Köln

Friedenskundgebung sorgt für Kritik

Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Foto: picture alliance / Panama Pictures

Die unter dem Titel »Give Peace a Chance« (Gib dem Frieden eine Chance) geplante »Arsch huh«-Kundgebung in Köln sorgt bereits im Vorfeld für Unmut und Kritik. So hat der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, Abraham Lehrer, seine Teilnahme an der für Sonntag geplanten Kundgebung der Künstlerinitiative abgesagt, weil er den Organisatoren unter anderem eine mangelnde Distanzierung von den Hamas-Überfällen vorwirft. Über die Absage hatte zuerst der »Kölner Stadt-Anzeiger« (Freitag) berichtet.

Als »sehr problematisch« bezeichnete Lehrer unter anderem den im Vorfeld versandten Veranstaltungstext. »Hier wird der Terror der Hamas mit dem Verteidigungskrieg Israels gleichgesetzt. Die Terrororganisation Hamas und die israelische Armee werden als ‚Konfliktparteien‘ auf eine Ebene gestellt. Das Selbstverteidigungsrecht Israels wird dadurch geleugnet«, kritisierte Lehrer in einem Schreiben an die Veranstalter.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden erklärte weiter: »Israel kämpft gegen eine Terrororganisation und bis diese nicht vernichtet ist, wird es keinen Frieden im Nahen Osten geben. Sie verlangen von Israel, diese Verpflichtung zum Schutz seiner Bevölkerung aufzugeben. Das werde ich nicht mittragen.«

Zugleich betonte Lehrer, dass es nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober nicht an der Zeit sei, eine auf jeder Ebene »ausgleichende Veranstaltung zu erzwingen. Es ist Zeit für eindeutige Solidarität mit Israel«. Auch das verwendete Symbol für die am Sonntag anstehende Veranstaltung, das an eine Palästinenserflagge erinnere, sei für ihn »nicht tragbar. Wenn im ganzen Land israelische Flaggen geschändet werden, wäre es die Zeit gewesen, hier ein klares Zeichen zugunsten Israels zu setzen und nicht den Eindruck einer palästinensischen Flagge zu erzeugen«.

Es handele sich um eine »unselige Friedenskundgebung« des »naiven MusikerInnenbündnisses Arsch huh«

Mit seiner Kritik steht Lehrer nach Angaben des »Kölner Stadt-Anzeigers« nicht allein. Auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Köln (DIG) und das Bündnis gegen Antisemitismus - BgA Köln kritisierten die Veranstalter: »Die doppelte Solidarität mit Israelis und den PalästinenserInnen nehmen wir den Musikern nicht ab. Sie sind einseitig, und ihr Aufruf unterstützt die palästinensische Forderung nach einer Waffenruhe im Gazastreifen«, teilten die Organisationen demnach mit. Es handele sich um eine »unselige Friedenskundgebung« des »naiven MusikerInnenbündnisses Arsch huh«.

Zu der am Aachener Weiher geplanten Friedenskundgebung werden am Sonntagnachmittag unter anderem Politiker, Musiker und Kabarettisten wie Gerhart Baum (FDP), Jürgen Becker, Brings oder Wilfried Schmickler erwartet. Die Veranstaltung ist von 15 bis 17 Uhr geplant.

Am 9. November 1992 fand die Großveranstaltung »Arsch huh, Zäng ussenander« (Arsch hoch, Zähne auseinander) erstmals als Kundgebung gegen Rassismus, Intoleranz und rechtes Gedankengut in Köln statt – rund 100.000 Menschen besuchten sie seinerzeit. Zu den Teilnehmern der ersten Stunde zählen unter anderem bekannte Kölner Musiker und Bands wie Wolfgang Niedecken (BAP), Bläck Fööss, Brings und Höhner. epd

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