Frankfurt

Ganz in Weiß

So schön sah der Vorplatz des Gesellschaftshauses des Palmengartens wohl noch nie aus. Gedeckte Tafeln mit weißen Tischdecken, Lichterketten, Vasen gefüllt mit Pfingstrosen und anderen Blumen schmückten den Platz.

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main veranstaltete am 23. Juni den »One Schabbat«. Die Veranstaltung mit Konzert, Gottesdienst und Dinner zelebrierte ein ganz besonderes Ereignis: Die Gemeinde feierte 75 Jahre Wiederbegründung. Man merkte, wie wichtig dieses Jubiläum auch für die Gäste der Veranstaltung war. Der Abend symbolisierte den Zusammenhalt und die Stärke, die die Gemeinde ausmachen. Man blickte zurück auf die wenigen Hundert Menschen, die die Schoa überlebt hatten und 1948 die Gemeinde in Frankfurt wiederaufbauten. Für den Abend wurde auf dem Vorplatz der erste Eruv in Frankfurt seit 1945 errichtet.

DRESSCODE Der Dresscode des Abends war »All White«. Und nicht zu Unrecht rief später ein Sänger der Gruppe »The Maccabeats« dem Publikum entgegen: »Frankfurt, you are the best dressed audience we sang for!« In eleganten Sommerkleidern, Hemden und leichten Hosen trafen ab 17 Uhr rund 500 Mitglieder der Gemeinde ein. Auch das Wetter war der Veranstaltung gewogen – noch einen Tag zuvor hatte es gestürmt, doch nun tummelten sich die Gäste unter strahlendem Sonnenschein unter den Baumarkaden, zwischen denen die langen Tafeln gedeckt waren.

Einen besonderen Beitrag haben an diesem Abend auch die Kinder der I. E. Lichtigfeld-Schule geleistet: Für jeden Gast hatten sie große Platzteller bemalt – mit Davidsternen, Friedenstauben und anderen passenden Motiven. Stolz eilten Kinder von Tisch zu Tisch und suchten nach ihrem Kunstwerk.

Der Abend symbolisierte den Zusammenhalt und die Stärke der Gemeinde.

Nachdem die Gäste mit weißen Fächern und einem Aperitif empfangen worden waren, begann der offizielle Teil des Abends im Musikpavillon des Palmengartens.

In seiner Ansprache ging Marc Grünbaum, Vorstandsmitglied und Kulturdezernent, auf die Besonderheit der Frankfurter Gemeinde ein. »75 Jahre, auf die wir und die Generationen vor uns, die diese Gemeinde aufgebaut haben, wirklich sehr stolz sein können. Wir können stolz sein auf unsere Einrichtungen – vom Familienzentrum über unsere Kitas, die Lichtigfeld-Schule bis hin zum Altenzentrum.« Grünbaum betonte vor allem den Zusammenhalt der Gemeinde, der auch in der Unterstützung von Jüdinnen und Juden, die ab den 90er-Jahren aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nach Frankfurt kamen sowie heute aus der Ukraine kommen, sichtbar ist.

herzstück Das Besondere an der Frankfurter Gemeinde ist für Marc Grünbaum, dass es nur ein »Wir« für die Mitglieder gibt – unabhängig von der Herkunft, Einstellung und dem Glauben. Dieser Abend und die Veranstaltung stünden für »all das, was wir erreicht haben, und für die Basis, das Herzstück unserer Gemeinde – unser Judentum. Ein stolzes Judentum, das sich nicht versteckt, sondern hier im Palmengarten und ganz bewusst im öffentlichen Raum als Teil dieser Stadt gelebt wird«.

Das musikalische Highlight war die New Yorker A-cappella-Gruppe The Maccabeats.

Musikalisches Highlight des Abends waren ganz besondere Gäste aus New York: Die A-cappella-Gruppe The Maccabeats performte ihre besten Hits und machte ordentlich Stimmung. Kinder tollten umher, und die Menschen tanzten und sangen mit.

Im Anschluss an das Konzert fand der Gottesdienst von Rabbiner Avichai Apel im Musikpavillon statt, und es wurden die Schabbat-Kerzen gezündet. Nach dem Gebet strömten die Gemeindemitglieder zu ihren Tischen. An mehreren Stationen wurde der Kiddusch gesprochen und eine große Challa angeschnitten. Auf den Tischen fand sich derweil eine weitere Gabe, die die Kinder der Gemeinde noch am selben Morgen gebacken hatten: Jeder Platz war mit einer kleinen Challa gedeckt. In drei Gängen servierte das Team des Palmengarten-Gesellschaftshauses koschere Speisen.

GESANG Der Abend war für The Maccabeats nach ihrem Auftritt noch nicht vorbei, natürlich nahmen sie an den restlichen Stunden teil – zwischen den Gängen zogen sie von Tafel zu Tafel und sangen für die Gäste, unterhielten sich, genossen die Atmosphäre, während die Sonne hinter den Bäumen verschwand.

Es war bereits dunkel, als die Gesellschaft sich auflöste. Niemals hätte die Gemeindeverwaltung mit einer solchen Resonanz gerechnet. Marc Grünbaum möchte diese Veranstaltung verstetigen und zu einer festen Institution machen. Fürs Erste war es mit Sicherheit ein würdiger und mit Freude erfüllter Auftakt des Jubiläumsjahres, wofür noch zahlreiche weitere Veranstaltungen geplant sind.

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026

Sport

Vereint am Ball

Jüdische Hobby-Fußballer feiern ihre Gemeinschaft – und möchten in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen

von Christine Schmitt  12.03.2026

Berlin

Interaktives Projekt zur jüdischen Geschichte des Scheunenviertels

Im Scheunenviertel in Berlin-Mitte gibt es seit Mittwoch zehn Straßenmarkierungen auf Jiddisch, Deutsch und Englisch. Über ein interaktives Erinnerungsprojekt wird so an die jüdische Geschichte der Spandauer Vorstadt erinnert

von Markus Geiler  11.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026

Programm

Kakaniens Kinder, Jakobs Zelte und Israels Superfood: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. bis zum 19. März

 11.03.2026

Hilfe

Gestrandet in Deutschland

Viele Israelis wurden im Ausland vom Beginn des Krieges mit dem Iran überrascht. Sie finden Unterstützung bei der israelischen und jüdischen Gemeinschaft vor Ort

von Joshua Schultheis  11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026

Berlin-Neukölln

Wer ist dieser Mann?

Er lehrte arabische Schüler die Geschichte des Holocausts, organisierte einen Austausch mit Israelis und hielt Drohungen stand. Hudhaifa Al-Mashhadanis Geschichte faszinierte die Medien, begeisterte Politiker und schenkte ihm das Vertrauen jüdischer Organisationen. Aber ist alles daran wahr?

von Mascha Malburg  11.03.2026

Berlin

150 Rabbiner am Brandenburger Tor

Ein Fototermin setzt ein Zeichen: Rabbiner zeigen, wie jüdisches Leben heute Europa prägt. Was beim Treffen sonst noch auf dem Programm steht

 11.03.2026