Porträt

Engagiert und solidarisch

In der vergangenen Woche war Gleb Lidman in Berlin. Der junge Mann aus Frankfurt am Main hatte dort Termine bei Organisationen, mit denen er über eine Angelegenheit sprach, die ihm am Herzen liegt.

Nicht alle Gespräche verliefen so, wie es sich Lidman erhofft hatte, doch die wichtigste Institution – Amnesty International – sagte ihre Unterstützung zu. Unterwegs in die Hauptstadt war der Jurastudent im Namen von »Behind Bars«. Mit einem Ort des Trinkens und Vergnügens hat »Behind Bars« wahrlich nichts zu tun, sondern bedeutet »Hinter Gittern« und steht für das politische Engagement einer Gruppe von jungen Menschen für mehr Demokratie in Russland.

Protest Anlässlich des achten Jahrestages der Inhaftierung von Michail Chodorkowski, einst Ölunternehmer und reichster Mann Russlands, hat Lidman für Samstag, 29. Oktober, eine Versammlung vor der Russischen Botschaft angemeldet. Demonstriert werden soll dort ab 15 Uhr für »die Achtung der Menschenrechte in Russland und gegen die Inhaftierung von Michail Chodorkowski und Platon Lebedew«. Es gehe nicht allein um das Schicksal zweier Männer hinter Gittern, »sondern um ein Volk, welches seit Jahren politisch entmündigt wird und – bei Wahrnehmung seiner Bürgerrechte – ständig Repressionen fürchten muss«, erklärt Lidman das Motiv für den Protestaufruf.

Er selbst war ein Junge von gerade mal vier Jahren, als seine Eltern mit ihm und den beiden Brüdern Russland den Rücken kehrten und nach Israel auswanderten. Schon nach drei Jahren verließ die Familie auch Israel. »Wegen des fehlenden Sicherheitsgefühls«, wie der Sohn später von der Mutter erfuhr. Eine Beziehung zu Israel baute Lidman erst viel später auf.

Verbindungen Anders hingegen verhält es sich zu Russland, mit dem er sich, obwohl er nicht einmal Kindheitserinnerungen hat, schon immer emotional verbunden fühlte. Dort leben Familienangehörige und Verwandte, dort ist er mindestens einmal im Jahr zu Besuch. Der Emigrant jüdisch-russischer Herkunft, wie sich Lidman beschreibt, möchte nicht stillschweigend hinnehmen, dass in Russland demokratische Werte hemmungslos ignoriert werden.

Sein Gefühl für Recht und Unrecht hat der 25-Jährige auch während seines Jurastudiums schärfen können. Er ist im neunten Semester und plant, im Februar sein erstes Staatsexamen zu machen. »Danach steht das Referendariat an«, sagt er. Offenbar ließ sich der junge Mann bei seiner Berufswahl von Filmen beeinflussen. So jedenfalls vermutet er selbst.

Denn er erinnert sich gut daran, wie sehr er als Heranwachsender angetan war von Anzug tragenden Anwälten in amerikanischen Streifen. Wo er seine berufliche Zukunft sieht? Er schwankt zwischen einer großen Privatkanzlei und einer Menschenrechtsorganisation. Wie er sich auch immer entscheiden werde, privat will er seinem Engagement für ein freies, demokratisches Russland auf jeden Fall treu bleiben.

Interview

»Wir haben den Wiederaufbau im Kopf«

Fünf Minuten mit Charlotte Geva über eine Reise nach Czernowitz und Unterstützung für eine Kinderklinik

von Christine Schmitt  01.09.2026

Mode

»Die Kippa gehört zum Outfit«

Jonathan Hirsch über edle Stoffe zu den Feiertagen, stilistische Entgleisungen und die jüdische Kopfbedeckung als Accessoire

von Mascha Malburg  01.09.2026

Statistik

Wie viele Mitglieder haben die jüdischen Gemeinden in Deutschland?

Zwar altern die Gemeinden hierzulande – und doch kommen neue Mitglieder hinzu, mehr als viele denken

von Chajm Guski  01.09.2026

Mainz

Besucherzentrum an Welterbe-Friedhof öffnet seine Türen

Nach zweijähriger Bauzeit öffnet am Gelände des historischen Mainzer Judenfriedhofs ein Besucherzentrum. Der Friedhof selbst war fünf Jahre zuvor zum Weltkulturerbe ernannt worden

 01.09.2026

Ehrenamt

Zeit für andere

Vereine, Institutionen und auch Gemeinden bauen auf sie: Menschen, die sich freiwillig für jüdisches Leben engagieren. Zwei Projekte werden nun ausgezeichnet

von Katrin Richter  01.09.2026 Aktualisiert

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Berlin

Eine Torarolle für die Zukunft

30 Jahre Chabad Berlin: Die Gemeinde feiert mit einem Straßenfest und einer ganz besonderen Zeremonie

 31.08.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Natur

Damit es grünt

Die Gemeinden machen sich Sorgen über die Folgen des Klimawandels – und suchen gemäß Tikkun Olam nach Auswegen

von Chris Meyer  30.08.2026