Sachsen

Jubiläum an der Elbe

Goldener Davidstern an der Neuen Synagoge in Dresden Foto: Wolfram Nagel

Die Jüdische Gemeinde in der Elbmetropole feiert dieser Tage 20 Jahre Neue Synagoge. Ende Oktober lasen aus diesem Anlass im Aris-Saal Ensemblemitglieder des Dresdner Staatsschauspiels aus Victor Klemperers Lingua Tertii Imperii (LTI) über die Sprache des Nationalsozialismus.

Es war nach vielen Monaten des Corona-Stillstands eine der ersten öffentlichen Veranstaltungen. Nicht alle Wartenden konnten eingelassen werden, so groß war das Interesse. Heike Herzog schaffte es: »Ich bin das erste Mal hier.« Das sei schon etwas Besonderes, freute sich die Dresdnerin. Von außen empfinde sie das Gebäude als etwas unnahbar, umso schöner sei es, »hier drin zu sein, das zu erleben, auch die Lesung«.

DAVIDSTERN Der Feuerwehrmann Alfred Neugebauer rettete 1938 einen der beiden Davidsterne aus der Ruine der abgebrannten Semper-Synagoge am Hasenberg. Nach dem Krieg übergab er die filigrane Kunstschmiedearbeit den Schoa-Überlebenden der wiedergegründeten Gemeinde.

Fast 50 Jahre lang schmückte das Symbol die 1950 eingeweihte Kleine Synagoge in der Johannstadt. Die war nach der Zuwanderung von Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zu klein geworden. Freunde der Gemeinde wie Pfarrer Siegfried Reimann warben schon Mitte der 90er-Jahre für einen Neubau, den Stadt und Land unterstützten.

»Dass wir hier in Dresden (…) heute eine so wunderschöne Synagoge einweihen, das ist in der Tat ein Wunder.« Das sagte der damalige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel sel. A., beim Anblick des goldenen Davidsterns über dem gläsernen Eingangsportal der Neuen Synagoge.

Der am 9. November 20221 eingeweihte Bau ist ein architektonisches Highlight geblieben.

57 Architekturbüros hatten sich 1998 an dem Wettbewerb beteiligt. Realisiert wurde letztlich der Entwurf des dritten Siegers, der jungen Saarbrücker Architekten Wandel, Hoefer und Lorch. Die Synagogenweihe am 9. November 2001 wurde zu einem international beachteten Ereignis, war es doch der erste Neubau in den östlichen Bundesländern.

AUFBRUCHSSTIMMUNG Lange Schlangen bildeten sich in den Tagen und Wochen danach vor dem Eingang. Das Interesse für jüdisches Leben schien riesig zu sein. Auch innerhalb der Gemeinde herrschte Aufbruchsstimmung, bekräftigt durch die Ordination der ersten Absolventen des Abraham Geiger Kollegs 2006 oder des Kongresses der Union progressiver Juden 2014 in Dresden. Die jährliche »Jüdische Woche«, Konzerte der Jüdischen Kammerphilharmonie oder Ausstellungen im Gemeindesaal gehörten ganz selbstverständlich zum Kulturprogramm der Stadt.

Die Gottesdienste mit Salomon Almekias-Siegl und später mit dem Geiger-Absolventen Alexander Nachama waren gut besucht. Beide Rabbiner hielten an der liberal-konservativen Tradition der Einheitsgemeinde fest. Im Sinne des Bibelverses aus den Buch Jesaja sollte die Neue Synagoge ein offenes und einladendes Haus sein: »Denn mein Haus werde genannt ein Bethaus allen Völkern.«

Der Bau ist ein architektonisches Highlight geblieben, seine sandfarbenen Steinblöcke erinnern an die festen Mauern des Herodianischen Tempels in Jerusalem. Und die in 20 Jahren gewachsenen Platanen beschatten nach wie vor den Hof zwischen Synagoge und Gemeindehaus.

GEMEINDELEBEN Doch seit dem Anschlag in Halle und den Corona-Maßnahmen ist es stiller geworden. Zeitweise kam das Gemeindeleben fast ganz zum Erliegen. Besucher erwarten, dass trotz anstehender Baumaßnahmen und verstärkter Sicherheitskontrollen dieser öffentliche Ort erhalten bleibt.

Hinzu kommt, dass die Jüdische Gemeinde zu Dresden nach dem Ausscheiden von Akiva Weingarten derzeit keinen Rabbiner mehr hat. Viele aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugewanderte Mitglieder, immerhin mehr als 90 Prozent der gut 700 Mitglieder, wünschen sich einen Rabbiner, der ihre Sprache spricht und sich mehr für sie einsetzt.

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