Fotografie

Drei Perspektiven

Blick in die Ausstellung Foto: David von Becker

Es fällt schwer hinzusehen, so schockierend sind die Aufnahmen. Hunderte Leichen, ausgehobene Gräber, unvorstellbare Schrecken. Die Bilder, die derzeit in der Ausstellung Flashes of Memory. Fotografie im Holocaust im Museum für Fotografie gezeigt werden, sind fast nicht zu ertragen. Es sind die schrecklichsten Bilder aller Zeiten. Und die wichtigsten.

Die Ausstellung der internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ist eine Kooperation mit der Kunstbibliothek und dem Freundeskreis Yad Vashem e.V. – und jetzt, fünf Jahre, nachdem sie in Yad Va­shem eröffnet wurde, erstmals in Deutschland zu sehen.

nazi-terror Die Ausstellung zeigt Bildmaterial des Nazi-Terrors, das aus drei verschiedenen Perspektiven aufgenommen wurde. Lange bevor die Befreier endlich kamen, riskierten Juden und andere Verfolgte ihr Leben, indem sie die Misshandlung und das Morden heimlich aufnahmen. Sie wollten die Taten der Nazis für die Nachwelt dokumentieren.

»Da ich offiziell über eine Kamera verfügte, konnte ich die gesamte tragische Zeit im Ghetto Lodz festhalten«, sagte beispielsweise Henryk Ross im Jahr 1987. »Mir war bewusst, dass meine Familie und ich gefoltert und getötet würden, wenn sie mich dabei erwischten.« Ross überlebte den Holocaust. Er starb 1991 in Israel.

Auch Aufnahmen der Nazis sind Teil von Flashes of Memory. Ihnen ging es nicht darum, den Massenmord an Millionen Menschen zu belegen, sondern eher um ein Kaschieren ihrer Verbrechen. Eine heile Welt wollten sie der Welt vorgaukeln, während sie Juden und Angehörige anderer Minderheiten verfolgten, deportierten, einsperrten, ausbeuteten, quälten und ermordeten.

Die dritte Perspektive ist die der Alliierten. Das Ergebnis des Hasses und des Terrors bekamen sie vor die Kamera.

eröffnung Am vergangenen Donnerstag wurde die Ausstellung eröffnet. Flashes of Memory gibt den Betrachtern laut Iris Rosenberg, der Direktorin für Internationale Beziehungen und Kommunikation bei Yad Vashem, einen wichtigen Einblick. In einer manchmal verwirrenden Welt, in der Fakten zu oft verdreht würden, sei dieser weiterhin relevant, sagte sie in Berlin.

»Dies ist eine Ausstellung, die das erste Mal Yad Vashem verlassen hat«, erklärte Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, »und die dann in die Hauptstadt des Landes der Täter ging. Es ist wichtig, dass sie hier gezeigt wird.«

»Wir sind hier im Land der Täter«, sagte Kai Diekmann, der Vorsitzende des Freundeskreises Yad Vashem. Die Aufgabe, die die Jerusalemer Gedenkstätte seiner Organisation stelle, liege darin, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten, was mit der Ausstellung gelingt.

dokumentation Vivian Uria, die Kuratorin der Ausstellung, erklärte, es gehe um die historische Dokumentation der Verbrechen. Das kollektive Gedächtnis sei durch Bilder stark geprägt. In Israel hätten gerade jüngere Menschen die Ausstellung besucht.

Die Leichen geschundener und verhungerter Häftlinge im KZ Dachau, die in Massengräber gelegt wurden, filmte Harold Hersey, ein Fotograf des zur amerikanischen Armee gehörenden US Signal Corps, während der Befreiung. »So etwas haben wir noch nie gesehen, auch nicht im Krieg«, sagt Hersey in einem Doku-Film, der Teil der Ausstellung ist. »Ich hoffe, dass alle Bilder, egal wie schrecklich und grausam, in allen Kinos der Vereinigten Staaten gezeigt werden.« Nicht nur amerikanische Kinogänger, sondern auch Richter in Kriegsverbrecherprozessen bekamen die Bilder und Filme später zu sehen, ebenso wie deutsche Bürger, die erfahren sollten, was in und von ihrer Nation angerichtet wurde.

Bis zum 20. August bleibt Flashes of Memory in Berlin. Die Ausstellung soll mit ihrem Standort im Museum für Fotografie ein neues Publikum an das Thema Erinnerung heranführen, und zwar eines, das diesen Inhalt eventuell nicht erwartet und sich bislang eher nicht gezielt mit der Schoa beschäftigt hat.

Mode

»Die Kippa gehört zum Outfit«

Jonathan Hirsch über edle Stoffe zu den Feiertagen, stilistische Entgleisungen und die jüdische Kopfbedeckung als Accessoire

von Mascha Malburg  10.09.2026

Pro & Contra

Sollen jüdische Kinder nur noch auf jüdische Schulen?

Zwei Meinungen zur Debatte

von Noga Hartmann, Marina Chernivsky  10.09.2026

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  10.09.2026

Rosch Haschana

Mehr Zeit, mehr Frieden, mehr Miteinander

Was wünschen sich Jüdinnen und Juden fürs neue Jahr? Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  10.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 10. September bis zum 17. September

 09.09.2026

München

»Es geht um ein Wir«

Maccabi-Präsident Patrick Guttmann über die Rolle des Sportvereins für die jüdische Gemeinschaft, Herausforderungen und Zukunftspläne

von Luis Gruhler  09.09.2026

Berlin

Zurück in die Zukunft

Die Geschichte der Stadt ist geprägt von vielen gescheiterten Visionen. Nun wird die Fahrt mit der Ringbahn zur Bühne für einst angedachte Projekte

von Alicia Rust  09.09.2026

Rosch Haschana

Fragen über Fragen

Zwischen Vorbereitungen, Schofar und Honigkuchen bleiben Rabbiner immer erreichbar. Für alle, die Rat vor den Hohen Feiertagen suchen

von Christine Schmitt  09.09.2026