Interview

Fünf Minuten mit Heinz-Joachim Aris

»Die Zusammenarbeit unter den Religionen hat eine neue Qualität gewonnen«: Heinz-Joachim Aris Foto: Steffen Giersch

Herr Aris, Sie nehmen mit einem Projekt am Evangelischen Kirchentag teil, warum?
Ich denke mir, dass es für das Verständnis untereinander wichtig ist. Überhaupt ist der christlich-jüdische Dialog, den wir als Gemeinde schon seit Anfang der 80er-Jahre pflegen, sehr wichtig. Unter dem Dach der Evangelischen Kirche wurde damals der Arbeitskreis »Begegnung mit dem Judentum« – auch unter Mitwirkung der katholischen Seite – eingerichtet. Ich bin einer der Gründungsvorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hier in Dresden.

Womit werden Sie sich beschäftigen?
Ich habe mich entschieden, als Zeitzeuge teilzunehmen. Wolfram Nagel vom MDR hat mich am Vorabend des Kirchentages unter dem Titel »Gedenken zu Beginn« interviewen. Vorher wird es einen Rundgang zu prägnanten Stellen wie der Kreuzkirche, dem Altmarkt mit Frauenkirche, der Stele zum Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden geben. Er wird im Innenhof der Synagoge enden. An den einzelnen Haltepunkten wird Pfarrer Siegfried Reimann etwas zu diesen Orten sagen. Wolfram Nagel wird mich zu meinem Schicksal vor allem in Hinblick darauf befragen, dass es auch Menschen gegeben hat, die geholfen haben. Das betrifft auch meine Familie und mich. Nach den Bombennächten in Dresden ermöglichten uns Nachbarn mithilfe falscher Papiere unterzutauchen.

Dieses Thema haben Sie sich ausgesucht?
Ja, als einziges. Vielleicht werde ich noch an einzelnen Programmpunkten teilnehmen. Es stehen in unserem Haus interessante Themen gerade zur Geschichte des christlich-jüdischen Dialogs mit Siegfried Reimann und Professor Martin Stöhr auf dem Programm. Ich werde dabei nicht aktiv mitwirken, aber mich möglicherweise mal zu Wort melden.

Es ist Ihnen wichtig, dass der Kirchentag in Dresden stattfindet?
Das ist eine gute Sache. Auch in der Vergangenheit hat die jüdische Gemeinde schon an einem regionalen katholischen Kirchentag teilgenommen. Das ist mir wichtig. Ich vertrete die Meinung, dass in der Nachkriegszeit die Zusammenarbeit unter den Religionen konkret von Christen und Juden durch den Dialog und die Arbeit des Deutschen Koordinierungsrats eine andere Qualität gewonnen hat. Verständnis füreinander und das Miteinander haben sich stark verbessert. Das empfinde ich als einen gewaltigen Fortschritt.

Das heißt, sie haben auch gute Kontakte zur Kirche über den Kirchentag hinaus?
Deswegen war es uns auch ein Bedürfnis, uns mit einzubringen. Wir haben unser Haus zur Verfügung gestellt, die Gemeindevorsitzende Nora Goldenbogen hat viele Programmpunkte übernommen. Am Schabbat erwarten wir neben unseren Mitgliedern 200 nichtjüdische Gäste zum Gottesdienst mit einem anschließenden vom Kirchentag getragenen Kiddusch. Es macht Freude, mit den Vertretern des Kirchentages zusammenzuarbeiten, speziell mit seiner Generalsekretärin Ellen Ueberschär.

Mit dem Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Dresden sprach Heide Sobotka.

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Magdeburg

Synagogen-Gemeinde weiht neue Torarolle ein

Große Freude in der Magdeburger Synagoge: Nach mehr als 30 Jahren des Spendensammelns erhält die jüdische Gemeinde eine neue Torarolle, die in Israel von einem spezialisierten Schreiber angefertigt wurde

 18.05.2026

Berlin

Er hat Traditionen neu gedeutet

Pavel Feinstein ist tot. Der Maler und Zeichner starb nach kurzer, schwerer Krankheit

 18.05.2026

Prozess

Urteil im Prozess gegen Dresdner Rabbiner erwartet

Dem Angeklagten werden Geldwäsche und Betrug vorgeworfen

 18.05.2026

Gedenken

Prägend für den Kunsthandel

Die Stadt München brachte in der Liebigstraße ein Erinnerungszeichen für den jüdischen Auktionator Hugo Helbing und seine Familie an

von Luis Gruhler  18.05.2026

München

»Jener Tag des Sieges hat uns die Freiheit geschenkt«

Zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus gedachte die IKG der jüdischen Soldaten in den alliierten Armeen

von Vivian Rosen  18.05.2026

Berlin

Ein Israeli erklärt Berlin

Tourguide: Der ehemalige Opernsänger Eyal Edelmann führt Landsleute durch die deutsche Hauptstadt

von Alicia Rust  17.05.2026

Brandenburg

Brandanschlag: Jüdische Gemeinden stellen sich hinter Büttner

Im Fall des Brandanschlags auf das Anwesen des brandenburgischen Antisemitismusbeauftragten gibt es viele offene Fragen. Die örtliche jüdische Gemeinde solidarisiert sich mit Andreas Büttner

 15.05.2026

Jewrovision in Stuttgart

Der Gewinner heißt JuJuBa!

Das Team der Jugendzentren aus Baden hat den ersten Platz beim jüdischen Musikwettbewerb belegt. Der Preis für das beste Video ging an Neschama München

 15.05.2026