»Matan«

Hotline auf Hebräisch

Marina Chernivsky bei ihrer Ansprache Foto: Chris Hartung

»Matan«

Hotline auf Hebräisch

Die Telefonseelsorge für israelische Hilfesuchende wurde eröffnet

von Alissa Weiße  02.07.2023 00:06 Uhr

»Es ist von entscheidender Bedeutung, die kleinen Bedürfnisse und großen Herausforderungen der israelischen Community anzuerkennen und angemessen darauf zu reagieren.« Das betonte Joe Chialo (CDU), Berliner Senator für Kultur und gemeinschaftlichen Zusammenhalt, bei der offiziellen Vorstellung des Projektes »Matan« am Donnerstag vergangener Woche.

Matan ist eine speziell für hebräischsprachige Personen in Deutschland ins Leben gerufene Krisen-Hotline. Das Projekt möchte eine vertrauliche und professionelle Anlaufstelle für Menschen sein, die in Belastungssituationen Unterstützung benötigen.

freiwillige Ein Team von mehr als 20 Freiwilligen, bestehend aus Psychologen, Sozialarbeitern und Engagierten, macht es möglich, dass die Hotline jeden Abend von 20 bis 22 Uhr erreichbar ist. Laut Nitzan Meilin, Projektleiterin bei Matan, wird das Konzept sehr gut angenommen: »Wir konnten seit Beginn im Januar bereits mehr als 60 Anrufe verzeichnen. Uns erreichen auch Anfragen außerhalb der Öffnungszeiten – dies unterstreicht das Bedürfnis und die Bedeutsamkeit der Einrichtung.«

»Matan ist ein kleines, aber wegweisendes Projekt. Es entstand vor dem Hintergrund verkannter Bedürfnisse und einer Versorgungslücke«, sagte Marina Chernivsky, Geschäftsführerin von OFEK, einer Beratungsstelle in Deutschland, die auf Antisemitismus und Community-basierte Beratung spezialisiert ist und die einer der Träger des Projekts ist.

In Deutschland wächst die israelische Community. Migration nach Deutschland, Arbeitsplatzwechsel, Konfrontation mit Antisemitismus und die Auswirkungen vergangener traumatischer Ereignisse sind nur einige Gründe, die zu emotionalen und psychischen Belastungen führen können. Seit rund vier Jahren wird an Matan gearbeitet, das auf Initiative des Vereins »Zusammen Berlin« gegründet wurde. Träger sind der Verein OFEK und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST).

unterstützung Matan wolle in Deutschland eine Lücke schließen, die es in der niedrigschwelligen psychosozialen Unterstützung für betroffene Israelis bisher gab, so Chernivsky. Nach jahrelanger anhaltender Migration habe die israelische Community eigene Strukturen aufbauen müssen, um die Leerstellen in der deutschen Krisenberatung auffangen zu können.

Das spiegelt auch Matans Slogan wider: »Aus der Gemeinschaft, für die Gemeinschaft.« Chernivsky betont zudem den Unterschied zu Sozialstellen, die sich auf antisemitische Gewalterfahrungen konzentrieren: »Matan richtet sich an Menschen, die in unterschiedlichen Lebenslagen an ihre Grenzen kommen. Damit ist das Projekt auch eine Art der Normalisierung von Bedarfen der jüdischen Gemeinschaft, die in der sozialen oder psychotherapeutischen Versorgung noch nicht hinreichend abgedeckt sind.«

Nach Chernivsky habe die jüdische Gemeinschaft in Deutschland »eine Geschichte, die trennt, aber auch eine Geschichte, die verbindet«.
Verbindend sei auch das Engagement der jüdischen Diaspora, soziale Bedarfe anzuerkennen und Unterstützung bereitzustellen, so Marina Chernivsky. Aus der Community, für die Community.

Matan ist täglich von 20 bis 22 Uhr unter der Telefonnummer 0800/0001642 zu erreichen. Mehr Informationen unter www.matanline.de

Leipzig

Kinder greifen koscheres Café an

Sie bewarfen offenbar Mitarbeiter mit Plastikflaschen, beschimpften sie und versuchten, in den Schankraum einzudringen: Die Polizei ermittelt gegen mehrere Kinder und Jugendliche in Leipzig

 08.01.2026

Entführungsfall

Jugendamts-Zeugin im Block-Prozess: »Unglaubliche Belastung«

In dem Hamburger Prozess geht es eigentlich um die Entführung der Block-Kinder. Die hat aber eine jahrelange Vorgeschichte. Eine Jugendamts-Mitarbeiterin schildert eine wichtige Wende im Sommer 2021

von Stephanie Lettgen, Bernhard Sprengel  08.01.2026

Fußball

England als neue Chance? Daniel Peretz verlässt Hamburger SV

Nach der missglückten Leihe zum Hamburger SV geht es für Bayern-Torhüter Daniel Peretz in England weiter. Dort trifft er auf einen deutschen Trainer

 08.01.2026

Trauer

Schöpfer der Todesmarsch-Mahnmale: Hubertus von Pilgrim ist tot

Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim ist im Alter von 94 Jahren in Pullach bei München gestorben. Internationale Bekanntheit erlangte er durch sein Mahnmal für die Opfer des Dachauer Todesmarschs vom April 1945

 08.01.2026

Debatte

Schulen legen Namen von Antisemiten und Eugenikerinnen ab

Hedwig Dohm oder Dag Hammarskjöld sind Namen, die Schulen heute gerne tragen. Andere Schulen sind nach Menschen benannt, deren Wirken heute kritischer gesehen wird als in der Vergangenheit

von Pat Christ  08.01.2026

Gegenwart

Jetzt erst recht!

Das Festjahr für jüdisches Leben in Deutschland war ein großer Erfolg. Es wird Zeit, dass nun auch auf europäischer Ebene das reiche jüdische Erbe gewürdigt wird

von Andrei Kovacs, Abraham Lehrer  08.01.2026

Mannheim

Schätze der Synagogalmusik

Die jüdischen Kantoren treffen sich zur Jahreskonferenz und laden zu drei Konzerten ein

von Christine Schmitt  08.01.2026

Programm

Kicken, Karneval, König Salomo: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 8. Januar bis zum 14. Januar

 08.01.2026

Frankfurt am Main

Salomon Korn wird mit Ignatz-Bubis-Preis ausgezeichnet

Salomon Korn erhält den Ignatz-Bubis-Preis. Die Auszeichnung wird am Montag in der Frankfurter Paulskirche überreicht

 07.01.2026