Fundraising

In Rons Namen

»Es ist unglaublich! Schon vor unseren Benefizkonzerten sind Tausende Euro auf dem Spendenkonto für Rons Tierheim eingegangen«, freut sich Kantor Isidoro Abramowicz. So sehr habe das traurige Schicksal von Ron Sherman aus Israel die Menschen bewegt. Der Soldat hat Tiere sehr geliebt. Kein Wunder, seine Eltern, Maayan und Alex Sherman, sind Veterinärmediziner. Er selbst wollte lieber Anwalt werden.

Doch Ron wurde am 7. Oktober 2023 als Geisel nach Gaza verschleppt und zwei Monate später tot aus einem Hamas-Tunnel in Dschaballa geborgen. Er wurde nur 19 Jahre alt. Seit Kurzem engagieren sich in Berlin, Potsdam und anderen deutschen Städten viele Menschen unterschiedlicher Religionen, damit sein Wunsch in Erfüllung geht: ein Heim für Tiere in Israel, die Hilfe benötigen.

Benefizkonzerte und -veranstaltungen

Dafür sind die Initiatoren, seine Eltern, die Heruth Foundation und Rons ehemalige Schule »Eshel HaNasi«, auf Spenden angewiesen. Der Kinderchor und der Chor der Berliner Synagoge Pestalozzistraße werden Benefizkonzerte geben, an denen sich auch eine Tanzgruppe aus Vilnius beteiligt. Abramowicz hofft, dass viele Benefizveranstaltungen in weiteren Gemeinden folgen.

Ein Telefonat vor ein paar Wochen zwischen Elieser Zavadsky von der Gemeinde »Sukkat Schalom« und dem Kantor hatte Folgen. »Er hatte mir von Ron und seinen Eltern erzählt und mich gefragt, ob ich helfen könnte. Da kam mir die Idee, Benefizkonzerte zu organisieren.« Das Tierheim-Projekt habe ihn sofort angesprochen. Deshalb bat er auch die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Zum Organisationsteam gehören neben Abramowicz Birgit Havenstein, Chavah Ines Stenger und Elieser Zavadsky.

»Wir haben einen Weg gesucht, mit unserem Sohn Ron weiter verbunden zu bleiben.«

Maayan und Alex Sherman

»Wir haben einen Weg gesucht, mit Ron weiter verbunden zu bleiben, auch wenn er physisch nicht mehr da ist«, sagen seine Eltern der Jüdischen Allgemeinen beim Zoom-Gespräch. Sie sitzen bei diesem Meeting in ihrer Praxis. Mehrere Bilder hängen an den Wänden, aber Rons Foto zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

19 Jahre alt war er, als das Foto entstand. Optimistisch und voller Lebensfreude schaut er in die Kamera. Die Familie hat auch zu Hause viele Tiere, mit zehn Katzen ist Ron groß geworden, es kamen noch Hunde und Vögel dazu. Isidoro Abramowicz ist gerade zu Besuch bei Rons Eltern in Israel, deren Praxen in Beer Sheva und Lehawin sind. »Sie suchten und fanden einen Platz für das Tierheim in der Nähe seiner ehemaligen Schule«, sagt er. Es handelt sich um eine Schule, in der Veterinärmedizin als Schwerpunkt unterrichtet wird.

»Bis zu seiner Barmizwa war Ron Sherman ein introvertiertes Kind und nicht besonders selbstbewusst. Er war sehr schlank und groß für sein Alter, und es fiel ihm schwer, damit umzugehen. Doch plötzlich veränderte er sich, ist super selbstbewusst geworden und wollte helfen. Er war großzügig zu anderen und sehr hilfsbereit«, berichten Maayan und Alex Sherman.

Kinder aller religiösen Strömungen und Gesellschaftsschichten

Rons Tierheim soll ein Ort werden, an dem sich Kinder aller religiösen Strömungen und Gesellschaftsschichten begegnen, Kontakte zu den Tieren und vor allem untereinander aufbauen können. Darüber hinaus soll es therapeutische Angebote für Kinder mit posttraumatischen Belastungsstörungen sowie mit psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen geben.

»Das Tierheim soll Kindern helfen, die einen ähnlichen Prozess durchmachen wie einst Ron – Phasen, in denen sie vielleicht nicht so selbstbewusst sind, in denen sie Hilfe brauchen und sie von dieser Empathie lernen können«, sagen seine Eltern.

»Rons Mutter spürt, dass sie anderen unbedingt helfen muss, es hat auch mit dem 7. Oktober 2023 zu tun«, sagt der Kantor. An dem »Schwarzen Schabbat« habe Ron seine Mutter gegen 6.30 Uhr morgens angerufen und um Hilfe gebeten. »Er sagte: ›Hier passiert etwas‹, und wir hörten durchs Telefon die Geräusche«, so seine Mutter. Rons Armeebasis nahe dem Erez-Übergang lag keine 150 Meter vom Zaun entfernt, der Israel von Gaza trennt. Seine Eltern konnten ihn nicht schützen. Deshalb hat das Helfen für sie nun oberste Priorität.

Als Erstes sollen streunende Katzen in das Tierheim einziehen.

Streunende Katzen sollen als Erste ins Tierheim einziehen und versorgt werden. So schnell wie möglich soll es vergrößert werden, damit Hunde und auch andere Tiere, die Hilfe brauchen, aufgenommen werden können. Besonders im Süden Israels haben es streunende Tiere schwer zu überleben. »Maayan hat mich heute mitgenommen, und so konnte ich viele kranke, verwahrloste Katzen sehen. Zudem gibt es viele Hunde, die aus der Zone des Gazastreifens kommen. Die werden jetzt schon versorgt. Die Infrastruktur ist leider noch nicht optimal. Das Geld wird sehr viel helfen.«

Es gibt auch weitere gute Nachrichten für das geplante Tierheim: Das israelische Erziehungsministerium sowie das Sicherheitsministerium haben angekündigt, sich an dem Projekt zu beteiligen. Erst einmal wird mit Ehrenamtlichen gearbeitet, später soll das Tierheim selbstständig wirtschaften.

In Israel sind bereits 150.000 Schekel auf dem Spendenkonto eingegangen. »In Deutschland erreichten uns in wenigen Tagen mehr als 6000 Euro – noch bevor auch nur ein einziger Ton unseres Benefizkonzertes erklungen ist«, sagt Isidoro Abramowicz. »Wir werden so viele Konzerte wie möglich auf die Beine stellen. Wir verewigen Rons Namen.«

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