreiche Gemeindemitglieder und Gäste im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Frankfurt zusammengekommen, um die Eröffnung der diesjährigen Jüdischen Kulturwochen mitzuerleben.

Von der ersten großen Veranstaltung im Gemeindezentrum seit etwa zwei Jahren sprach denn auch Marc Grünbaum, Vorstandsmitglied und Kulturdezernent der Frankfurter Gemeinde, zur Begrüßung. Man habe die Kulturwochen im Lockdown geplant, »ohne zu wissen, was möglich oder nicht möglich sein wird«. Grünbaum kündigte an: »Nach diesen eineinhalb Jahren ist es wirklich wieder Zeit, ein bisschen zu lachen, ein bisschen fröhlich zu sein.«

CHUZPE Passenderweise eröffneten die kanadischen Komiker Eli Batalion und Jamie Elman die Kulturwochen. Die Macher der englisch- und jiddischsprachigen Webserie YidLife Crisis kamen ins Gemeindezentrum, um, so die Ankündigung, »das jüdische Leben in Frankfurt mit viel Chuzpe unter die Lupe und aufs Korn« zu nehmen.

Und Batalion und Elman hielten, was die Ankündigung versprach. Sie lieferten ein augenzwinkerndes, mitunter angenehm respektloses und musikalisch grundiertes Stand-up-Comedyprogramm mit vielen lokalen Bezügen. So berichteten sie etwa von ihrer Ankunft am Frankfurter Flughafen, wo der deutsche Grenzpolizist nur so lange grimmig geblickt habe, bis sie »Jüdische Wochen« als Grund ihres Aufenthalts angaben, was offenbar jede Strenge vertrieb.

Als ihr größtes Vorbild würdigten sie den Macher der TV-Serie »Seinfeld«, Larry David.

Als wirklich streng beschrieben sie indes die israelischen Wachleute der Gemeinde, die, so Jamie Elman, ihn etwa dazu brachten, seine Barmizwa nachzuholen. In den zwei Tagen, die sie in Frankfurt verbracht hätten, seien sie nicht nur in der Westend-Synagoge und bei Chabad gewesen, sondern, so Batalion und Elman, auch in der Reformsynagoge - dazu zeigten sie ein Foto, auf dem sie verdutzt von einem Reformhaus stehen.

POINTEN Der bewusst naive und humorvolle Blick von außen prägte den Auftritt der in Montreal sozialisierten Komiker. Sie beschränkten sich aber keineswegs auf schnelle Pointen von Frankfurt-Neulingen, von denen ohnehin nicht alle aufgingen. Ihre Kindheit und Jugend im jüdischen - und auch jiddisch geprägten - Montreal machten sie ebenso zum Thema ihrer Sketche wie Jamie Elmans familiär bedingte, anfänglich angespannte Beziehung zu Deutschland und deutschen Produkten.

Als ihr größtes Vorbild und »one of the greatest rebbes« würdigten sie den Macher der TV-Serie Seinfeld, Larry David. Überhaupt sei Seinfeld für sie der Talmud, bekannten Batalion und Elman. Zu Klängen eines prominenten jüdischen Sohns Montreals endete ihr furioser Auftritt: Eli Batalion und Jamie Elman spielten Leonard Cohens Hallelujah und ernteten einen Schlussapplaus, wie man ihn seit langem nicht mehr im Frankfurter Gemeindezentrum gehört hat.

https://juedische-kulturwochen.de/

Initiative

Gedenken im Alltäglichen

Im vergangenen Jahr wurden Erinnerungszeichen für rund 50 von den Nazis ermordete Münchnerinnen und Münchner der Öffentlichkeit übergeben

von Esther Martel  11.01.2026

Porträt der Woche

Frau mit kreativem Gen

Nelli Davydenko ist Pädagogin und tanzt gern zu eigenen Choreografien

von Chris Meyer  11.01.2026

Brandenburg

Potsdam soll jüdische Kita bekommen

Zum jüdischen Leben gehören auch jüdische Schulen und Kitas. Eine Kindertagesstätte wird derzeit in Potsdam geplant

 09.01.2026

Leipzig

Kinder greifen koscheres Café an

Sie bewarfen offenbar Mitarbeiter mit Plastikflaschen, beschimpften sie und versuchten, in den Schankraum einzudringen: Die Polizei ermittelt gegen mehrere Kinder und Jugendliche in Leipzig

 08.01.2026

Entführungsfall

Jugendamts-Zeugin im Block-Prozess: »Unglaubliche Belastung«

In dem Hamburger Prozess geht es eigentlich um die Entführung der Block-Kinder. Die hat aber eine jahrelange Vorgeschichte. Eine Jugendamts-Mitarbeiterin schildert eine wichtige Wende im Sommer 2021

von Stephanie Lettgen, Bernhard Sprengel  08.01.2026

Trauer

Schöpfer der Todesmarsch-Mahnmale: Hubertus von Pilgrim ist tot

Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim ist im Alter von 94 Jahren in Pullach bei München gestorben. Internationale Bekanntheit erlangte er durch sein Mahnmal für die Opfer des Dachauer Todesmarschs vom April 1945

 08.01.2026

Debatte

Schulen legen Namen von Antisemiten und Eugenikerinnen ab

Hedwig Dohm oder Dag Hammarskjöld sind Namen, die Schulen heute gerne tragen. Andere Schulen sind nach Menschen benannt, deren Wirken heute kritischer gesehen wird als in der Vergangenheit

von Pat Christ  08.01.2026

Gegenwart

Jetzt erst recht!

Das Festjahr für jüdisches Leben in Deutschland war ein großer Erfolg. Es wird Zeit, dass nun auch auf europäischer Ebene das reiche jüdische Erbe gewürdigt wird

von Andrei Kovacs, Abraham Lehrer  08.01.2026

Mannheim

Schätze der Synagogalmusik

Die jüdischen Kantoren treffen sich zur Jahreskonferenz und laden zu drei Konzerten ein

von Christine Schmitt  08.01.2026