Schach

»Einfach ein Traum«

Hat noch viel vor: Leonid Sawlin Foto: Stephan Pramme

Am Mittwoch hat Leonid Sawlin von TuS Makkabi Berlin bei der Jugend-Schach-EM im kroatischen Porec den Europameistertitel in der Altersklasse U16 gewonnen. Ein Remis gegen den gleich starken Franzosen Guillaume Philippe reichte aus, da sein direkter Verfolger, der Zyprer Andreas Kelires, ebenfalls die Punkte teilen musste. Mit einem halben Punkt Abstand und 7,5 aus 9 Punkten holte er die Goldmedaille und wurde somit erster deutscher Europameister seit 1996.

»Wir sind überglücklich«, sagte Isak Lat von TuS Makkabi Berlin der Jüdischen Allgemeinen in einer ersten Reaktion. »Leonid ist ein toller Jugendsportler, aber dass er gleich mit dem Titel nach Hause kommt, ist einfach ein Traum«, schwärmt Lat.

bescheiden Dabei galt der 16-jährige Sawlin keineswegs von Anfang an als Favorit. Er war auf den 14. Platz gesetzt und musste wertungsmäßig gegen wesentlich stärkere Spieler antreten – laut Lat »gegen die ganze Elite Europas«. Nach der siebten Runde habe sich jedoch sein Sieg schon abgezeichnet, dennoch zitterten Sawlins Team-Kollegen mit dem jungen Spieler durch jede Partie.

»Leonid ist ein ganz bescheidener Mensch«, beschreibt Lat den Erstplatzierten. Seinen Sieg habe er mit den Worten kommentiert: »Ich habe gewonnen – trotz der schlechten letzten Runde.«

Der Berliner Schachverband spricht auf seiner Homepage von einer »epochalen Leistung« und einem »unvergesslichen Erfolg«. In einem Post gratulieren Verbandsmitglieder dem Goldmedaillengewinner mit den Worten: »P.S. Und sag Makkabi, dass Sie gleich den FM-Titel (Anm. d. Red.: FIDE, Meister auf Lebenszeit) für dich beantragen können, denn den kriegst du jetzt!«

talent Leonid Sawlin spielt seit seinem sechsten Lebensjahr bei TuS Makkabi. Schach gehört für ihn zum Alltag, seit er denken kann. Mit drei Jahren stellte er seine ersten Schachfiguren auf, mit fünf fing er an zu spielen und mit zehn fachsimpelte er bereits mit seinem Trainer Grigori Gorodezki über Rochade und Deckung des Bauern. Schachbesessen ist die ganze Familie, Vater, Mutter, Großvater.

Der frisch gebackene Europameister hat bisher an zahlreichen deutschen und internationalen Meisterschaften teilgenommen und mehrfach die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Doch der Teenager spielt auch gern Fußball und Klavier. Er ist ehrgeizig, will eines Tages Schachgroßmeister werden, so wie sein Idol Magnus Carlsen aus Norwegen, der Weltranglistenerste des Internationalen Schachverbandes. Mit dem Europameister-Titel ist Leonid Sawlin seinem Traum nun ein ganzes Stück näher gerückt.

Diplomatie

Lebendiges Netzwerk

30.000 Euro für die deutsch-israelische Zusammenarbeit: Botschafter Ron Prosor zeichnet vier wegweisende Initiativen aus

 03.06.2026

Nachruf

Kein Tag ohne Linie

Pavel Feinstein porträtierte Tiere, Freunde und immer wieder sich selbst. Nun ist der Maler überraschend gestorben

von Eugen El  03.06.2026

Archäologie

Forschungsgrabung zu Erfurts jüdischem Erbe beginnt im August

Bei einer archäologischen Grabung in Erfurt suchen Fachleute ab August nach Spuren des mutmaßlichen Tanzhauses der zweiten mittelalterlichen jüdischen Gemeinde. Die Archäologen hoffen auf Hinweise zur Entstehungszeit und zu späteren Umbauten

von Matthias Thüsing  03.06.2026

Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Leipziger Fotoausstellung zu jüdischem Leben

Die Ausstellung »Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann« stellt u.a. die Familie des Fotografen vor

 03.06.2026

Judenhass

Bayerisches Hotel verschickt antisemitische Nachricht an Israeli

»Tut uns leid, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt«: Diese Nachricht erhielten israelische Touristen vom Hotel »Zum Hirschen« in der Ortschaft Lam

von Imanuel Marcus  03.06.2026 Aktualisiert

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026