Heidelberg

»Antitotalitäres Denken«

Im Gespräch: Rabbiner Shaul Friberg, Johannes Heil, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien, und Bundespräsident Joachim Gauck (v.l.) Foto: dpa

Ein wichtiges Signal»: Mit diesen Worten fasste Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, am Dienstag den Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck an der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) in Heidelberg zusammen. Gauck war dort im Anschluss an eine Gedenkveranstaltung zum 50. Todestag des jüdischen Philosophen Martin Buber, die am Nachmittag an der Alten Universität stattgefunden hatte, zu Gast gewesen.

Nachdem ihn die Heidelberger Martin-Buber-Gesellschaft eingeladen hatte, wünschte sich der Bundespräsident, auch der Hochschule für Jüdische Studien einen Besuch abzustatten, die er bereits von einem Treffen aus der Zeit vor seinem Amtsantritt kannte.

BEGEGNUNG In der Gedenkveranstaltung für Martin Buber betonte Gauck in seiner Rede: «Ein Denken, für das die Begegnung von Ich und Du im Zentrum steht, ist ein schlechthin antitotalitäres und antiideologisches Denken.» Denn wenn der Einzelne nicht zähle, sondern die Gemeinschaft, das Volk oder die Religion, dann leiste das dialogische Prinzip Widerstand, betonte Gauck. Gesellschaften, die menschlich sein wollten, müssten die Begegnung freier Individuen ermöglichen.

An der HfJS unterhielt sich Gauck im Anschluss sowohl mit Vertretern der Hochschule als auch mit Studierenden.
Er bezeichnete die Entwicklung der jüdischen Gemeinden und des Judentums in Deutschland als ein «gnadenhaftes Geschenk», das angesichts der deutschen Geschichte keineswegs selbstverständlich sei.

Gaucks Besuch zeige, dass das Judentum zu Deutschland gehöre, sagte Johannes Heil, der Rektor der Hochschule für Jüdische Studien, im Anschluss an die Begegnung. Der Besuch sei auch eine Aufforderung, sich mit Vorurteilen, Antisemitismus und der Ablehnung von Flüchtlingen auseinanderzusetzen. Dies seien wichtige Themen an der Hochschule, die Wissen über das Judentum vermittelt.

Lesen Sie mehr in unserer nächsten Printausgabe.

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Ferien

Spiel, Spaß, Werte

Gerade beginnt der dritte Turnus der ZWST-Machanot. Bildungsreferentin Liya Cinciper über Heimweh, Handyzeiten und Kühlung bei Hitze

von Helmut Kuhn  13.08.2026

Hitze

Kühl beten, kühl bleiben

Gemeinden und jüdische Einrichtungen bekommen die hohen Temperaturen sehr zu spüren. Einige behelfen sich mit kalten Tüchern, manche mit Ventilatoren, andere haben Klimaanlagen

von Katrin Richter  13.08.2026

Programm

Summer Open Airs in Frankfurt und Hannover, und ein Rendezvous für Hercule Poirot - mit einer Leiche

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 13. August bis zum 20. August

 12.08.2026

Wiesbaden

Hessen verlängert Staatsvertrag mit jüdischen Gemeinden

Die Zahlungen an jüdische Gemeinden steigen schrittweise

 12.08.2026

Brandenburg

Cyberangriff auf Gedenkstätten

Immer wieder schädigen Ransomware-Attacken Behörden, Krankenhäuser und andere Einrichtungen. In Brandenburg ist nun die Gedenkstätten-Stiftung betroffen

 11.08.2026

Gedenken

Stolpersteine für jüdische Familie Frank in Erfurt

Als Zwölfjährige wurde Ingeburg Geißler nach Theresienstadt deportiert. Jahrzehnte später erzählt sie von ihrem Schicksal. Ihre Stimme soll nun bei der Gedenkveranstaltung erklingen

 11.08.2026

Porträt der Woche

Aus Erfahrung handeln

Marina Koren hat Ausgrenzung erlebt und unterstützt heute Betroffene von Hassgewalt

von Gerhard Haase-Hindenberg  09.08.2026