Stuttgart

50.000 Euro für Israel

Auftritt in Uniform: Das Tzahal-Orchester spielt und erinnert an den gekidnappten Gilad Schalit. Foto: Edgar Layher

Eine Kette von Lichtern, die vom Negev bis hinauf nach Galiläa leuchten: Für Israels Staatspräsident Schimon Peres ist dieses Symbol für ein blühendes und besiedeltes Land die Bestätigung der Arbeit von Keren Hayesod. »Es ist zu bezweifeln, dass ein anderes Volk eine ähnlich kreative Organisation hervorgebracht hat«, rühmt Peres dieses weltumspannende und einzigartige Bekenntnis zu spendenfreudiger Solidarität, das in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen feiern kann. Den eindrucksvollen Beweis lieferte in diesem Jahr die Magbit-Eröffnung in Stuttgart: Zusammen mit einem Scheck der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) kann Martin Meir Widerker, der Vorsitzende von Keren Hayesod Württemberg und stellvertretende Vorsitzende im Deutschland-Präsidium, die Spendensumme von 50.000 Euro nach Israel überweisen.

Für Widerker, der in Israel geboren wurde und dort bis zum elften Lebensjahr seine Kindheit verbrachte, ist die Arbeit für Keren Hayesod Ausdruck seiner zionistischen Überzeugung und sein Beitrag »für ein starkes, jüdisches Leben«. Eine Überzeugung, die er an seine Söhne weitergab: »Wir müssen auch den Jüngeren aus der zweiten und dritten Generation vor Augen führen, dass die Existenz des Staates Israel keine Selbstverständlichkeit ist«, nennt Benny Widerker eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Mizwa »Zedaka, die Wohltätigkeit, ist ein ganz wichtiges Element für uns Juden. Eine Mizwa, Weisung, Pflicht und Auftrag, den wir frohen Herzens befolgen sollen und der uns mit unseren Brüdern und Schwestern weltweit und über die Zeiten hinweg verbindet«, unterstützte IRGW-Vorstandssprecherin Barbara Traub Widerkers Appell an die Großzügigkeit der Gäste im Gemeindesaal, darunter Europa-Direktor Jankele Snir und das Mäzen-Ehepaar Karl Hermann und Elsbeth Blickle. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts hätten Juden in Stuttgart die ersten Unterstützungsvereine für die Armen unter ihnen gegründet. Jetzt brauche Israel diesen Beistand, um das Land der Verheißung zu sein, in dem Tradition und Moderne mit kultureller Vielfalt und Lebensfreude gleichermaßen zu Hause seien.

Das Geld wird, wie Widerker schildert, vor allem dem Projekt »Zukunft der Jugend« im nordisraelischen Ma’alot Tarshiha zugute kommen. Die im Westen Galiläas gelegene Stadt entstand 1963 durch die Zusammenlegung der israelisch-arabischen Stadt Tarshiha und der jüdischen Stadt Ma’alot. »Hier wollen wir jüdischen und arabischen Kindern und Jugendlichen bessere Bildungs- und Zukunftschancen geben«, betont Widerker. Denn 20 Prozent der 6.400 Heranwachsenden gelten als gefährdet, durch Drogen oder Kriminalität an den Rand der Gesellschaft zu geraten. Mit Hilfe der Spendengelder werden 160 von ihnen individuell in ihrer schulischen Entwicklung gefördert. Ehrenamtliche Tutoren übernehmen die Betreuung.

Gegründet wurde Keren Hayesod 1920 in London im Rahmen des Zionistischen Weltkongresses mit dem Ziel, die Vision Theodor Herzls von der Errichtung eines Judenstaates zu unterstützen, damit die Alijah zu propagieren und die Zukunft von Neueinwanderern zu sichern. 1956 wurde die Vereinigte Israel Aktion als einzige Organisation von der Knesset zum Sammeln von Spenden für den Staat Israel per Gesetz beauftragt. Bis heute hat sie, so Widerker, fast drei Millionen Einwanderer, Juden in Not aus der ganzen Welt und zum überwiegenden Teil Flüchtlinge, bei ihrer Integration existenziell unterstützt. Damit sei die Zahl der Einwohner seit Gründung des Staates Israel 1948 von knapp einer Million auf mehr als sieben Millionen gestiegen.

Gilad Schalit
»The world may be a better place for you and for me«, sang Dana Schachar, die Frontfrau des wunderbaren Tzahal-Orchesters Israel, Mitglied der israelischen Armee und für diesen Abend eingeflogen. So mitreißend sie musizierten und die Stimmung im Saal anheizten: Nicht nur ihr Auftritt in Uniform, sondern auch die Gedenk- und Schweigeminute, um die Dana Schachar für den Kameraden Gilad Schalit bat, der seit 2006 in der Geiselhaft der Hamas ist, ließ keine Minute die permanente Bedrohung Israels vergessen.

Diese Bedrohung kommt derzeit insbesondere aus dem Iran, wie der Gastredner Gad Shimron (60), Journalist, Autor und ehemaliger Mitarbeiter des Mossad, mit viel Sachverstand und profundem Hintergrundwissen schilderte. Bekanntlich wolle Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, »ein ruheloser Provokateur«, Israel von der Landkarte tilgen, wie er getönt habe, und zu diesem Zweck sein Land zur Atommacht aufrüsten. »Wie soll man damit umgehen«, fragt Shimron und schließt einen Militäreinsatz der USA und Israels gegen den Iran nicht aus. Der ehemalige Geheimdienstmann, der bei der Alija der Juden aus Äthiopien 1984 mitwirkte – »Ich war ein zionistischer James Bond« – beobachtet eine verstärkte Präsenz von US-Militär im Nahen Osten und vermutet, »dass sich in den nächsten Monaten etwas tut«. Seiner eigenen Regierung möchte er jedoch lieber abraten zu bombardieren, sondern auf die Möglichkeiten der High-Tech-Sabotage mit Computerviren zu setzen. Und im Übrigen auf eine Revolution im Iran selbst zu hoffen. Denn er sei, bekennt Shimron, Optimist und glaube an die Sicherheit der Juden in aller Welt. Auch in Israel.

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