Nachwuchs

Eine Mitgliedschaft als Hochzeitsgeschenk

Sie engagieren sich für die WIZO – trotz Zeitnot. Foto: Stephan Pramme

Der 90. Geburtstag der WIZO fällt in schwierige Zeiten – die weltweite Wirtschaftskrise ist noch nicht überstanden, entsprechend klagen die Wohltätigkeitsorganisationen über sehr gedämpfte Spendenfreude. Auch ehrenamtliche Mitarbeiter lassen sich schlecht finden, Beruf und Karriere gehen in aller Regel vor.

Tradition Es sei nicht immer einfach, junge Frauen für die Arbeit bei der WIZO zu begeistern, sagt Anna Adirim von der WIZO-Gruppe Düsseldorf. Besonders für die Zuwanderinnen aus der ehemaligen Sowjetunion sei Israel zunächst oft ein nachrangiges Thema, schließlich gelte es erst einmal, in der neuen Heimat Deutschland Fuß zu fassen. Und so automatisch wie die in Deutschland aufgewachsenen Jüdinnen wüchsen sie nicht in die WIZO hinein, es fehle einfach das Erlebnis, schon als Kind mit der Familie die Basare besucht zu haben. Viele realisierten auch nicht, dass es in Israel Armut und Not gibt. »Sie denken, dass in dem schönen Land mit viel Sonnenschein automatisch alles in Ordnung sein müsse«, sagt Anna Adirim und lacht. Um gleich wieder ernst zu werden. »Zeit ist heutzutage ein Luxus.« Die meisten jungen Frauen hätten neben der Familie noch den Beruf. »Das alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach. Aber wir sind ein junger Vorstand, wir haben selbst Kinder und können so auch gut über Kindergarten, Schule und Vereine Kontakte zu anderen jüdischen Frauen knüpfen.«

Warum es auch 20 Jahre nach der Einheit Deutschlands in den ostdeutschen Städten keine WIZO-Gruppe gibt, vermag Adirim nicht zu erklären. Ein möglicher Grund könne aber das Zeitproblem so vieler junger Frauen sein. »Eine WIZO-Gruppe gründet man nicht einfach so nebenbei«, erklärt die selbstständige Schmuckdesignerin. »Allein schon formal muss alles perfekt sein, damit der Vorstand auch erfolgreich arbeiten kann.«

Frauenpower Und so wünscht Adirim der WIZO zum Geburtstag: »mehr Zuwachs, mehr Spenden, mehr Interesse an Israel, das in letzter Zeit so negativ in der Presse dargestellt wurde«. Denn es sei in Krisenzeiten nicht so einfach, dafür zu sorgen, dass Bedüftige Hilfe erhalten. »Aber: Wenn es eine Frau nicht kann, wer sollte es dann können?«

Michal Gelerman würde diesem Satz vermutlich zustimmen, denn auch die Berliner WIZO-Frauen arbeiten in diesen Zeiten mit viel Engagement und originellen Ideen erfolgreich. Um junge Frauen für die WIZO zu begeistern, müsse man sich schon etwas einfallen lassen, sagt die Vorsitzende der Berliner Wohltätigkeitsgruppe. »Jede Frau, die heiratet, bekommt von uns die Mitgliedschaft für ein Jahr geschenkt. In dieser Zeit darf sie uns voll auskosten. Anschließend wird sie natürlich gefragt, ob sie nicht zahlendes Mitglied werden möchte.«

Nebenbei Wichtig seien die privaten Veranstaltungen, die den WIZO-Frauen und manchmal auch ihren Ehepartnern vorbehalten sind. »Wir laden Referenten zu Diskussionen über Israel ein, denn gerade die junge Generation ist oft auf der Suche nach Argumenten, um das Land nach außen unterstützen zu können«, erklärt Gelerman.

Eine Möglichkeit, mit jüdischen Frauen in Kontakt zu kommen, seien die WIZO-Veranstaltungen für Kinder: Modenschauen oder Gesangsvorstellungen wie »WIZO hat die Superstars«. »Im Freundeskreis, aber auch im Kindergarten und in der Schule kann man für solche Events werben, denn natürlich freuen sich Mütter und Väter, wenn ihre Kinder auf einer Bühne stehen,« berichtet Gelerman. Da mache es auch kaum einen Unterschied, wo jemand aufgewachsen ist.

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026

Pforzheim

Die vergessene jüdische Geschichte der Goldstadt

Vom Schwarzwald aus verkauften Juden einst Schmuck in die ganze Welt. Erst langsam wird diese Geschichte aufgearbeitet. Sie ist nicht immer glänzend – und auch noch nicht vorbei

von Mascha Malburg  20.07.2026

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026

Maccabiah

Momente, Medaillen, Menschen

Nach zwei Wochen ist das größte internationale Sportevent in Jerusalem erfolgreich zu Ende gegangen

von Katrin Richter  15.07.2026