Interview

Fünf Minuten mit …

Kommt bei einer 70-Stunden-Arbeitswoche nur noch selten zum Trainieren: Bundesjustizminister Heiko Maas Foto: imago

Interview

Fünf Minuten mit …

Justizminister und Triathlon-Pate Heiko Maas über die EMG und ihre Bedeutung

von Philipp Peyman Engel  24.11.2014 23:37 Uhr

Herr Minister Maas, wann haben Sie zuletzt an einem Triathlonwettkampf teilgenommen?
(lacht) Das ist, zugegeben, schon etwas her – das war noch vor meiner Ernennung zum Bundesminister Ende 2013. Aber ich versuche natürlich, mich fit zu halten.

Als Bundesjustizminister haben Sie eine 70-Stunden-Woche. Wie viel Zeit bleibt da noch fürs Triathlontraining?
Ich absolviere zumindest ein regelmäßiges kleines Trainingsprogramm. Weniger, um an offiziellen Wettkämpfen teilzunehmen, das Training ist für mich vor allem ein Ausgleich zum Berufsleben. Da kann man neue Kraft tanken und abschalten. Triathlon ist ein schönes Hobby für mich.

Als Makkabi Deutschland Ihnen kürzlich die Patenschaft für den Triathlon-Wettbewerb bei den European Maccabi Games (EMG) 2015 in Berlin anbot, haben Sie nicht lange gezögert. Warum ist es Ihnen wichtig, die Sportveranstaltung zu unterstützen?
Die große, verbindende Kraft des Sports trägt auch dazu bei, Brücken zu bauen und Freundschaften zu knüpfen oder zu vertiefen. Ich war vor Kurzem in den USA, habe dort unter anderem das Leo Baeck Institute New York besucht und mit Vertretern des jüdischen Lebens in den USA gesprochen. Dabei ist mir noch einmal bewusst geworden, wie wichtig der permanente Dialog ist, um das Vergangene nicht zu vergessen und gemeinsam die Zukunft gestalten zu können.

Was ist für Sie das Besondere an den EMG?

Es ist die größte jüdische Sportveranstaltung Europas, in mehr als 20 Disziplinen kommen über 2000 jüdische Athleten aus rund 30 Ländern zusammen. Das ist ein ganz wertvolles Zeichen, wie reich und wie vielfältig das jüdische Leben in Deutschland wieder geworden ist. Darüber freue ich mich sehr, das ist ein wichtiges Signal in unsere Gesellschaft – gerade auch aktuell.

Die EMG in Berlin finden erstmals seit der Schoa wieder in Deutschland statt. Welchen Stellenwert haben die Spiele für die Bundesrepublik?

Natürlich haben wir eine besondere Verantwortung, das jüdische Leben in Deutschland zu fördern. Dazu gehören auch sportliche Begegnungen. Die Spiele sind eine große Chance und ein großes Glück für unser Land. Daneben sind wir auch weiter in der Pflicht, die Vergangenheit aufzuarbeiten und den kritischen Blick auf uns selbst zu richten. Im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ist seit 2012 eine unabhängige wissenschaftliche Kommission eingesetzt worden, die die personellen und fachlich-politischen Kontinuitäten der NS-Zeit im Regierungshandeln des Justizministeriums in der Nachkriegszeit untersuchen soll.

Inwiefern unterstützt die Politik in Deutschland die European Maccabi Games?
Die gesamte Bundesregierung fördert und begleitet gerne die Idee der Spiele. Aber auch weit über die Politik hinaus unterstützen viele gesellschaftliche Gruppen die EMG. Ich hoffe, dass es uns gemeinsam gelingt, sie zu einem öffentlichen Statement für Toleranz und Offenheit zu machen.

Sind die Spiele ein Kontrapunkt zu der Welle des Judenhasses, die im Zuge des Gaza-Krieges in Form von etlichen israelfeindlichen Kundgebungen durch die Bundesrepublik schwappte?
Die Ereignisse rund um die »Anti-Israel-Demonstrationen« haben mich sehr betrübt und schockiert. Judenhass darf in Deutschland nie wieder eine Bühne bekommen. Jeder Einzelne ist gefordert, alles zu tun, um jüdisches Leben in Deutschland zu schützen. Niemand darf sich bei uns bedroht fühlen – das Recht und wir alle stehen an ihrer Seite, wenn Juden mit unerträglichen Hassparolen angegriffen werden. Wer jüdisches Leben in Deutschland attackiert, darf keine Toleranz erwarten und wird mit aller Härte des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen.

Letzte Frage: Der Triathlonwettkampf wird voraussichtlich im Rahmen eines Half-Ironman-Rennens stattfinden. Können Sie sich vorstellen, bei dem Wettkampf selbst zu starten?
Na, da muss ich mein Training wohl doch nochmal intensivieren. Mal schauen, ob es mir gelingt.

Mit dem Bundesjustizminister sprach Philipp Peyman Engel.

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026

Kommentar

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen. Bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation

von Stefan Hensel  27.03.2026

Beziehung

Von Menschen und Wölfen

Laura Goldfarb ist vieles: Therapeutin, Schauspielerin – und Autorin. Mit ihrem Mann hat sie einen Paar-Ratgeber geschrieben, der anders ist als andere. Zu Besuch im Prenzlauer Berg

von Bettina Piper  26.03.2026

Rede

Zentralrat der Juden verteidigt Karin Prien

In Erfurt sprach Josef Schuster über den Status quo Jüdischen Lebens in der Bundesrepublik. Dabei ging Schuster auch auf das Programm »Demokratie leben« und die Kritik an die Familienministerin ein

 25.03.2026

Programm

Ferienprogramm, Retrospektive und ein Rache-Musical: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. März bis zum 2. April

 25.03.2026

Turnier

Fliegende Kippot

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Pascal Beck  24.03.2026

Sachsen

Rund 1000 Veranstaltungen zum »Jahr der jüdischen Kultur«

Unter dem Titel »Tacheles« steht in Sachsen 2026 das jüdische Leben im Mittelpunkt. Zahlreiche Akteure beteiligten sich. Das Programm wächst noch immer

von Katharina Rögner  24.03.2026

Rothenburg

Unter dem Pflaster

Als im vergangenen Sommer bei Grabungsarbeiten die Fundamente einer Synagoge entdeckt wurden, war das eine Sensation. Messungen zeigen nun: Sie war eine der großen

von Marc Peschke  23.03.2026

Kulturprogramm

Von Spezialitäten und Zumutungen

Der Schriftsteller Dmitrij Kapitelman las im Jüdischen Gemeindezentrum aus seinem jüngsten Buch

von Nora Niemann  23.03.2026