Dresden

Gemeinde feiert Rückkehr mit Konzert und Ausstellungen

Am Montag wurde in Dresden nach dreieinhalbjähriger Bauzeit der Wiedereinzug der jüdischen Gemeinde in die Synagoge und das Gemeindezentrum gefeiert, verbunden mit einem Festkonzert zum hundertsten Geburtstag des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden. »Es war bereits die zweite Veranstaltung in der Synagoge«, sagte Domokos Szabó, Geschäftsführer des Landesverbandes, gegenüber der Jüdischen Allgemeinen: »Wir waren schon zu Rosch Haschana und zum Essen und einer Feier in der Synagoge und im Gemeindezentrum.«

Die Veranstaltung am Montag begann um 14 Uhr mit einem Gebet des Landesrabbiners Zsolt Balla auf Hebräisch und Deutsch. Darauf folgte die Rede von Alexander Dierks (CDU), Präsident des Sächsischen Landtages. Er betonte, wie »schwierig und bedrückend die Situation« heute für die jüdischen Gemeinden und für jüdische Menschen sei. »Aber er hat auch Mut gemacht und gesagt, dass man sich nicht von all den negativen Nachrichten herunterziehen lassen dürfe, sondern dass man auch das Leben feiern sollte«, so Szabó.

Im Anschluss daran sprach der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Mark Dainow und spannte einen Bogen von der Zerstörung der Synagoge bis zum Neubau am Hasenberg als Neue Synagoge 2001 und der jetzigen Wiedereröffnung. Dainow fand aber auch deutliche Worte zum Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt und zitierte den Satz des sachsen-anhaltinischen AfD-Landtagsabgeordneten Felix Zietman. Der hatte gegenüber einem Kollegen der SPD gesagt: »Wir müssen nur einmal gewinnen! Sie müssen immer gewinnen!« – und ließ damit keinen Zweifel über die demokratiefeindlichen Pläne der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei aufkommen. Dennoch sei er gespannt, sagte Dainow, auf die »jüdische Geschichte«, die in Zukunft in dieser Synagoge geschrieben werde.

Sodann sprach Ekaterina Kulakowa, die Vorsitzende des Landesverbandes und der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, »die viel Dankbarkeit zeigte darüber, dass die Menschen solidarisch sind, trotz des Antisemitismus«, so Szabó. Es folgte ein Konzert der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden unter der Leitung von Michael Herschel. Das Streichorchester spielte Werke von verfemten und verfolgten jüdischen Komponisten. »Es war sehr bewegend«, berichtet Szabó.

Die anschließende Feierstunde endete gegen 20 Uhr. »Und dann, so ein paar Minuten vor Ende der Fastenzeit, standen die Leute im Vorraum des Gemeindezentrums und freuten sich auf das Buffet. Es gab viele Gespräche und positive Rückmeldungen und auch Dankbarkeit für die Einladungen«, so Szabó weiter.

Unter den Gästen befanden sich auch Vertreter der Bundeswehr und vieler Schulen. Noch vor der Feierstunde hatte eine Lehrerkonferenz zum Thema »Handlungssicherheit stärken, Antisemitismus wirksam entgegentreten« stattgefunden, an der rund 80 Lehrerinnen und Lehrer teilgenommen hatten, teilweise auch online.

Zwei Ausstellungen in Synagoge eröffnet

An diesem Abend wurden außerdem zwei Ausstellungen eröffnet: In der Synagoge ist jetzt die Gemälde-Reihe Alef-Bet rund um die Buchstaben des hebräischen Alphabets von Liselotte Theil-Hurshell zu sehen, während im Gemeindezentrum die Dresdner KIW-Gesellschaft in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung eine Schau anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Landesverbands präsentiert. 

Rund 200 Besucher waren an diesem Festtag anwesend gewesen, sagte der Geschäftsführer des Landesverbands, auch aus den jüdischen Gemeinden Dresden, Leipzig und Chemnitz sowie »viele Wegbegleiter und Partner und Gäste aus der Dresdner Stadtgesellschaft«. Zu den prominenten Gästen zählten unter anderem Kultusminister Conrad Clemens (CDU), Staatsministerin Barbara Klepsch (CDU) und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP).

Im Mittelpunkt der seit Januar 2023 durchgeführten Baumaßnahmen hatten insbesondere die Verbesserung der baulich-technischen Sicherheit gestanden. Grundlage hierfür waren die Empfehlungen des Landeskriminalamtes Sachsen. Zugleich mussten die besonderen architektonischen Anforderungen des mehrfach ausgezeichneten Synagogenbaus sowie zwischenzeitlich erhöhte Anforderungen unter anderem an Brand- und Arbeitsschutz berücksichtigt werden.

»Wir sind sehr, sehr dankbar für diesen Zuspruch. Wir sind dankbar, dass wir wieder da sein können. Auch wenn der Anlass der Umbauten, sprich die Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen, ein trauriger ist«, so Domokos Szabó gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. »Aber wir sind hier zu Hause. Wir sind mitten in der Stadt, und da werden wir auch bleiben.« hek

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