Berlin

»Innovativ, lebendig, gegenwärtig«

Felix Husmann ist Vorsitzender der Ben-Gurion-Stiftung. Foto: Marco Limberg

Berlin

»Innovativ, lebendig, gegenwärtig«

Felix Husmann über die Ben-Gurion-Stiftung, Projekte mit Schulklassen und Hauptstadtbarsch aus der Wüste

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  20.02.2020 11:36 Uhr

Herr Husmann, die Ben-Gurion-Stiftung wurde 2008 gegründet. Stiftungssitz ist Hamburg. Worin bestehen die Aufgaben der Stiftung?
Wir organisieren Fundraising-Veranstaltungen, auf denen die Teilnehmer unsere verschiedenen Projekte mit Spenden unterstützen können. Da wir ansonsten alle ehrenamtlich arbeiten, sind wir, was die Stiftungsarbeit angeht, sehr beweglich, da wir keine Kosten verursachen, sondern sie ausschließlich für unsere Projekte verwenden. Die Stiftung trägt sich selbst. Gründungsschirmherr ist Shimon Stein, Gäste sind etwa Michael Wolffsohn und Henryk M. Broder. Zu unseren Events laden wir meist einen kleinen Kreis von Leuten ein. Am Ende des Abends kommen zwischen 3000 und 15.000 Euro zusammen.

Worin unterscheiden Sie sich von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), der WIZO oder Keren Hayesod?
Wir sind keine zweite DIG. Wir veranstalten keine Aktionen, Konzerte oder Lesungen. Wir sind eine Förderstiftung, die mit kleinen und mittleren Beträgen bestimmte Projekte unterstützt – seit 2008 haben wir rund 100.000 Euro an Mitteln vergeben.

Die dann in welche Projekte fließen?
Wir haben uns schon sehr früh entschieden, Schulpartnerschaften zu unterstützen. Das ist einer unserer Schwerpunkte. Denn Kontakte zwischen Jugendlichen aus Deutschland und Israel halten wir für essenziell. Die Bindung, die hier unter 15-, 16-Jährigen entsteht, immunisiert gegen Vorurteile. Vorbild dafür ist der deutsch-französische Jugendaustausch – die große Tragödie zwischen beiden Ländern ist wesentlich dadurch gekittet worden, dass nahezu jede zweite Schule in Deutschland eine Partnerschule in Frankreich hat. Diesen lebendigen Austausch wünschen wir uns auch mit Israel.

Worauf liegen weitere Akzente?
Vor allem auf der Aquaponik-Technologie. Deren Mitbegründer Samuel Appelbaum, einer der berühmtesten Fischforscher Israels, ist auch Kuratoriumsmitglied der Ben-Gurion-Stiftung. Er lebt in der Wüste und züchtet dort Fische, und das schon seit vielen Jahrzehnten. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihn dort schon besucht. Mittlerweile kann man das Verfahren, das er und seine israelischen Kollegen entwickelt haben, auch in Berlin-Schöneberg kennenlernen – in der »Urban Gardening«-ECF-Farm.

Was hat es damit auf sich?
Aquaponik ist eine Mischung aus Hydroponik und Aquakultur. Hier wird Fischzucht mit Gemüseanbau kombiniert: Die Farm produziert mitten in der Stadt regio-nale Produkte wie »Hauptstadt-Barsch« und »Hauptstadt-Basilikum«. Dabei geht es um kurze Transportwege, ressourcenschonende Kreislaufsysteme, Nachhaltigkeit, klimaverträglichen Verbrauch, das Ganze auch noch kostengünstig – Themen also, die Jugendliche zunehmend bewegen. Hier lernen Schüler israelisches Hightech, israelische Start-up-Kultur und großartige Wissenschaft kennen. Und wenn dann auch noch ein Professor aus dem Negev in die Schule kommt und erklärt, wie man Fische in der Wüste züchtet, vermittelt das einen ganz anderen Eindruck als den aus der »Tagesschau«.

Wie unterstützt die Stiftung das Projekt?
Zum einen ermöglichen wir Schulklassen Führungen durch die Farm in Berlin. Zum anderen helfen wir dabei, Samuel Appelbaums Idee weiter zu verbreiten. Gerade haben wir eine Modellanlage in Mecklenburg-Vorpommern mitfinanziert.

Ganz im Sinne von Ben Gurion also?
So ist es. Israels erster Ministerpräsident träumte davon, die Wüste urbar zu machen. Aquaponik ist ein wunderbarer Ansatz, Jugendlichen ein authentisches Israelbild zu vermitteln – innovativ, lebendig, gegenwärtig.

Mit dem Vorsitzenden der Ben-Gurion-Stiftung sprach Katharina Schmidt-Hirschfelder.

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Unabhängigkeitstag

»Notwendig und ein Wunder«

Die IKG feierte Israels Menschen, Geschichte und Leistungen

von Luis Gruhler  05.05.2026

Gedenken

Ungebeugt trotz der Last

An Jom Hasikaron erinnerte die IKG an die Opfer der Kriege und des antisemitischen Hasses

von Luis Gruhler  05.05.2026

Düsseldorf

»Oh mein Gott, da ist ein Jude im Studentenwohnheim!«

Luai Ahmed wurde im Jemen geboren, wuchs mit Antisemitismus auf – doch nach seinem Umzug nach Schweden änderte sich alles

von Stefan Laurin  05.05.2026

Erinnerungsarbeit

Virtuelle Ausstellung mit NS-Zeitzeugen tourt durch Brandenburg

In der mobilen Ausstellung »In Echt?« berichten NS-Zeitzeuginnen und -zeugen von ihren Schicksalen. Die virtuelle Schau wurde 2023 in Potsdam entwickelt und tourt wieder durch Brandenburg

 05.05.2026

Berlin

Merz: Jüdisches Leben so bedroht wie lange nicht mehr

Das Präsidium der CDU tagte am Montag in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin und verabschiedete einen Beschluss gegen Antisemitismus. Kanzler Merz machte zuvor deutlich, warum das wichtig ist

von Detlef David Kauschke  04.05.2026 Aktualisiert

Frankfurt am Main

Marek Lieberberg wird 80 – Ein Leben für die große Bühne

Kaum ein anderer hat die Live-Musiklandschaft in Deutschland über Jahrzehnte so geprägt wie der jüdische Konzertveranstalter aus Frankfurt

 04.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026

Geburtstag

Andreis Glück

Der Schoa-Überlebende Andrei Moiseenkow wird 100 – Weimar feiert seinen Ehrenbürger

von Helmut Kuhn  01.05.2026