Makkabi

Aus der Sukka zur Maccabiah

Mit über 200 Hektar ist dieser Sportpark in NRW einer der größten Deutschlands und seit vielen Jahren fast so etwas wie die zweite Heimat Makkabis: Immer wieder hat der Sportverband ihn als Austragungsort von Lehrgängen ausgewählt. Auch am vorvergangenen Wochenende kamen mehr als 200 jüdische Athleten hier zusammen, um sich auf die Maccabiah vorzubereiten, die im kommenden Jahr vom 8. bis zum 22. Juli in Israel stattfinden wird und das weltweit drittgrößte Sportereignis nach den Olympischen und Paralympischen Spielen ist. Das Motto: »Aufgeben ist keine Option«.

Der Münchener Benjamin Walter freut sich schon heute auf den kommenden Sommer: »Ich war noch nie in Israel und bin froh, bei der Maccabiah dabei zu sein.« Und das sogar doppelt: Der 18-Jährige gehört zugleich zur Herren- und zur U20-Mannschaft. »Bei der U20 war ich Teil eines Teams, dessen Mitglieder jetzt zu alt für diese Gruppe sind, aber wir wollten auf jeden Fall zusammen antreten.«

Benjamin Walter hat sein Ticket für die Maccabiah schon sicher.

Im vergangenen Sommer war Walter bei der Jugend-Makkabiade in London dabei. Für ihn war es ein fantastisches Erlebnis. Lediglich mit dem Abschneiden seines Teams war er nicht zufrieden: »Wir kamen nur auf Platz vier«, sagt der Basketballer. »Das entscheidende Spiel haben wir gegen die USA verloren.« Walter hat dennoch sein Ticket für Israel sicher.
Das unterscheidet ihn von anderen Sportlern, die nach NRW gekommen sind. »Wir haben uns längst noch nicht entschieden, wer mit zur Makkabiade fährt«, sagt Ziporah Hammer.

Hammer, selbst eine erfolgreiche Läuferin auf der Mittelstrecke, ist für das Leichtathletik-Team von Makkabi verantwortlich. »Wir sichten die Sportler noch. Unser Ziel ist es, mit einem möglichst guten Team nach Israel zu fahren.« Im Moment würde nicht einmal genau feststehen, wie viele Sportler sich im kommenden Sommer auf die Reise machen.
Aber Ziporah Hammer ist zuversichtlich, was die Qualität der Sportler betrifft: »Wir haben gute Chancen, vorn mit dabei zu sein.«

11.000 Sportler aus der ganzen Welt sind dabei. Viele davon haben bereits an den Olympischen Spielen teilgenommen

Doch es kommt nicht nur auf die sportliche Leistung an, sagt Keren Vogler, Mitglied im Präsidium von Makkabi Deutschland: »Bei einem Wettkampf wie der Makkabiade anzutreten, ist auch eine Nervensache. 11.000 Sportler aus der ganzen Welt sind dabei. Viele davon haben bereits an den Olympischen Spielen teilgenommen.« Nicht jeder, der in Deutschland vor vielleicht wenigen Zuschauern eine gute Leistung bringt, könne sie auch dann abrufen, wenn er in einem großen, vollen Stadion und womöglich gegen einen Weltstar antreten müsse. Vor allem der Teamgeist sei wichtig: »Wir nehmen als Mannschaft teil, das muss also menschlich passen.«

Auch die Lage in Israel spielt eine Rolle: »Das Land wird nach wie vor jeden Tag mit Raketen angegriffen. Damit kommt nicht jeder klar, und bei jüngeren Sportlern sind es vielleicht die Eltern, die sich deshalb Sorgen machen.« Vogler betont, dass jüdische Athleten immer noch die Chance hätten, sich um Plätze zu bewerben: »Es kann ja sein, dass es Sportler gibt, die bislang weder von Makkabi Deutschland noch von der Makkabiade gehört haben, aber in ihren Vereinen gute Leistung bringen. All denen möchte ich sagen: Meldet euch schnell.«

Direkt neben einem der Sportplätze wurde symbolisch eine Sukka gebaut

Selbstverständlich ging es auch bei diesem Großlehrgang nicht ausschließlich um Sport. Die Sukka als symbolische und temporäre Behausung verkörpere die sicheren Orte, »die wir in Zeiten der Ungewissheit und des Chaos schaffen. Besonders jetzt, nach den tragischen Ereignissen des 7. Oktober 2023, wird uns die Bedeutung solcher Orte in unserer Gemeinschaft und unserer inneren Stärke bewusster denn je«, schreibt Makkabi in einer Pressemitteilung. Direkt neben einem der Sportplätze wurde symbolisch eine Sukka gebaut.

Nicht nur hier wurden Fragen des jüdischen Lebens und die Erfahrungen nach dem 7. Oktober vergangenen Jahres thematisiert. Johannes Wirth ist Bildungsreferent bei Makkabi Deutschland und arbeitet beim Projekt »Zusammen1« mit, bei dem es auch um Antisemitismus im Sport geht. »Wir stellen hier mit den Sportlern eine Ausstellung zusammen, die sie selbst gestalten, und wollen ihnen den Raum geben, sich zu äußern.« Es gehe um jüdische Identität, aber auch darum, was es bedeute, bei Makkabi mitzumachen.

Es geht gerade jetzt um jüdische Identität.

Zudem waren das Massaker der terroristischen Hamas und dessen Folgen Teil des Programms. Es bestünde großer Redebedarf: »Wir haben das Thema auch deshalb ausgewählt, weil wir das Gefühl haben, dass es etwas ist, das viele beschäftigt, und weil wir zugleich überrascht waren, dass relativ wenig darüber gesprochen wurde.«

Weil es vor allem wichtig sei, den Sportlern Kraft zu geben, haben Wirth und sein Team die Teilnehmer aufgefordert, auf Spotify eine Playlist mit ihren Makkabi-Powersongs anzulegen. Auf der stehen nun neben Israels Nationalhymne »Hatikvah« auch »Seven Nation Army« von den White Stripes, »Thunderstruck« von AC/DC und »I Am What I Am« von Gloria Gaynor – Stücke, die Mut machen und anspornen

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