Makkabi

Ehrenpreis für den Freundeskreis

Gelebte Solidarität: Erinnerung an Hersh Goldberg-Polin, der von der Hamas ermordet wurde Foto: Werder Bremen

Bevor der SV Werder Bremen am Freitagabend im Weserstadion auf Eintracht Frankfurt traf, ging es nicht sofort um Tore. Denn im Vorfeld des Bundesligaspiels, das mit einem 3:3 unentschieden endete, wurde zunächst der Makkabäer-Ehrenpreis an den »Freundeskreis Hersh Goldberg-Polin« verliehen.

Dieser Freundeskreis erinnert an Hersh Goldberg-Polin, einen israelisch-amerikanischen Fußballfan und engen Freund der Bremer Fanszene. Hersh wurde am 7. Oktober 2023 beim Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel entführt und nach monatelanger Geiselhaft im Gazastreifen ermordet.

»Sein Schicksal wurde weltweit bekannt und steht exemplarisch für die unbegreifliche Gewalt dieses Krieges – aber auch für die Frage, wie Solidarität, Hoffnung und Zivilcourage praktisch gelebt werden können«, hieß es in einer Presseerklärung von Makkabi Deutschland. Der Freundeskreis von Hersh Goldberg-Polin kannte ihn durch jahrelange gegenseitige Besuche, dank einer engen Freundschaft zweier Fangruppen des SV Werder und Hapoel Jerusalem.

Aus dieser Freundschaft heraus entwickelte sich ein breites, sichtbares Engagement: Der Freundeskreis machte Hershs Geschichte zum Ausgangspunkt für solidarisches Handeln und schuf für viele Fußballfans einen persönlichen Zugang zu den Opfern antisemitischer Gewalt. Damit stehe er beispielhaft für eine Fan­szene, die zeige, dass Leidenschaft für den Fußball und Respekt vor der Würde jedes Menschen zusammengehören, wie es in der Begründung hieß.

»Der Freundeskreis Hersh steht für Solidarität, Menschlichkeit und Verantwortung, die aus der Mitte der Fanszene heraus gelebt werden.«

»Der Makkabäer-Ehrenpreis zeichnet Menschen aus, die Haltung zeigen, gerade dann, wenn es unbequem wird. Der Freundeskreis Hersh steht für Solidarität, Menschlichkeit und Verantwortung, die aus der Mitte der Fanszene heraus gelebt werden. Besonders nach dem 7. Oktober war entscheidend zu sehen, wer für unsere Werte eintritt und danach handelt. Demokratie stirbt nicht durch die laute Minderheit, sondern durch das Schweigen der Mehrheit«, sagte Makkabi-Deutschland-Präsident Alon Meyer.

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald betonte die besondere Verantwortung des Sports in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten: »Antisemitische Vorfälle nehmen in Deutschland deutlich zu und prägen für viele Jüdinnen und Juden den Alltag mit wachsender Unsicherheit. Umso wichtiger ist es uns, klar zu benennen: Jüdisches Leben ist Teil unserer Gesellschaft – und gehört selbstverständlich auch zum Sport.«

Das Engagement des Freundeskreises Hersh, getragen aus der Mitte der Fanszene, habe das klare Eintreten des SV Werder Bremen für Respekt, Sicherheit und ein konsequentes Auftreten gegen Antisemitismus weiter verstärkt und dazu beigetragen, »dass wir dieses gemeinsam noch sichtbarer und entschlossener leben«.

Solidarität

Das Leben wieder in den Griff bekommen

Angehörige der bei einem Raketenangriff in Majdal Shams getöteten Kinder besuchten die Kultusgemeinde München und Oberbayern

von Luis Gruhler  06.10.2026

Diskussion

»Wir wurden gehört«

Schüler und Studenten des Projekts »Meet a Jew« treffen CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei. Im Mittelpunkt stehen der 7. Oktober, persönliche Sorgen und Erfahrungen

von Christine Schmitt  06.10.2026

Porträt der Woche

»Ich bin einfach ich«

Persia Kantorovych hat eine jüdische Mutter und einen muslimischen Vater

von Annette Kanis  06.10.2026

Lesen

Die geblieben sind

Hanna Veiler beschreibt in »Jung, jüdisch, wütend« die Erfahrungen junger Jüdinnen und Juden mit Einsamkeit, Enttäuschung und Solidarität nach dem 7. Oktober. Ein Auszug

von Hanna Veiler  06.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Wuppertal

Am helllichten Tag

Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge geht das Gemeindeleben in der nordrhein-westfälischen Stadt weiter. Aber was bedeutet diese Normalität?

von Helmut Kuhn  01.10.2026

Rostock

Zunehmend sprachlos

Die Gemeinde hatte Schlimmeres befürchtet, doch Sorgen bleiben auch nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern

 01.10.2026

Wiedervereinigung

Zeit der Blüte

Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Für jüdische Gemeinden in Ost und West war dies ein neuer Anfang, für manche auch die Rettung. Drei Gemeindemitglieder erzählen, wie sie diese Zeit erlebten

von Christine Schmitt  01.10.2026