Duisburg

Höher, schneller, Makkabiade

Mit wehenden Fahnen liefen die teilnehmenden Makkabi-Ortsvereine bei der Eröffnungsfeier am Freitagabend ein, doch am Sonntagmorgen hängen die weißen Stoffbahnen – vom Regen durchnässt – ziemlich schwer im kalten Wind.

Ein ähnliches Bild geben auch Vladimir Budjastki und seine Mitstreiter ab, als sie von einem der Fußballfelder der Sportschule Wedau schleichen. Das Team aus Rostock hat bei der Makkabi-Meisterschaft in Duisburg gerade eine satte Niederlage kassiert, 1:15 gegen Berlin. »Es hat geregnet, und wir waren alle verletzt«, lamentiert einer lachend, aber daran hätte es selbstverständlich nicht gelegen.

»Berlin war einfach zu stark«, sagt Vladimir, »und manchmal muss man eben auch verlieren können.« So schlecht, betont der 25-Jährige dann aber noch, hat sich die Mannschaft aus Rostock bei den anderen Partien gar nicht präsentiert – 7:3 gegen Düsseldorf, 2:4 gegen München, »aber das hätten wir auch gewinnen können«.

Fußball Denn bei der Makkabi-Meisterschaft geht es selbstverständlich auch um ein erfolgreiches Abschneiden. Man kennt sich, trifft sich abseits des Spielfelds, verbringt viel Zeit miteinander und feiert. Aber gewinnen möchten trotzdem doch alle mit ihren Teams.

Das wird beim Fußballspiel zwischen Frankfurt und Köln deutlich. Die Mannschaften schenken sich nichts, der gemeinsame Vereinsname kümmert die Spieler herzlich wenig. Man kämpft wie bei jeder anderen Partie in der Saison. »Frankfurt ist der Favorit bei den Spielen hier«, erzählt Moshico Saban. Der Berliner steht am Rand und schaut sich die Partie an. Auch die Kölner seien gut, deshalb würde es hier etwas mehr zur Sache gehen.

»Aber grundsätzlich ist alles easy, denn alle wollen Spaß haben und sind freiwillig hier«, ergänzt Daniel Soudry, ebenfalls von Makkabi Berlin, das seine komplette zweite Mannschaft nach Duisburg geschickt hat. »Die meisten kennen sich ja auch schon aus den Ferienlagern, aus der Jugend«, sagt der 36-Jährige, der einer der ältesten Teilnehmer der Makkabi-Meisterschaft ist.

Moshico schaut wieder aufs Feld, »der Kapitän zum Beispiel, oder der Torwart von Frankfurt, mit denen habe ich im letzten Jahr zusammen bei den European Maccabi Games gespielt«, erzählt er. »Es ist schön, jetzt auch einmal gegeneinander anzutreten. Vielleicht ist das ein bisschen wie bei der spanischen Nationalmannschaft.«

Tischtennis Ganz so vernetzt ist der 19-jährige Jurij Margit aus Mainz noch nicht. Er sitzt in der Tischtennishalle und sieht sich an, mit wem er es bald zu tun bekommen könnte. Bei den European Maccabi Games holte er sich drei Goldmedaillen: Einzel, Doppel, Mannschaft. Deshalb zählt er in Duisburg zu den Favoriten. Aber er sei nicht nur gekommen, um an der Tischtennisplatte zu stehen. »Ich bin schon auch hier, um andere Menschen kennenzulernen. Ich würde ja sonst zum Beispiel nicht nach Bremen fahren. Aber bei der Makkabiade trifft man sich eben.« Zum Beispiel beim Mittagessen, zu dem gerade per Durchsage eingeladen wird. Sofort kommt Bewegung in die Halle.

Auch die Fußballer können sich nun erholen, trotz der intensiv geführten Partie klatschen Frankfurter und Kölner selbstverständlich nach dem Schlusspfiff ab. Und die Stimmung der Rostocker dürfte sich ebenfalls wieder verbessern, wenn sie den Weg durch das Organisationszentrum gegangen sind.

Denn dort hat eine Mitarbeiterin den aktuellen Medaillenspiegel an die Wand gepinnt. Ganz oben: Makkabi Rostock – die Fechter haben dreimal Gold geholt. Später am Sonntag gibt es dann für alle noch einmal die Möglichkeit, ihren Ausflug nach Duisburg abseits der Plätze inoffiziell zu vergolden: Um 18.30 Uhr beginnt die »Poker Night«. Die überquellenden Anmeldebögen versprechen ein sportliches Großereignis.

Alija

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