Katholikentag

Auf Augenhöhe

»Einen neuen Aufbruch wagen« beim Treffen in der Jüdischen Gemeinde Mannheim: Kirchentagspräsident Alois Glück, Kardinal Karl Lehmann, Erzbischof Robert Zollitsch und Schoschana Maitek-Drzevitzky (v.l.) Foto: KNA

Der christlich-jüdische Dialog lebt. Das stellten Gespräche, Podiumsdiskussionen und gemeinsame Feiern beim 98. Katholikentag in Mannheim eindrucksvoll unter Beweis. Höhepunkt dieses Miteinanders war am Donnerstagabend die Feier im voll besetzten Bürgersaal des Stadthauses, bei der der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann und der neue Rabbiner der Mainzer Gemeinde, Julian-Chaim Soussan, die Dialogpartner bildeten. Kirchentagspräsident Alois Glück entzündete eine eigens für den Katholikentag hergestellte Kerze und übergab sie zum Zeichen des Dialogs beim Empfang in der jüdischen Gemeinde am späteren Abend.

Rabbiner Julian-Chaim Soussan, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands, betonte die gemeinsame Urgeschichte des Juden- und Christentums. Den von ihnen beiden interpretierten Psalm 85 bezeichnete Kardinal Lehmann als »Geschenk des Judentums für den christlichen Gottesdienst«. Der Respekt voreinander und der Wille, miteinander ins Gespräch zu kommen und es weiterzuführen, war beiden religiösen Autoritäten anzumerken.

basis Doch dass der christlich-jüdische Dialog vor allem an der Basis funktioniert, zeigte das große Interesse der an ihren roten Schals, Rucksäcken und Bändern erkennbaren Katholikentagteilnehmer, die bei Synagogenführungen, Podiumsgesprächen und Seminaren dabei waren.

Die jüdischen Referenten zeigten sich beeindruckt von den kompetenten Nachfragen aus dem Publikum. Ob es um Frauen in den Religionen ging, eine Diskussionsveranstaltung, bei der Bischöfin Kirsten Fehrs, Rabbinerin Elisa Klapheck und die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi auf dem Podium saßen, oder um die Frage nach dem Beginn des Lebens, mit der sich Moraltheologe Konrad Hilpert und Rabbiner Julian-Chaim Soussan befassten, die Begegnungen verliefen auf Augenhöhe. Dabei sei, so der Kölner Rabbiner Jaron Engelmayer, vor allem an der Basis durchaus eine kritische Haltung der Katholiken gegenüber der Amtskirche herauszuhören.

Auch wenn die Wunden, die die Wiedereinführung der Tridentinischen Karfreitagsführbitte (2007) verursacht hat, noch nicht ganz verheilt sein mögen, funktioniere der Austausch sehr gut. »Wir Christen müssen uns immer wieder schämen, dass wir diese Gemeinsamkeiten unserer Religionen oftmals nicht gesehen haben«, formulierte es Kardinal Lehmann.

dialog Der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch, betonte beim Empfang in der Jüdischen Gemeinde, der Katholikentag habe dazu beigetragen, dass sich das christlich-jüdische Verhältnis weiter sehr positiv entwickelt habe und erinnerte an die Berliner Rede von Papst Benedikt XVI. im vergangenen Jahr, in der er gefordert hatte, dass es nach Jahrhunderten des Gegeneinanders heute die Aufgabe sei, dass beide Weisen der Schriftlektüre – die christliche und die jüdische - miteinander in Dialog treten müssen, um Gottes Willen und Worte zu verstehen.

Diese Aufgabe stelle sich auch der Katholikentag in Mannheim, so Zollitsch weiter. Das Programm lädt am Freitagvormittag zu Veranstaltungen ein, die den christlichen Besuchern einen Einblick in die jüdische Tradition, den Talmud und die Liturgie geben. »Im christlich-jüdischen Dialog geht es zweifellos darum, den anderen besser kennenzulernen«, sagte der Erzbischof.

Das konnten die Referenten an diesem Abend, zu dem Gemeindevorsitzende Schoschana Maitek-Drzevitzky ins Gemeindezentrum zu einem gemeinsamen koscheren Mal eingeladen hatte, ausführlich. Bei sehr angeregten Gesprächen an den Tischen setzten die Teilnehmer den Dialog bis in den späten Abend fort.

Berlin

Mahnmal für zerstörte Synagoge beschmiert

Die Sachbeschädigung des Mahnmals am Lindenufer sei am Mittwochmorgen über die Internetwache der Polizei Berlin angezeigt worden

 21.05.2026

Berlin

Zentralrat der Juden distanziert sich von Itamar Ben-Gvir

Ein Video des rechtsextremen israelischen Ministers sorgt weltweit für Empörung. Auch die Vertretung der Juden in Deutschland äußert sich

 21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Schawuot

Alles Käse

Ob Oreo-Cheesecake, israelischer Käsekuchen oder Napoleon-Torte: Familien verraten ihre Lieblingsrezepte und erzählen, warum milchige Desserts zum Fest unverzichtbar sind

von Christine Schmitt  21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026

Jewrovision

Jung, laut, jüdisch

Eindrücke vom Wochenende in Stuttgart

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 3. Juni

 20.05.2026