Düsseldorf

Genetischer Code der Welt

Mit freudiger Spannung sahen am Sonntag gut 300 Gäste im Düsseldorfer Gemeindezentrum zu, wie eine handgeschriebene Torarolle feierlich ihre letzten Buchstaben erhielt. Joe und Claire Tugendhaft haben die Rolle gespendet – zur Erinnerung an Paka Tugendhaft und Shaul Dov HaKohen, die Ende des 19. Jahrhunderts den Grundstein zu einer großen Familie gelegt hatten.

Nachfahren der Düsseldorfer kamen am Sonntag aus Antwerpen und sogar Südafrika an den Rhein. Auch der israelische Botschafter in Österreich, Aviv Shir-On, nahm an der Feierstunde teil. Spender Joe Tugendhaft füllte – unter dem Blick des Toraschreibers Yeshaya Perelman und der 50 anwesenden Nachkommen der Familie – den letzten Buchstaben akkurat mit Farbe aus. Das Geschehen wurde per Beamer live an die Rückwand des Gemeindesaals übertragen, damit auch die vielen Gäste das Ereignis miterleben konnten.

Die fertige Torarolle ist für das Düsseldorfer Zentrum von Chabad Lubawitsch bestimmt. In einem festlichen Umzug geleiteten die Gäste sie vom Gemeindezentrum am Paul-Spiegel-Platz zu ihrem neuen Bestimmungsort, wenige Straßen entfernt. Der Düsseldorfer Rabbiner Julian Chaim Soussan unterstrich zuvor, dass die Tora viel mehr sei als ein reines Geschichts- und Gesetzbuch. Daher sei die Freude der Anwesenden angesichts des besonderen Moments durchaus angebracht.

In der Tora verberge sich der Bauplan der Schöpfung: »Diese Tora enthält sozusagen den genetischen Code der ganzen Welt«. Soussan wünschte dem Chabad-Zentrum, dass die neue Tora dabei helfen werde, Menschen dazu zu bringen, ihre Jüdischkeit zu leben. Paka Tugendhaft und Shaul Dov HaKohen liegen auf einem jüdischen Friedhof in Düsseldorf begraben.

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  23.02.2026 Aktualisiert

Sally Bein

Reformpädagoge in schwieriger Zeit

Ein deutsch-israelisches Autorenduo zeichnet das Leben und Wirken filmisch nach

von Alicia Rust  23.02.2026

Lesen

Mehr als eine Familiengeschichte

Jan Mühlstein stellte im Gemeindezentrum sein neues Buch vor, das persönliche Erinnerungen mit europäischer Geschichte verknüpft

von Esther Martel  23.02.2026

Beni-Bloch-Preis

Jugend erinnert

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main vergibt die Auszeichnung an Gedenkprojekte von Schülerinnen und Schülern aus Hessen

von Katrin Richter  23.02.2026

Porträt der Woche

»Das wird mein Leben«

Mayan Goldenfeld verliebte sich in die Opernwelt und wurde Sängerin

von Gerhard Haase-Hindenberg  23.02.2026

Göttingen

Ehrendoktortitel für Holocaust-Überlebenden Leon Weintraub

Auch Ehrung mit Friedenspreis geplant

 23.02.2026

Berlin

Gedenken an Proteste von 1943 in der Rosenstraße

Der Protest von wahrscheinlich mehreren hundert Frauen in der Berliner Rosenstraße während der zwölfjährigen NS-Diktatur gilt als beispiellos. An den lange vergessenen Widerstand wird am Donnerstag erinnert

 23.02.2026

München

Religiöse Heimat

Die Stadtteilsynagoge Sha’arei Zion in der Georgenstraße ist seit Jahrzehnten ein Zentrum jüdischen Lebens in Schwabing

von Esther Martel  22.02.2026

Interview

»Alija machen ist wie vom Zehnmeterturm springen«

Sie haben Deutschland verlassen und sich für ein Leben in Israel entschieden. Was hat sie dazu bewogen? Ein Gespräch mit vier »Olim« über Zionismus, einen rastlosen Alltag und die Zukunft des Judentums in der Diaspora

von Joshua Schultheis  19.02.2026