Magbit

Den Zusammenhalt stärken

Der Veranstaltungssaal des Amano Grand Central Hotels in Berlin-Mitte war in blau-weißem Licht beleuchtet, israelische Fähnchen schmückten die Tische, und das Rap-Duo »Café Shahor Hazak« aus Netanja lieferte den passenden Beat. Am vergangenen Donnerstag hatte der Keren Hayesod zum »Magbit Summer Event« geladen. Rund 100 Freunde Israels waren der Einladung der israelischen Spendenorganisation gefolgt. Unter den Gästen waren der Publizist Henryk M. Broder und der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman.

Wegen des kühlen Berliner Sommerwetters wurde das schicke Dinner mit israelischen Häppchen und koscherem Wein diesmal ins Innere des Hotels verlegt – im vergangenen Jahr hatte es auf der Dachterrasse stattgefunden. Der guten Stimmung tat dies freilich keinen Abbruch. Die Gäste plauderten angeregt miteinander, viele kannten sich. Politisch ernster wurde es, als die Redner ans Pult traten.

Nach einleitenden Begrüßungsworten widmete sich Nathan Gelbart, ehemaliger Vorsitzender von Keren Hayesod Deutschland, dem derzeitigen Zustand der deutsch-israelischen Beziehungen.

beziehungen »Etwas ist faul im Staate Dänemark – das würde William Shakespeare wohl sagen, wenn er sich heute die deutsch-israelischen Beziehungen anschauen würde«, meinte Gelbart. Denn »wenn ein deutscher Außenminister einen israelischen Ministerpräsidenten bei einem offiziellen Besuch durch ein Treffen mit suspekten Nichtregierungsorganisationen« derart verärgere, dass der Israeli seinen deutschen Gast nicht mehr empfangen wolle, dann liegt laut Gelbart »so einiges im Argen«.

»Die deutsch-israelischen Beziehungen sind für beide Länder von großer Bedeutung. Wir als Keren Hayesod sind stolz darauf, dass wir in der Vergangenheit zu dem guten Verhältnis beigetragen haben und dies auch in Zukunft weiter tun werden«, sagte Gelbart.

Auch andere Redner thematisierten den Besuch von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel im April in Israel, bei dem es zu einem handfesten Eklat gekommen war, weil der deutsche Außenminister auf ein Treffen mit Vertretern der regierungskritischen Organisation »Breaking The Silence« bestanden hatte – woraufhin Premier Benjamin Netanjahu ein geplantes Treffen absagte.

doppelpass »Die Bundesrepublik ist in Sachen Außenpolitik immer äußerst diplomatisch und zurückhaltend – nur nicht, wenn es um Israel geht«, kritisierte der Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Da trete man gerne in jedes Fettnäpfchen. »Angeblich wohlmeinende Kritiker hat Israel genug. Wir als Freunde Israels in Deutschland dürfen es nicht zulassen, dass der jüdische Staat ständig delegitimiert wird«, forderte der Grünen-Politiker.

Volker Beck betonte seinen Wunsch, die Bundesrepublik möge die besonderen Beziehungen zu Israel auch praktisch umsetzen. So könne man zum Beispiel über die Einführung einer deutsch-israelischen Doppelstaatsbürgerschaft nachdenken. Für diesen Vorschlag gab es großen Applaus aus dem Publikum.

Mit Tewodros Girma Abebe, dem Botschaftsrat der Botschaft von Äthiopien, und Silvan Shalom, dem ehemaligen Außenminister und Vize-Premierminister Israels, waren gleich zwei Ehrengäste zum diesjährigen Magbit-Abend eingeladen worden.

partner Girma Abebe erinnerte an die enge Partnerschaft, die sein Land und Israel seit langer Zeit verbindet. »Äthiopien und Israel haben eine lange Geschichte der Zusammenarbeit.« Die Integration äthiopischstämmiger Juden in die israelische Gesellschaft ab Mitte der 80er-Jahre sei sicherlich keine leichte Aufgabe gewesen. »Heute tragen äthiopischstämmige Juden ganz selbstverständlich zum ökonomischen und kulturellen Reichtum Israels bei. Darauf sind wir in Äthiopien sehr stolz«, sagte Girma Abebe.

Silvan Shalom betonte die anhaltende Wichtigkeit jüdischer Immigration nach Israel. »Nur wenn der Staat Israel stark ist, ist das Judentum in der Welt stark«, mahnte Shalom. Für diese Stärke sei eine gute und partnerschaftliche Beziehung zu den Gemeinden in der Diaspora essenziell. »Alle Freunde Israels in der Welt müssen sich in dieser kritischen Zeit für die Sicherheit des jüdischen Staates einsetzen«, betonte Shalom.

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Porträt der Woche

Ein Erfolgsrezept

Esther Tscherniak leitet zwei Apotheken, ist Influencerin – und entschleunigt bewusst

von Lorenz Hartwig  07.06.2026

Maccabiah 2026

Deutsche Delegation steht fest

Das größte jüdische Sportevent findet vom 1. bis zum 14. Juli statt

 05.06.2026

POWER LIST – Germany’s Top 50

Hape Kerkeling bekommt Sonderpreis für Zivilcourage

Auch die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler, Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sowie JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel wurden ausgezeichnet

von Imanuel Marcus  04.06.2026

Bildung

Zwei Orte, ein Anliegen

Yad Vashem wird eine Dependance in München und eine Außenstelle in Leipzig eröffnen. Die Freude über diesen wichtigen Beitrag zur Erinnerungs- und Gedenkkultur ist groß

von Katrin Richter  04.06.2026

Diplomatie

Lebendiges Netzwerk

30.000 Euro für die deutsch-israelische Zusammenarbeit: Botschafter Ron Prosor zeichnet vier wegweisende Initiativen aus

 03.06.2026

Nachruf

Kein Tag ohne Linie

Pavel Feinstein porträtierte Tiere, Freunde und immer wieder sich selbst. Nun ist der Maler überraschend gestorben

von Eugen El  03.06.2026

Archäologie

Forschungsgrabung zu Erfurts jüdischem Erbe beginnt im August

Bei einer archäologischen Grabung in Erfurt suchen Fachleute ab August nach Spuren des mutmaßlichen Tanzhauses der zweiten mittelalterlichen jüdischen Gemeinde. Die Archäologen hoffen auf Hinweise zur Entstehungszeit und zu späteren Umbauten

von Matthias Thüsing  03.06.2026

Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Leipziger Fotoausstellung zu jüdischem Leben

Die Ausstellung »Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann« stellt u.a. die Familie des Fotografen vor

 03.06.2026