Maccabi

Das Angebot wächst weiter

Trafen sich zum Solidaritätsspiel am Jahrestag des Anschlags vom 7. Oktober: die ehemaligen Profis der 1860er »Löwen« und das Maccabi-Team Foto: Anne Wild

Das lebendige Miteinander auf dem Platz, vom Wettkampf getriebener Ehrgeiz oder einfach nur Spaß an der Sache: Egal, welche Motivation den Einzelnen antreibt, seit bald 60 Jahren bietet der TSV Maccabi München ein breites Spektrum an sportlicher Aktivität an, verbunden mit dem Ziel einer Stärkung der jüdischen Identität. »Wir verstehen uns als verlängerter Arm der Gemeinde«, erklärt der langjährige Vereinspräsident Robby Rajber unter Bezug auf die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern, mit der Maccabi eng kooperiert.

»Bei Maccabi dabei zu sein, heißt, den blauen Davidstern auf der Brust zu tragen.« Gegründet wurde Maccabi München 1965 von Holocaust-Überlebenden. Heute steht der Verein für Vielfalt und Integration, auf und neben dem Sportplatz: Kinder aus verschiedenen Nationen, Kulturen und Religionen sind dabei. Jetzt, zum Jahresende, ist die Zeit für eine Bilanz gekommen.

Neue Basketballabteilung

Das sportliche Angebot im Verein ist vielfältig und wächst weiter. Besonders stolz ist man auf die neue Basketballabteilung: Über 80 ambitionierte Sportler brachten die Betreuer dafür im vergangenen Jahr zusammen, und bereits im März fand sich das Herren-Team auf dem ersten Tabellenplatz wieder.

Genauso sind die Mitglieder des Vereins auf dem Volleyballfeld, beim Karate und sogar beim Ballett aktiv. Dazu spielt Maccabi im Tischtennis-Ligasport auf höchstem Niveau, außerdem schreiten die Planungen für ein Eishockey-Team voran. Natürlich nicht wegzudenken: die Fußballteams in den Vereinsfarben Blau-Weiß. Ungeachtet dessen unterhält die Mannschaft gute Beziehungen sowohl zum FC Bayern als auch zum TSV 1860 München.

In der veränderten Welt seit dem 7. Oktober ist der Verein vermehrt damit befasst, bei Auswärtsspielen ein Sicherheitsgefühl zu schaffen.

Das zeigte sich zuletzt beim Solidaritätsspiel gegen die »Löwen« am Jahrestag des Anschlags vom 7. Oktober 2023. Für das »Spiel der Erinnerung und der Solidarität« war das Seniorenteam des Profivereins auf dem Maccabi-Platz zu Gast, unterstützt von 1860-Präsident Robert Reisinger. Zwar unterlagen die Gastgeber mit 1:5, das Spiel gegen ehemalige Profis habe das Maccabi-Team aber zur Höchstleistung motiviert, so der Sportvorstand Armand Presser.

Auch abseits des Sportlichen blieben die Aufgaben groß: In der veränderten Welt seit dem 7. Oktober sei der Verein vermehrt damit befasst, bei Auswärtsspielen ein Sicherheitsgefühl zu schaffen, wie Presser weiter ausführte. Niemand im Verein wolle sich aber kleinkriegen lassen. »Wir lassen uns unser Leben nicht von Terroristen vorschreiben«, betont auch Präsident Rajber.

Widerstandsfähigkeit steckt bereits im Namen des Vereins: Jehuda Makkabi ist als Anführer des Makkabäeraufstandes aus der Geschichte des Chanukkafestes allgemein bekannt.

Highlight des vergangenen Jahres

Als ein Highlight des vergangenen Jahres benannte Presser die Radtour von Salzburg zur italienischen Küstenstadt Grado Ende August. Aus vier verschiedenen Städten waren die 16 Teilnehmer gekommen, es hätte viele weitere Interessenten gegeben. Koscheres Essen als Reiseproviant war ebenso selbstverständlich wie ein Ruhetag am Schabbat.

Sogar auf dieser scheinbar harmlosen Fahrt holte die Fahrradfahrer aber rasch die Wirklichkeit ein: Beim Kabbalat Schabbat in einem Hotel in Kärnten kam es zu einem antisemitischen Vorfall, unter anderem durch Äußerungen der Hotelleitung. Die gute Stimmung ließ man sich davon aber nicht lange verderben, und der kurz darauf folgende Endspurt von Udine nach Grado wurde schließlich mit der Ankunft am Meer belohnt. Ein Badetag an der Adria rundete die Reise ab. Für das kommende Jahr ist eine Neuauflage der Fahrt geplant, Robby Rajber rechnet erneut mit vielen Teilnehmern und will die Planungen entsprechend anpassen: »Vielleicht müssen dann die Gruppen aufgeteilt werden, eine für die Hin- und eine für die Rückreise.«

Besonders stolz ist man auf die neue Basketballabteilung: Die Herren sind auf Platz 1.

Die zahlreichen Events in Herbst und Winter, zu denen auch das Eislaufen »Chanukka on Ice« und Skiausflüge zählen, organisiert der TSV Maccabi ergänzend zu seinem umfangreichen ganzjährigen Sportbetrieb. Über 250 Kinder bewegt der Verein allein bei den wöchentlichen Trainingszeiten in den unterschiedlichen Sportarten.

Das Potenzial wäre eigentlich noch größer, für das regelmäßige Schlittschuhlaufen zum Beispiel fehle es aber an Zeitfenstern, die von der Stadt zur Verfügung gestellt werden müssten, ein Problem für viele Sportvereine. Obwohl es also gut läuft für Maccabi, blicken Präsident Raj­ber und Sportvorstand Presser auch mit Sorge in die Zukunft. Wachsende Unsicherheit und die Zwänge des Alltags machen sich bemerkbar.

»Manchmal stellt sich Bequemlichkeit ein, oder die Eltern haben nicht genug Zeit, um ihre Kinder zu unserem Verein zu bringen«, erklärt etwa Armand Presser. »Um jüdische Werte in einem jüdischen Verein zu leben, muss man bereit sein, Zeit zu investieren«, betont Robby Rajber: »Wenn das nicht gemacht wird, ist es für uns sehr schade.«

Trotzdem bleibt der Gesamtausblick insgesamt positiv. Derzeit ist der Neubau einer dreigeschossigen Zweifach-Sporthalle auf dem Gelände in der Riemer Straße in Planung. Gelder für einen Zuschuss hat der Stadtrat bereits genehmigt, bald soll der erste Spatenstich folgen. Pünktlich zur 60-Jahr-Feier entsteht dann für die nächste Generation des TSV Maccabi München ein neues größeres Zuhause.

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