WIZO

»Das gemeinsame Ziel: Menschen helfen zu können«

Nicole Faktor Foto: Privat

WIZO

»Das gemeinsame Ziel: Menschen helfen zu können«

Fünf Minuten mit Nicole Faktor, Präsidentin der WIZO Deutschland

von Helmut Kuhn  16.05.2023 11:12 Uhr

Frau Faktor, gerade fand die Delegiertentagung der WIZO Deutschland in Frankfurt am Main statt. Mit welchen Eindrücken kommen Sie aus der Versammlung?
Dass wir nach drei Jahren Corona motivierter, noch enger verbunden, inspiriert und deutlich verjüngt in die kommenden vier Jahre gehen.

Gibt es einen Wechsel im Präsidium? Ist der alte Vorstand noch der neue?
Nein, es gibt einige Neue. Wir haben uns von vier Damen verabschiedet, die über viele Jahre wunderbare Dienste geleistet haben und der WIZO nach wie vor sehr zugetan sind, unser Motto ist ja: einmal WIZO, immer WIZO. Es bleiben Orly Licht, Julia Davidovski, Riwa Sandberg, Sabina Morein und ich. Neu im Präsidium sind jetzt aber Mima Speier, die auch Schriftführerin wurde, Cathy Miller, Evie Trost und Trude Lehrer. Die Damen, die dazugekommen sind, gehören zum Großteil einer neuen Generation von WIZO-Frauen an, die sich in ihren Städten schon sehr verdient gemacht und sich jetzt bereit erklärt haben und gebeten wurden, dem Präsidium beizutreten.

Welche Schwerpunkte will sich das neue Präsidium setzen?
Wir sind schon mittendrin, aber das ist sicherlich ein Thema, das uns noch während des ersten Jahres begleiten wird: dass wir sehr stark an unserer Corporate Identity arbeiten. Etwa an der Gestaltung der Website, an einem homogenen Auftritt nach außen über die einzelnen Städte hinweg für ganz Deutschland, um als ›one WIZO‹ aufzutreten. Das ist ein ganz wichtiger Begriff, der weltweit geprägt wird, für jeden leicht erkennbar, sei es in Frankfurt, in Köln, in Berlin. Das beinhaltet über die Corporate Identity hinaus einen Briefkopf, einen Social-Media-Auftritt, eine Webseite, auch die Gestaltung der Einladungen und der Event-Ansicht. Damit sich jemand, der auf einer Gala in Frankfurt war, auch auf einer Gala in Berlin wiederfindet, ohne den Städten natürlich ihre eigene DNA zu nehmen. Es klingt jetzt so wie: Alles ist eins geworden, aber ich glaube, das gehört heute zur Welt, diese ›instant recognition‹.

Vor welchen Herausforderungen steht die WIZO Deutschland jetzt?
Die Voraussetzung ist, wir betonen ganz stark, dass die WIZO überparteilich ist und wir an sich nicht mit politischen Themen auftreten. Wir beziehen schon auch in Israel Stellung, zum Frauen-Empowerment zum Beispiel. Das sind natürlich politische Themen, die seit vielen Jahren von der WIZO begleitet werden. Aber unsere Herausforderung hier ist, dass die momentane politische Lage in Israel uns teilweise dazu zwingt, auch gute Argumente zu liefern, warum die Leute sich trotzdem oder gerade jetzt für Israel engagieren müssen. Denn die Zivilbevölkerung leistet gerade wirklich Unglaubliches mit diesen 19 Wochen oder mehr der Demonstrationen, und das Argument lautet, dass sie weiterhin und noch mehr unterstützt werden muss. Und über die momentane Lage und vier Monate hinaus es ist es so, dass diese ständigen Regierungswechsel auch dazu geführt haben, dass zugesagte Gelder teilweise noch gar nicht geflossen sind, weil es immer wieder wechselnde Zuständigkeiten gab. Und wer springt dann ein? Das sind gerade die gemeinnützigen Organisationen, die NGOs, die Löcher stopfen müssen.

Stichwort Unterstützung für Israel: Wie sieht es damit bei jüngeren Leuten aus?
Eine weitere Herausforderung ist wirklich, dass wir die Zuneigung zu Israel und darüber hinaus die Unterstützung für Israel wieder in den Fokus auch der jüngeren Generationen rücken, und das glaube ich schaffen wir gerade, weil wir jetzt beginnen, in den Städten die jüngeren Menschen zu erreichen. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Auch wenn die ständig wechselnden Herausforderungen einem manchmal den Atem stocken lassen, ist das gemeinsame Ziel, Menschen helfen zu können, ein sehr wichtiger Stabilisator für uns.

Mit der WIZO-Präsidentin sprach Helmut Kuhn.

Programm

Schostakowitsch, Punk und Nathan in der Schwebebahn: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 9. Juli bis zum 16. Juli

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026

München

»Auf geht’s – an die Arbeit!«

Die Israelitische Kultusgemeinde hat einen neuen Vorstand gewählt. Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin im Amt bestätigt

von Leo Grudenberg  07.07.2026

Rabbinerausbildung

Levinson-Stiftung als Institut an der Uni Potsdam anerkannt

Neuer Meilenstein für die Ausbildung liberaler und konservativer Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren

 07.07.2026

Bayern

Die jüdische Gemeinde München hat einen neuen Vorstand gewählt

Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bestätigt

 06.07.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Die Kraft der Sichtbarkeit

Rivkah Schwarzbart entwirft seit dem 7. Oktober jüdischen Schmuck und lebt in München

von Katrin Diehl  05.07.2026

Kommentar

Meine Angst

Was es heißt als Jude in Deutschland nach dem 7. Oktober zu leben. Ein Aufschrei von André Herzberg

von André Herzberg  05.07.2026

Schule

Blick nach vorn

Das Helene-Habermann-Gymnasium in München verabschiedete seine Abiturientinnen und Abiturienten – und feierte zugleich zehnjähriges Bestehen

von Ellen Presser  05.07.2026

Lesung

Sprache statt Wurzeln

Die aus dem Irak stammende Schriftstellerin Mona Yahia stellte in München ihr neues Buch über jüdisches Leben im arabischen Raum vor

von Nora Niemann  05.07.2026