Ratsversammlung

»Das Wir-Gefühl gestärkt«

Ich bin so zuversichtlich wie niemals zuvor», betonte Dieter Graumann bei seinem Rechenschaftsbericht zum vergangenen Jahr. Diesen Optimismus haben ihm nicht zuletzt die Erlebnisse und Erfahrungen der letzten drei Tage des in Berlin verbrachten Gemeindetages vermittelt, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden vor den Teilnehmern der Ratsversammlung in der Bundeshauptstadt.

Trotz aller Rückschläge, die in den politischen Auseinandersetzungen zu suchen waren – ob nun die judenfeindlichen Klischees in der Berichterstattung Jakob Augsteins, «Stürmer-reife» Karikaturen in der «Süddeutschen Zeitung» oder antisemitische und fremdenfeindliche Übergriffe im Sommer in Hellersdorf –, habe sich die jüdische Gemeinschaft in diesem Jahr als besonders fest und vielfältig gezeigt.

«Wir sind stark und wir müssen stark sein», so der Präsident. Stark auch in der Stimme, Israel gegen alle Angriffe zu verteidigen. In diesem Punkt wandte sich Graumann vor allem gegen Brüssel und die EU-Richtlinien gegen den jüdischen Staat. «So wird kein anderes Land behandelt, nur Israel», beschwerte sich Graumann. Er nannte den Iran einen «Exportweltmeister in Sachen Tod und Terrorismus» und warnte eindringlich vor dessen neu gewählter Regierung.

Bildungsabteilung In seiner Bilanz verwies Graumann auf viele Erfolge in der Arbeit des Zentralrats, wie die Einrichtung der Bildungsabteilung, die in den kommenden Jahren in einer Bildungsakademie aufgehen soll. Die «Sternstunde Jewrovision» mit 1000 Gästen und 800 jugendlichen Teilnehmern aus ganz Deutschland in München, der Runde Tisch von jüdischen Nichtregierungsorganisationen, der sich in der bayerischen Hauptstadt getroffen hatte. Graumann nannte die neuen Medien und die Größenordnung von 2600 Fans, die der Zentralrat über Facebook erreicht. Seit zwei Monaten ist das Online-Portal «Zentrakol» installiert, bei dem sich Gemeinden und Landesverbände einloggen und Termine koordinieren können. Jüdische Künstler haben hier die Möglichkeit, ihre Auftritte zu organisieren.

Bei all diesen Erfolgen gäbe es aber auch noch viele Aufgaben für die Zukunft. Graumann nannte hier vor allem das NPD-Verbotsverfahren, von dem er sich erhoffe, dass die neue Bundesregierung es noch in diesem Jahr auf den Weg bringen möge, aber auch die drohende Altersarmut unter der jüdischen Bevölkerung sowie die Rentendebatte. «Wir müssen das politische Verständnis wecken», rief er auf. Ähnliches gelte für die Auszahlung von Ghettorenten, die längst im Bundestag beschlossen sei, deren Umsetzung jedoch an der Bürokratie scheitere. «Während deutsche Beamte prüfen, sterben uns die Menschen weg», mahnte Graumann.

Freunde Der Zentralratspräsident war jedoch auch voll des Lobes und Dankes gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im vergangenen Jahr dem Zentralrat bei der Beschneidungsdebatte zur Seite gestanden und die Ratsversammlung in Frankfurt besucht hatte. Graumann erwähnte aber neben allen Unterstützern außerhalb auch lobend all jene, die aus dem Inneren geholfen haben, seine Mitstreiter im Präsidium und Direktorium sowie die Mitarbeiter des Zentralrats.

Den Höhepunkt des Jahres bilde für ihn der Gemeindetag, der mit einem letzten Beiprogramm am Sonntag zu Ende ging. «Er hat unser Wir-Gefühl ungeheuer gestärkt». Das sei kaum noch zu toppen und der Optimismus in den Berliner Tagen außerordentlich gestärkt worden.

Seder

Es ist unsere Freiheit

Zu Pessach setzen wir unser Vertrauen in die Kraft des Guten

von Charlotte Knobloch  31.03.2026

Pessach

Der leere Stuhl

Für viele bedeutet der Seder, auf geliebte Menschen zu verzichten. Hier erzählen vier Frauen und Männer, wer an Pessach fehlt – und was ihnen Hoffnung gibt

von Nicole Dreyfus  31.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

»Koscher-Licious«

Mazze, Challe, Wodka

Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot

von Alicia Rust  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026