Jüdischer Nationalfonds

Ein Fest für Bäume

Zu einer gelungenen Feier gehören drei Dinge: Musik, Reden und gutes Essen. All das gab es am Mittwochabend in Potsdam. In der dortigen Staatskanzlei feierten rund 200 geladene Gäste den 110. Geburtstag des Jüdischen Nationalfonds KKL. Die Organisation, die in Israel Umweltprojekte fördert und für die Aufforstung zuständig ist, hatte Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck als Schirmherrn für die Veranstaltung gewonnen.

»Ich wünsche den Menschen in Israel und Palästina, allen Widrigkeiten und Rückschritten zum Trotz, ein friedliches Zusammenleben«, sagte Platzeck in seinem Grußwort und erzählte, wie er zu KKL gekommen sei: »Einer meiner Großväter war Pfarrer. Er sagte zu mir: Wenn du einmal Jerusalem gesehen hast, entkommst du dem nie wieder.« So sei es auch mit Sarah Singer gewesen, der Vizepräsidentin von KKL Deutschland, scherzte Platzeck: »Wer ihr einmal in die Hände fällt, entkommt ihr nicht so schnell.« Mit einem Augenzwinkern wandte sich der Landeschef an seinen Finanzminister Helmuth Markov: »Pass auf deine Taschen auf!«

Brandenburg-Wald Sarah Singer dankte Platzeck für den sogenannten Brandenburg-Wald im Negev. Zu dessen Einweihung vor drei Jahren habe sie den Ministerpräsidenten nach Israel begleitet, erinnerte sie sich. Der KKL ist mit Deutschland in besonderer Weise über das Projekt »Wald der deutschen Länder« verbunden.

Auch die israelische Botschaft hatte einen Vertreter zur Geburtstagsfeier nach Potsdam geschickt. Der Gesandte Emmanuel Nahshon lobte den Brandenburg-Wald und erzählte aus der Geschichte des KKL. »Einen Baum zu pflanzen, ist ein Statement des Glaubens und der Liebe, ein Statement, dass wir an unsere Zukunft glauben«, sagte Nahshon.

Kishon Die eigentliche Festrede hielt an diesem Abend einer der führenden Umweltschützer der Republik, Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Er erzählte eine Anekdote: Vor Jahren habe er einmal ein paar Tage mit Ephraim Kishon (1924–2005) verbracht. Sehr eindrücklich sei ihm in Erinnerung, wie der israelische Satiriker zu ihm gesagt habe: »Fritz, du musst dich immer für Israel einsetzen. Es ist so klein. Auf manchen Landkarten steht nur ›ISR‹.«

Brickwedde lobte die Arbeit des KKL, vor allem das Anlegen von 200 Wasserreservoiren. »Eine nachhaltige Wasserwirtschaft ist neben der Energiegewinnung das globale Umweltthema«, sagte er. »Wir wollen mit Israel auf diesem Gebiet kooperieren, weil man dort auf hohem Niveau arbeitet.«

Nach den vielen lobenden Worten wurde es in der Potsdamer Staatskanzlei musikalisch. Die Geigerin Kinneret Sieradzki und der Pianist Naaman Wagner spielten Tänze und Lieder von Béla Bartók, Marc Lavri, Felix Mendelssohn Bartholdy und anderen Komponisten. Im schwarzen Mantel und mit Hut setzte sich der Berliner Musiker und Songwriter Mati Gavriel ans Klavier und sang zwei eigene Lieder und eines von Leonard Cohen.

Zum Schluss dann der »Mitmachteil«, wie Sharon Brauner keck sagte. Die Sängerin und Schauspielerin trug aus ihren jüngsten Showprogramms jiddische Lieder vor und forderte das Publikum zum Schnipsen mit den Fingern auf. Mit dem Adon Olam, dem klassischen »Rausschmeißer« in einem traditionellen deutsch-jüdischen Gottesdienst, endete der offizielle Teil des Abends.

Interview

»In eine Synagoge bin ich das erste Mal in Deutschland gegangen«

Ab den 90er-Jahren fingen viele sowjetische Juden in Deutschland noch einmal von vorn an. Sind sie angekommen? Ein Gespräch über Flüchtlingsheime, nicht anerkannte Diplome und die Wiederentdeckung jüdischer Traditionen

von Mascha Malburg  29.01.2026

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026

Urteil

Fristlose Kündigung eines Rabbiners bestätigt

Die Jüdische Gemeinde Berlin hatte im Sommer 2023 einem Rabbiner wegen sexueller Übergriffigkeit fristlos gekündigt. Eine Klage des Mannes dagegen wurde jetzt auch in zweiter Instanz zurückgewiesen

 29.01.2026

Holocaust-Gedenktag

»Mama, wo sind all die Menschen?«

Tova Friedman sprach im Deutschen Bundestag über ihre Deportation nach Auschwitz, das Grauen im KZ und darüber, was das Überleben mit ihr gemacht hat. Wir dokumentieren ihre Rede

von Tova Friedman  28.01.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 5. Februar

 28.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Berlin

Feuer im Jüdischen Krankenhaus: Kein antisemitisches Motiv

In der Nacht kommt es zu einem Feueralarm. Ein Patient steht im Verdacht, einen Brand verursacht zu haben. Viele Details sind weiterhin unklar

 28.01.2026 Aktualisiert

Gedenken

Union Berlin und Hertha BSC gedenken gemeinsam der Holocaust-Opfer

Am internationalen Holocaust-Gedenktag erinnerten die beiden Stadtrivalen Hertha BSC und Union Berlin gemeinsam an die Deportationen, die in der NS-Zeit vom S-Bahnhof Grunewald ausgingen Beide Vereine mahnten zum Vertrauen in die Demokratie

 27.01.2026

Gedenken

Iris Berben erinnert an Schoa-Überlebende Margot Friedländer

Die Schauspielerin engagiert sich im Projekt »Ich bin Zweitzeugin von...«. So soll die Erinnerung an die Überlebenden des Holocaust wach bleiben

von Anita Hirschbeck  27.01.2026