Festlich

Dreidel und Öllämpchen

Unsere Kinder sind wie kleine Lichter unserer Gemeinde. Tagtäglich erfüllen sie ihr Zuhause und die Räume des Kindergartens mit Licht. Jedes Kind ist ein besonderes Licht und alle zusammen sind sie das Licht unserer Gemeinde – sie sind unsere Zukunft.» Diese Worte der Leiterin des Alexander-Moksel-Kindergartens der IKG zu Beginn von Chanukka sollten am Ende des achttägigen Lichterfestes eine Bestätigung erhalten haben, die weit über den Kindergarten selbst hinaus ging.

Im Gemeindehaus und an vielen anderen Orten in München wurde gefeiert – in kleinem Kreis und in aller Öffentlichkeit. Das große Engagement, das die Kinder und Jugendlichen zeigten, erwies sich als Band, das alle Gemeindemitglieder zusammenhielt. Kindergarten und Schule feierten im Hubert-Burda-Saal des Gemeindezentrums. An beiden Tagen war der Saal bis auf den allerletzten Platz gefüllt, denn Familien und Freunde wollten sich die Auftritte der Kinder nicht entgehen lassen. Bei den Jüngsten zündete Rabbiner Israel Diskin die ersten beiden Kerzen. Bei der Schulfeier mit Rabbiner Steven E. Langnas waren es dann schon sieben Kerzen. Auch Mitglieder des Gemeindevorstandes waren vertreten, unter anderen von der Erziehungskommission die für den Kindergartenbereich zuständige Talia Presser und für den Schulbereich Michael Fischbaum.

Andenken Präsidentin Charlotte Knobloch begrüßte bei der Feier des Kindergartens auch Silvia Adani, die Tochter des kürzlich verstorbenen Alexander Moksel, nach dem diese Einrichtung benannt ist. Sie erinnerte an das erste Chanukkafest im neuen Gemeindezentrum, zu dem der große Sponsor selbst gekommen war: «Wir verdanken ihm und Ihrer ganzen Familie so viel und ich darf Ihnen versichern, dass wir Ihrem Vater, diesem außergewöhnlichen und großherzigen Menschen stets ein ehrendes Andenken bewahren werden.»

«Seit über 2000 Jahren feiern wir Juden in aller Welt den Sieg der Makkabäer über die syrisch-hellenistische Herrschaft, die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem im Jahre 164 vor der Zeitrechnung, und das Wunder, das damals geschah.» Diese Einführung von Schulleiterin Antonia Ungar hätte über allen Programmen stehen können, die in immer wieder neuer Form umgesetzt wurden. Es wurde getanzt und gesungen, Spiele wurden aufgeführt. Die Schulkinder hatten im Foyer eine Ausstellung mit verschiedenen Zeichnungen und kleinen Gemälden aufgebaut. Was sie sonst noch in der Sinai-Schule gelernt hatten, erfuhren die Besucher durch die Sprachvielfalt der Lieder.

Sufganiot Öllämpchen und Dreidel gehörten zum selbstverständlichen Repertoire. Die Kindergartenkinder boten noch eine zusätzliche Überraschung: Sie stellten nicht nur musikalisch die Chanukka-Spezialitäten Sufganiot und Lattkes vor, sondern zeigten, wie sie gebacken werden. Charlotte Knobloch hatte bei ihrer Würdigung von Alexander Moksel auch auf dessen Engagement für Israel hingewiesen: «Bis zuletzt war er der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und dem Staate Israel aktiv, solidarisch und sehr großherzig verbunden.» Ihr Wunsch, dass seine Haltung Vorbild sein möge, sollte sich bei einer anderen Chanukka-Feier in der Umsetzung zeigen.

Das Jugendszentrum Neshama hatte neben «Chanukka on Ice» auch noch einen internen Nachmittag veranstaltet. Dabei dachten sie an Gilad Schalit und schlossen sich der von Frankfurt aus gestarteten Briefaktion an, die über das Rote Kreuz Grußkarten an den in Gaza gefangen gehaltenen israelischen Soldaten senden will. «Wir beten für ein weiteres Wunder», stand auf den Karten. Auch an die Münchner dachten die Kinder und Jugendlichen. Ein musikalischer Besuch im Saul-Eisenberg-Seniorenheim gehört schon lange zur Tradition. Die Bewohner konnten sich zudem über eine Chanukkafeier mit Rabbiner Steven Langnas und Vera Szackamer vom IKG-Vorstand freuen.

Beide hatten ein offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen der alten Menschen. Gefeiert wurde auch bei den einzelnen Organistionen. Bei B’nai-B’rith illustrierte Rabbiner Langnas bei der fünften Kerze, wie die Lichter von Chanukka auch Sichtweise und Einstellung der Menschen von heute beeinflussen können. Ganz traditionell und gemeinsam mit der Münchner Bevölkerung wurden in diesem Jahr wieder die Kerzen der großen Chanukkia auf dem Jakobsplatz vor der Synagoge Ohel Jakob entzündet.

Rabbiner Diskin und Oberbürgermeister Christian Ude fuhren zusammen mit einem Kind in einem Feuerwehrkorb zu den Blütenfassungen von Europas größter Chanukkia empor und brachten München zum Leuchten.

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