Erinnerung

Die Opfer niemals vergessen

Munira Subašić (6.v.l.) und Ellen Presser (4.v.l.) mit der Besuchergruppe vor der Synagoge Foto: Kristina Reiss

Durch einen Kontakt zwischen Vladmir Andrle, Präsident von »La Benevolencija« in Sarajevo (Bosnien und Herzegowina) und dem Geschäftsführer der Israelitischen Kultusgemeinde, Steven Guttmann, war vergangene Woche eine besondere Delegation im Jüdischen Gemeindezentrum zu Besuch.

14 Mitglieder des »Committee for Dialogue of SMC – Srebrenica Memorial Center« unter Führung von Almir Salihovic und Zlatan Hajlovac, der das Projekt »Wahrheit – Dialog – Zukunft« betreut, besuchten die KZ-Gedenkstätte Dachau und kamen anschließend zu einem Informationsaustausch an den Jakobsplatz.

dachau Ellen Presser empfing die Besucher, zu denen Mitglieder des Komitees der Mütter von Srebrenica, Historiker, Journalisten und Aktivisten gehörten, in der Synagoge »Ohel Jakob«. Die Gäste, noch tief bewegt von den Eindrücken ihrer Exkursion nach Dachau, fühlten sich zusehends wohl.

Denn so modern diese Synagoge auch ist und sich damit von einer Moschee unterscheidet, so wirkte doch etliches auch sehr vertraut: die separaten Bereiche für Männer und Frauen und das Lesen der Gebetssprache, hier Hebräisch, dort Arabisch, von rechts nach links. Als besonders eindrucksvoll wurden die beiden siebenarmigen Leuchter empfunden, die lediglich sechs Lichter erlauben und damit mit der Gesamtzahl der jüdischen Opfer, die im Gang der Erinnerung an zentraler Stelle eingemeißelt ist, korrespondieren: sechs Millionen.

Ellen Presser empfing die Besucher, zu denen Mitglieder des Komitees der Mütter von Srebrenica, Historiker, Journalisten und Aktivisten gehörten, in der Synagoge »Ohel Jakob«.

Die Referentin, deren Eltern sich als Schoa-Überlebende zeitlebens fragten, was Deutsche in ihrem Alter oder darüber zwischen 1933 und 1945 getan hatten, eröffnete den Austausch mit der Frage, wie es heute um das Zusammenleben der Ethnien stehe. Hintergrund ist der Genozid von Srebrenica, dem im Juli 1995 binnen weniger Tage mehr als 8000 Bosniaken, beinahe ausschließlich Männer und Jungen zwischen 13 und 78 Jahren, zum Opfer fielen – ermordet von bosnischen Serben. Dieser Völkermord wurde eingestuft als schwerstes Kriegsverbrechen in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

»gang der erinnerung« Zu Wort meldete sich Munira Subašić, Vorsitzende der Vereinigung der Mütter der Bezirke Srebrenica und Žepa. Die weißhaarige Dame, die auf ihren Stock gestützt die Stufen vom unterirdischen »Gang der Erinnerung« zur Synagoge erklomm, trägt noch viel schwerer an ihren Erinnerungen. Sie hat allein 25 Angehörige verloren. Man lebe weiter – neben den Nachbarn, die einen einst verrieten, sagte sie. Ihr sei wichtig, dass die Opfer unvergessen und die Wahrheit, was bosnischen Muslimen angetan wurde, nicht geleugnet wird, betonte Subašić. Die anderen Teilnehmer nickten zustimmend.

Für das, was die einen verloren und die anderen erforschen, gibt es keine Worte. Doch tätige Unterstützung hilft – wie der Verein La Benevolencija, der seine Ursprünge im späten 19. Jahrhundert hat und von der jüdischen Gemeinschaft Bosniens im Jahr 1991 wiederbelebt wurde. Er leistete in diesem Fall einen erheblichen Beitrag zur Versorgung und Evakuierung Bedürftiger, unabhängig von ihrer Konfession oder ethnischen Zugehörigkeit.

Der Besuch fand schließlich einen entspannten Ausklang im Restaurant »Einstein«. Dabei begrüßte IKG-Geschäftsführer Steven Guttmann die Delegation persönlich – er wollte sich davon überzeugen, dass alle diesen hochemotionalen Besuch in Bayern gut aufgenommen hatten.

9. Oktober 2019

Gedenken zum Jahrestag des Anschlags von Halle

Der antisemitische Anschlag von Halle jährt sich am Freitag zum siebenten Mal. Die jüdische Gemeinde, Kirchen, Stadt und zivilgesellschaftliche Gruppen planen Gedenkveranstaltungen auch an den Anschlagsorten

 08.10.2026

Frankfurt

Erst Rivalinnen, dann Freundinnen

Israelische Nachwuchsfußballerinnen aus sieben Jugenddörfern spielen gegen Makkabi

von Katja Sturm  08.10.2026

Münster

Rote Linien für die Roten

Bei einer Veranstaltung mit der Schoa-Überlebenden Eva Szepesi und Zentralratspräsident Josef Schuster verspricht Gregor Gysi, innerhalb der Linken klare Grenzen gegen Antisemitismus zu ziehen

von Stefan Laurin  08.10.2026

Tagung

Krisen der Gegenwart

Auf dem »Media TLV Summit« diskutierten Experten Fragen von Technologie und Krieg, Extremismus und Antisemitismus sowie die Rolle der Medien

von Luis Gruhler  07.10.2026

Programm

Musikalische Crossovers, Kontroverse, Krimi und Krav Maga: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 8. Oktober bis zum 14. Oktober

 07.10.2026

Solidarität

Das Leben wieder in den Griff bekommen

Angehörige der bei einem Raketenangriff in Majdal Shams getöteten Kinder besuchten die Kultusgemeinde München und Oberbayern

von Luis Gruhler  06.10.2026

Diskussion

»Wir wurden gehört«

Schüler und Studenten des Projekts »Meet a Jew« treffen CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei. Im Mittelpunkt stehen der 7. Oktober, persönliche Sorgen und Erfahrungen

von Christine Schmitt  06.10.2026

Porträt der Woche

»Ich bin einfach ich«

Persia Kantorovych hat eine jüdische Mutter und einen muslimischen Vater

von Annette Kanis  06.10.2026

Lesen

Die geblieben sind

Hanna Veiler beschreibt in »Jung, jüdisch, wütend« die Erfahrungen junger Jüdinnen und Juden mit Einsamkeit, Enttäuschung und Solidarität nach dem 7. Oktober. Ein Auszug

von Hanna Veiler  06.10.2026