Laucha

Eltern haften für ihre Kinder

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, fordert aus dem judenfeindlichen Angriff auf einen aus Israel stammenden Jugendlichen in Laucha Konsequenzen. Am 16. April war der 17-Jährige gegen 18 Uhr am Bahnhof von Laucha verprügelt und als »Judenschwein« beschimpft worden. Der mutmaßliche Täter Alexander P. spielt beim Lauchaer BSC 99 Fußball. In jenem Verein, in dem für kurze Zeit auch der ältere Bruder des Opfers spielte und in dem der ebenfalls 20-jährige Lutz Battke den Nachwuchs trainiert. Battke ist Schornsteinfeger und sitzt als Parteiloser für die NPD im Stadtrat und im Kreistag des Burgenlandkreises. Er hatte in der letzten Zeit auf sich aufmerksam gemacht, weil er vor Gericht erfolgreich gegen den Entzug seiner Kehrerlaubnis durch das Land geklagt hatte.

Verantwortung »Ein Rechter hat als Trainer in einem Verein nichts zu suchen«, sagte der Generalsekretär Kramer der Mitteldeutschen Zeitung. Die Eltern müssten deutlich machen, dass sie so jemanden nicht wollten. In solchen Fällen wie in Laucha seien sie in der Verantwortung.

Nach dem Vorkommnis hatte zunächst der stellvertretende Bürgermeister Michael Bilstein in seiner Funktion als Vorstandsmitglied beim BSC angekündigt, über Konsequenzen für Lutz Battke nachzudenken. Als sich herausstellte, dass Battke nicht der Täter war, hieß es wenige Tage später von BSC-Chef Klaus Wege, was Battke politisch treibe, sei seine Privatsache. Eine rechte Einstellung sei keine Privatsache, entgegnete Generalsekretär Kramer. Vor rechten Delikten dürfe man nicht wegschauen. »Rechte Gewalt beginnt nicht erst, wenn jemand zuschlägt«, sagte Kramer. Der mutmaßliche Täter Alexander P. war bereits zweimal wegen Propagandadelikten aufgefallen, die Verfahren aber eingestellt worden.

Lebensgeschichte Tsipi Lev war der Liebe wegen vor acht Jahren mit ihren beiden Söhnen nach Laucha gekommen. Von ihrem Mann hatte sie sich getrennt und in Laucha einen neuen Lebenspartner gefunden. Sie entwarf Modeschmuck und engagierte sich für den Schüleraustausch des Lauchaer Gymnasiums mit Israel. Die gelernte Choreografin und ihr Freund waren in das Stadtleben integriert. Tsipi Lev ist Tochter eines Schoa-Überlebenden, der als Einziger aus seiner Familie vor der Deportation nach Auschwitz aus dem Warschauer Ghetto fliehen konnte. Ihr Ex-Mann hatte sie deshalb gewarnt, nach Deutschland, in das »Nazi-Land« überzusiedeln.

Das 17-jährige Opfer des rechtsextremistisch motivierten Überfalls ist väterlicherseits Enkel einer der Trainer der israelischen Olympia-Mannschaft von 1972 in München. Er kam bei der gescheiterten Geiselbefreiung ums Leben.

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