Fotografie

Gesichter hinter der Statistik

Judith Tarazi in einer Ausstellung Foto: Christine Schmitt

Fotografie

Gesichter hinter der Statistik

Ausstellung im Kunstatelier Omanut

von Christine Schmitt  30.10.2017 14:23 Uhr

Die junge Frau flirtet mit der Kamera – sie ist die Einzige, die direkt in die Linse blickt. Das Porträtfoto ist eines von vielen, die derzeit in der Jüdischen Galerie der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) in Berlin-Tempelhof ausgestellt sind. Andere Porträtierte schauen in eine ganz andere Richtung oder knapp an der Kamera vorbei.

So ist es Judith Tarazi, Leiterin der Kunstateliers Omanut, gelungen, ungestellte Momentaufnahmen zu machen, die die Persönlichkeiten wiedergeben. Die Bilder laden dazu ein, stehenzubleiben, sich die Fotos genau anzuschauen und die Ausstrahlung der jeweiligen Person auf sich wirken zu lassen.

Inklusion Manche der Porträtierten sind psychisch krank, andere geistig behindert. Gemeinsam ist allen Abgebildeten, dass sie als behindert gelten und in den vergangenen Jahren an den Fahrten des ZWST-Inklusionsprojekts »Gesher« teilgenommen haben. Omanut präsentiert die Fotoausstellung zum Projekt anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der ZWST.

Bereits seit etlichen Jahren lädt die ZWST im Rahmen des Gesher-Projektes zu Reisen für Familien mit behinderten Angehörigen ein. Zweimal im Jahr treffen sich Menschen aus ganz Deutschland in Bad Sobernheim oder Bad Kissingen. »Für viele sind das die schönsten Wochen im Jahr. Freundschaften sind gewachsen, und auch wir Betreuer genießen die familiäre Atmosphäre«, sagt Tarazi.

Zur Ausstellungseröffnung kamen nun so viele Interessierte, dass es eng wurde in den Räumen der Galerie. Zehn Prozent aller Deutschen haben eine Behinderung, sagte Günter Jek, Leiter des Berliner ZWST-Büros, in seiner Rede, »Zahlen, hinter denen wir häufig erst Menschen und individuelle Lebensrealitäten sehen, wenn wir ein Gesicht dazu haben«.

Wünsche Die Präsentation sei ebenso eine Sammlung von Gesichtern, die Wünsche, Hoffnungen, Freude und Enttäuschungen ausdrücken, wie auch eine Dokumentation engagierter Arbeit. Es seien Bilder, so Jek, die Menschen ein Gesicht geben und somit aus der Statistik herauslösen.

Nur ein einziger Porträtierter wohnt in Berlin, die anderen leben über die ganze Bundesrepublik verteilt. Dieser ältere Herr kommt seit Jahren auch regelmäßig in das Kunstatelier Omanut. Unter dem Dach der ZWST ermöglicht es jüdischen und nichtjüdischen Künstlern mit Behinderung und psychischen Erkrankungen eine vielseitige Palette an Beschäftigungen.

Vor einem Jahr konnten die Mitarbeiter zusätzlich die permanente Ausstellungsfläche eröffnen, in der nun eigene und Werke von Gästen gezeigt werden. Die Fotos sind noch bis Mitte Dezember zu sehen.

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026

»Schir Haschirim« in Berlin

Acht Kapitel Geheimnisse

In der Synagoge Pestalozzistraße wird das Hohelied Salomos in einer Vertonung des israelischen Komponisten Daniel Akiva uraufgeführt

von Christine Schmitt  04.03.2026

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Berlin

Zentralrat der Juden: Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse

Zentralratspräsident Josef Schuster sieht in den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran die Chance, das Mullah-Regime endlich zu beenden

von Jürgen Prause  02.03.2026