Zentralrat der Juden

»Es soll ein Mitzvah-Monat werden«

Teilnehmer des Mitzvah Day 2016 in Berlin
Teilnehmer des Mitzvah Day 2016: Auch im Jahr der Corona-Pandemie findet der Mitzvah Day statt – gleichwohl unter etwas anderen Bedingungen.

Blut spenden, Müll aufsammeln, Briefe schreiben: Auch im Jahr der Corona-Pandemie findet der jüdische Mitzvah Day statt – gleichwohl unter etwas anderen Bedingungen.

Die deutsche Ausgabe dieses Aktionstages ist eine Initiative des Zentralrats der Juden in Deutschland, bei dem einmal im Jahr jeder Teilnehmer mit kleinen Taten etwas Gutes bewirken soll.

»Am Mitzvah Day versuchen wir, weltweit mit vereinten Kräften in unzähligen kleinen Handlungen die Welt ein Stück besser zu machen«, so die Organisatoren. Denn das hebräische Wort »Mitzvah« bedeutet so viel wie »gute Tat«.

CORONA Und weil wegen Corona alles etwas anders ist, wird der Mitzvah Day nicht nur an diesem Sonntag begangen: »Es soll ein Mitzvah-Monat werden«, hat der Geschäftsführer des Zentralrats, Daniel Botmann, schon im Vorfeld angekündigt.

Die Idee ist, Zeit statt Geld zu spenden und dabei Begegnungen mit anderen Menschen zu ermöglichen.

Das bedeutet, dass die Teilnehmer bis Ende November ihre Ideen in die Tat umsetzen können. Jüdisch muss man dabei nicht sein: In der Vergangenheit hätten sich bereits Kirchen- und Moscheegemeinden beteiligt. In diesem Jahr gibt es aber wegen Corona weniger Kooperationen.

BEGEGNUNGEN Die Idee ist, Zeit statt Geld zu spenden und dabei Begegnungen mit anderen Menschen zu ermöglichen. Vor der Corona-Pandemie wurden beispielsweise alte und kranke Menschen besucht, Lebensmittel für Bedürftige gesammelt, Projekte mit Flüchtlingen auf die Beine gestellt oder Bäume gepflanzt.

»Gute Taten dürfen auch Spaß machen.«

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden

In Corona-Zeiten setzen die Teilnehmer, die sich bereits angemeldet haben, nun auch auf Solo-Aktionen oder Projekte, bei denen der Mindestabstand und die Hygienevorschriften im Teil-Lockdown eingehalten werden können.

AUFMERKSAMKEIT »Gute Taten dürfen auch Spaß machen«, betont Botmann. So planten Teilnehmer, gemeinsam im Freien zu joggen und dabei Müll zu beseitigen. Andere wollten Blut spenden, Altkleider sammeln oder als kleine Aufmerksamkeit Briefe an Nachbarn oder einsame Menschen schreiben oder für sie Musik aufnehmen.

Denn die am Mitzvah Day beliebten Besuche in Altenheimen müssen wegen der Pandemie ausfallen – trotzdem soll niemand das Gefühl von Einsamkeit haben.

Gerade in der Pandemie ist für viele Menschen der Mitzvah Day gemeinschaftsstiftend.

In diesen Fällen können Teilnehmer aus Botmanns Sicht auch über den Tag hinausdenken und zum Beispiel Patenschaften mit Alleinstehenden übernehmen.

MOMENTE Und gerade in der Pandemie sei für viele Menschen der Mitzvah Day gemeinschaftsstiftend – etwa wenn schon gemeinsame Pessach- oder Neujahrsfeste nicht möglich waren. »Wir brauchen diese schönen Momente.«

Der Mitzvah Day basiert auf zentralen jüdischen Werten: Tikkun Olam (»Verbesserung der Welt«), Tzedek (»Gerechtigkeit«) und Gemilut Chassadim (»Mildtätigkeit«). Das Konzept eines Aktionstages entstand demnach vor mehr als 20 Jahren in den USA.

Die Idee eines weltweiten Tags der guten Taten wurde 2008 in Großbritannien eingeführt. 2014 nahmen den Angaben zufolge in 23 Ländern mehr als 35.000 Menschen teil. In Deutschland fanden 2012 erstmals Aktionen statt, 2013 wurde er dann bundesweit organisiert.

»Die Menschen sollen merken, dass sie etwas bewirken können - ohne Geld, aber mit ihrer Zeit«, betont Hannah Dannel, Referentin für Kultur und Kommunikation des Zentralrats der Juden. Und ganz nebenbei könne auf lange Sicht auch das Ehrenamt gestärkt werden.

Kultur

Ensemble, Schmäh und Chalamet: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. Februar bis zum 18. Februar

 11.02.2026

Erinnerung

Verantwortung lebt weiter

In Dachau fand kurz vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag erstmals ein »March of the Living« statt

von Esther Martel  09.02.2026

Lerntool

Timothée Chalamet, Batmizwa und eine Davidstern-Kette

»Sich be-kennen«: Der Zentralrat der Juden bietet einen interaktiven Onlinekurs über die Vielfalt des Judentums für Schulen und interessierte Gruppen an

von Helmut Kuhn  09.02.2026

Berlin-Neukölln

Kritik am Kandidaten

Ahmed Abed sorgte jüngst für einen Eklat, als er einen israelischen Gast als »Völkermörder« beschimpfte. Doch bei der Linkspartei steht der Politiker mit palästinensischen Wurzeln hoch im Kurs

von Imanuel Marcus  09.02.2026

Restitution

Uni Frankfurt übergibt erstmals NS-Raubgut an Jüdische Gemeinde

Seit gut fünf Jahren durchforstet die Universitätsbibliothek in Frankfurt ihre Bestände systematisch nach Raubgut aus der NS-Zeit. Das Projekt trägt nun Früchte - und ist noch lange nicht abgeschlossen

 09.02.2026

Berlin

Lesen, Lernen, Spaß

Der Saftblatt-Baum stand im Mittelpunkt der Erzählstunde des Projekts PJ Library

von Naomi Gronenberg  08.02.2026

Wettbewerb

»Kein Reichtum ist größer«

Aus 13 Ländern kamen Jugendliche zum europäischen Finale des Bibelquiz Chidon Hatanach in München

von Esther Martel  08.02.2026

Porträt der Woche

Der Geheimnisträger

Leonid Komissarenko war Rüstungstechniker – und emigrierte, um seine Frau zu retten

von Anja Bochtler  08.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026