Interview

»Ich kenne nichts Vergleichbares«

Ansgar Brinkmann Foto: picture alliance / Jacqueline Nolting

Interview

»Ich kenne nichts Vergleichbares«

Ansgar Brinkmann über die Maccabiah, seine neue Aufgabe als Makkabi-Nationaltrainer und alte Legenden

von Helmut Kuhn  27.09.2023 21:53 Uhr

Herr Brinkmann, Sie gelten als FußballLegende, man nannte Sie »weißer Brasilianer« und »Trinkmann«, Sie waren im Dschungelcamp. Nun sollen Sie die deutschen Fußballer bei der Maccabiah in Israel zum Titel führen. Wie wurden Sie von dem Team aufgenommen?
(Lacht). Mit Ferndiagnosen muss man vorsichtig sein. Das sollen die Makkabäer mal schön selbst beantworten. Aber zu meinem Ruf muss gesagt werden: Das entstand, weil ich mit 19 Jahren mal auf dem Anrufbeantworter hatte: »Bin bis fünf Uhr in meiner Stammkneipe zu erreichen.« Ich gehörte aber in jedem Klub zu den Spielern, die am wenigsten getrunken haben. Ich habe nie geraucht. Zwei-, dreimal im Jahr habe ich gefeiert, dann allerdings hätte ich es fast in die 20-Uhr-Nachrichten geschafft. Dass ich Spuren hinterlassen habe im Fußball, ist mir bewusst. Und es ist erst einmal nicht so wichtig, was die Leute sagen, wenn du in den Klub kommst, sondern was sie sagen, wenn du mal gehst. Vielleicht so etwas wie: Schön, dass du da warst.

Viele waren von Ihrer Berufung überrascht. Wie sind Sie zu Makkabi Deutschland gekommen?
Ich habe viele Angebote gehabt, Mannschaften zu trainieren, in der dritten und auch in der zweiten Liga. Bei diesem Angebot allerdings musste ich nicht lange überlegen. Denn ich bin seit Jahren mit der Hans-Rosenthal-Stiftung in Kontakt. Für mich ist das ein Geschenk: Der jüdische Staat bringt zu diesem Ereignis mehr als 11.000 Sportler nach Israel. Und ich darf daran teilnehmen. Da gibt es Schlimmeres. Ich kenne nichts Vergleichbares.

Makkabi-Chef Alon Meyer sagte, Sie sollen in ganz Deutschland nach Talenten suchen. Wie werden Sie das machen?
Ende des Monats findet in Duisburg der erste Lehrgang statt. Ich habe ein sehr gutes Team um mich herum, aber wir müssen bis 2025 stetig nochmal scouten, diese Zeit brauchen wir schon noch, um das bestmögliche Team zusammenzustellen. Das läuft natürlich bereits im Hintergrund. Die Jungs vom Stab sind schon einige Jahre dabei und wissen ganz genau, wer wo spielt und jetzt von der Jugend aufgrund des Alters infrage kommt. Das arbeiten wir gerade ab, und ja, da gibt es jetzt ganz zeitnah einige Treffen mit Spielern.

Wie zuversichtlich sind Sie, eine schlagkräftige Truppe zu schmieden?
Sehr, sehr zuversichtlich. Und das ist vor allem eine schöne Aufgabe. Israel näher kennenzulernen, dieses innovative und aufregende Land mit den meisten Start-ups, da gibt es viel zu entdecken. Und Spiele in Jerusalem, in dieser magischen Stadt, all das ist doch schon ein Erlebnis, das wird emotional sehr besonders. Zugleich steht auch fest: Natürlich wollen wir Spiele gewinnen, so viele wie möglich – wir wollen sehr weit kommen in diesem Turnier!

Mit dem Fußballtrainer von Makkabi Deutschland und Ex-Profi von Eintracht Frankfurt sprach Helmut Kuhn.

Ausstellung

Ein Blick zurück

Ganz persönlich, doch mit weitem Horizont zeigt »Mit eigener Stimme« die Geschichte des Zentralrats der Juden in Deutschland

von Sophie Albers Ben Chamo  24.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  23.02.2026 Aktualisiert

Sally Bein

Reformpädagoge in schwieriger Zeit

Ein deutsch-israelisches Autorenduo zeichnet das Leben und Wirken filmisch nach

von Alicia Rust  23.02.2026

Lesen

Mehr als eine Familiengeschichte

Jan Mühlstein stellte im Gemeindezentrum sein neues Buch vor, das persönliche Erinnerungen mit europäischer Geschichte verknüpft

von Esther Martel  23.02.2026

Beni-Bloch-Preis

Jugend erinnert

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main vergibt die Auszeichnung an Gedenkprojekte von Schülerinnen und Schülern aus Hessen

von Katrin Richter  23.02.2026

Porträt der Woche

»Das wird mein Leben«

Mayan Goldenfeld verliebte sich in die Opernwelt und wurde Sängerin

von Gerhard Haase-Hindenberg  23.02.2026

Göttingen

Ehrendoktortitel für Holocaust-Überlebenden Leon Weintraub

Auch Ehrung mit Friedenspreis geplant

 23.02.2026

Berlin

Gedenken an Proteste von 1943 in der Rosenstraße

Der Protest von wahrscheinlich mehreren hundert Frauen in der Berliner Rosenstraße während der zwölfjährigen NS-Diktatur gilt als beispiellos. An den lange vergessenen Widerstand wird am Donnerstag erinnert

 23.02.2026

München

Religiöse Heimat

Die Stadtteilsynagoge Sha’arei Zion in der Georgenstraße ist seit Jahrzehnten ein Zentrum jüdischen Lebens in Schwabing

von Esther Martel  22.02.2026