Düsseldorf

Endlich wieder live

Konzert: Sharon Brauner und Karsten Troyke Foto: Roland Kaufhold

»Als geborener Düsseldorfer kenne ich hier jeden Stein. Und ich freue mich immer wieder ganz persönlich, wenn ich Sharon Brauner und Karsten Troyke hier in Düsseldorf erleben und begrüßen darf!« Michael Rubinstein, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, traf in seiner Begrüßungsansprache die Atmosphäre des jüdischen »Balagan«-Open-Air-Konzerts im Musikpavillon des Hofgartens.

Atmosphäre Seine erste Begegnung mit Sharon Brauner sei »musikalische Liebe auf den ersten Blick« gewesen. Und man schaffte es, die Corona-Regeln penibel zu beachten und dennoch eine begeisterte Atmosphäre bei den mehreren Hundert Besuchern zu schaffen.

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel freute sich in seiner Begrüßungsansprache sichtlich über das Balagan-Konzert des international renommierten Quartetts um Sharon Brauner und Karsten Troyke: »Endlich mal wieder rauskommen«, gemeinsam musikalisch zu feiern, »verantwortungsvoll Musik zu genießen«, das sei ein wirkliches Erlebnis. Für ihn, betonte Geisel, sei dies einer der Höhepunkte der Hofgartenkonzerte. Und Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, sprach von einem Tel Aviver Sommer, »den wir heute gezaubert haben«.

Sharon Brauner und Karsten Troyke, ergänzt von den souverän aufspielenden Daniel Weltlinger (Violine) und Harry Ermer (Piano), wussten vom ersten Augenblick an, das Publikum mitzureißen. »Wir sollten viel mehr miteinander feiern. Und deshalb spielen wir zuerst ein Lied vom Rabbi«, rief Sharon Brauner dem Publikum zu.

Bühne Für Karsten Troyke, der vor allem mit jiddischen Liedern verbunden wird, war es ein besonderer Tag, nach sechs Monaten coronabedingter Bühnenabstinenz: »Wir spielen natürlich ›Abi gesint‹ (Hauptsache gesund), einen frühen jiddischen Hippie-Song, genauso wie ›Nature Boy/Shveig mein Herts‹ der in der Version von Nat King Cole weltberühmt wurde. Und von Leonard Cohen ›Dance Me To The End Of Love‹ in meiner jiddischen Version«, teilte er der Jüdischen Allgemeinen bereits zwei Tage vor ihrem Balagan-Event mit.

Die Corona-Krise habe sich auch für sie als Musiker verheerend ausgewirkt. »Die medizinische Gefahr nehmen wir wahr«, betonten sie, und doch wollten sie wieder eine eingeschränkte Normalität wagen. »Alles, wirklich alles war abgesagt«, sagte der Sänger der Jüdischen Allgemeinen. »Wir haben aber im Moment keine echten Pläne für die Zukunft.« Dennoch: Ein Lebenskünstler wie Karsten Troyke lässt sich nicht unterkriegen, das spürte auch das Publikum.

Auf das Motto ihres Auftritts – »Balagan«, Durcheinander – kamen Brauner und Troyke mehrfach zu sprechen. »Noch wichtiger als Gesundheit ist Glück!«, rief Sharon Brauner dem Publikum – darunter ein sehr großer Anteil von Düsseldorfer Gemeindemitgliedern – zu.

Plattenschrank »A bissl Glick«, danach sehnten sie sich so sehr und gerade heute. Die erfahrene Musikerin, Schauspielerin und Nichte des Filmmoguls Artur Brauner vermochte immer wieder, in engem musikalischen und gestenreichen Kontakt zu ihren Mitmusikern, das sichtlich begeisterte Publikum zu rühren. »Einige verjiddischte Songs habe ich früher im Plattenschrank meiner Eltern gefunden«, erzählte Brauner.

Auch Karsten Troyke hat sich alte Lieder mit innerer Freude angeeignet und musikalisch kultiviert. Eine Form der jüdischen Identitätsbildung, so nennt er dies.

Am Rande verriet er dann doch noch einen kleinen Hoffnungsschimmer, trotz Corona: »Unser nächster Plan: Singer’s Festival der Shalom Foundation in Warschau, vom 29. bis 31. August.«

Mainz

Besucherzentrum an Welterbe-Friedhof öffnet seine Türen

Nach zweijähriger Bauzeit öffnet am Gelände des historischen Mainzer Judenfriedhofs ein Besucherzentrum. Der Friedhof selbst war fünf Jahre zuvor zum Weltkulturerbe ernannt worden

 01.09.2026

Ehrenamt

Zeit für andere

Vereine, Institutionen und auch Gemeinden bauen auf sie: Menschen, die sich freiwillig für jüdisches Leben engagieren. Zwei Projekte werden nun ausgezeichnet

von Katrin Richter  01.09.2026 Aktualisiert

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Berlin

Eine Torarolle für die Zukunft

30 Jahre Chabad Berlin: Die Gemeinde feiert mit einem Straßenfest und einer ganz besonderen Zeremonie

 31.08.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Natur

Damit es grünt

Die Gemeinden machen sich Sorgen über die Folgen des Klimawandels – und suchen gemäß Tikkun Olam nach Auswegen

von Chris Meyer  30.08.2026

Rundgang

Blick in die Vergangenheit

Die jüdische Geschichte Münchens erlebte viele Umbrüche – und ist kaum jünger als die urkundlich verbürgte Historie der Stadt selbst

von Luis Gruhler  30.08.2026

Porträt der Woche

»Ich brauche absolute Ruhe«

Zvi Dori ist Geigenbauer in Hannover und seit dem 7. Oktober vorsichtiger geworden

von Alicia Rust  30.08.2026

Berlin

Jüdischer Garten ausgezeichnet

Laut Jury »zeugt der Garten neben seiner Niederschwelligkeit und atmosphärischen Dichte, von großer Poesie und Klarheit«

 28.08.2026