Potsdam

Drei Gemeinden und keine Synagoge

Seit Jahren klafft in der Nähe des neuen Schlosses die Baulücke für die Synagoge. Foto: dpa

Im Streit um den Bau einer Synagoge in Potsdam zeichnet sich auch im fünften Jahr nach der internationalen Ausschreibung kein erkennbarer Fortschritt ab. Ein Baubeginn für das seit Langem geplante jüdische Gotteshaus erscheint nun auch für 2014 fraglich, obwohl es noch zu Beginn des Jahres durchaus Anzeichen für eine Lösung gab.

Zwei Gemeinden stehen hinter dem 2009 preisgekrönten Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland, der eine moderne Synagoge mit integriertem Gemeindezentrum vorsieht. Haberland hatte im Auftrag der Landesregierung immer wieder partielle Überarbeitungen vorgenommen und war damit Änderungswünschen der Synagogengemeinde Potsdam – 2010 um den israelischen Dirigenten Ud Joffe neu gegründet – entgegengekommen.

Die Brandenburger Landesregierung hat ihrerseits über Jahre hinweg professionelle Mediationsrunden angesetzt – in der Hoffnung, es lasse sich für alle Potsdamer Gemeinden Übereinstimmung erzielen.

Entscheidung Doch mittlerweile wächst die Unzufriedenheit auch im Stadtparlament. In einer gemeinsamen Willensbekundung von SPD, CDU, Linke, Grünen und der Fraktion »Die Andere« vom 2. April wird eine zeitnahe Entscheidung zum Neubau an der Schlossstraße gefordert. »Der seit Jahren andauernde Baustopp muss beendet werden«, fordern die Parlamentarier. Wohl zu Recht, denn die Potsdamer Synagoge ist auf einem Grundstück konzipiert, das gegenüber dem neu erbauten und vor wenigen Wochen feierlich eröffneten Stadtschloss liegt. Doch hier gähnt weiterhin Brachland.

Ende 2013 hatte Kulturstaatssekretär Martin Gorholt in einem Interview mit der »Märkischen Allgemeinen« erklärt, er könne sich eine Lösung vorstellen, nach der auch die Einigung von zwei der drei jüdischen Gemeinden für den Baubeginn genüge. Anfang dieses Jahres überarbeitete Architekt Haberland nochmals seinen Entwurf, wobei erneut Kritikpunkte und Wünsche sämtlicher Konfliktparteien aufgenommen wurden.

Generelles Aus Sowohl die Jüdische Gemeinde als auch die Gesetzestreue Gemeinde sehen nun keine plausiblen Gründe mehr, mit dem Baubeginn zu warten. Mikhail Tkach, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Potsdam, sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Wir sind uns seit Wochen über die neue Haberland-Variante einig. Der Architekt hat seinen Job großartig gemacht, aber auch sein jüngster Entwurf wurde von der Synagogengemeinde abgelehnt. Ich befürchte, dass eine weitere Verzögerung das generelle Aus für ein jüdisches Gotteshaus in dieser Stadt bedeuten kann.«

Skeptisch äußerte sich auch der Vorsitzende des Bauvereins Neue Synagoge Potsdam, Peter Schüler. »Für mich ist der Eindruck entstanden, dass die Synagogengemeinde eine grundsätzlich andere Vorstellung von den wichtigen Nutzungen der Synagoge und dem dazugehörigen Gemeindezentrum hat, als die beiden anderen Gemeinden. Und während diese auf einen baldigen Realisierungstermin hoffen, stellt die Synagogengemeinde nach wie vor die gesamte bisherige Planung zur Disposition.«

»Ich kenne diesen Entwurf nicht«, entgegnet Ud Joffe, der Vorsitzende der Synagogengemeinde. Ein Synagogenbau müsse »seriös zu Ende geklärt werden«, dabei sei zu berücksichtigen, was für wen gebaut würde. Wenn das Land nicht im Auftrag des Landesverbandes baue, sondern gemeinsam mit den Ortsgemeinden, müsse es »auch deren religiöse Auffassung respektieren«, daher sei für ihn eine Zwei-Drittel-Zustimmung für den Bau »verfassungswidrig« und »unmoralisch«, erklärte Joffe.

Zwei-Drittel-Konsens Die Landesregierung hat ihrerseits noch nicht erkennen lassen, ob sie auf der Basis eines »Zwei-Drittel-Konsens« tatsächlich grünes Licht für den Baubeginn geben wird. Beim Potsdamer Synagogenbau habe es sich »von Anfang an um ein größeres Verhandlungsprojekt« gehandelt, sagt Kulturstaatssekretär Gorholt. Zu berücksichtigen sei auch die Meinung von »Mitteschön«, einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die sich um die Gestaltung der Innenstadt kümmert.

Klar sei dem Miniserium allerdings auch, so Gorholt, »dass man irgendwann mal entscheiden« müsse. »Ich habe das auch nicht ausgeschlossen, dass man dann nur mit zwei jüdischen Gemeinden baut und eine dritte sich dann überlegen kann: macht sie mit oder macht sie nicht mit.«

Alan Meltzer

»Die Demokratie ist robust«

Am 4. Juli werden die USA 250 Jahre alt. Ein Gespräch mit dem Chargé d’Affaires der amerikanischen Botschaft in Berlin, über Freiheit, Kritik und Hoffnung

von Katrin Richter  03.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026