Talmudisches

Von besonderen Eseln

Kommt oft in Tora und Talmud vor: der Esel Foto: Getty Images/iStockphoto

Talmudisches

Von besonderen Eseln

Was es mit dem beliebten Nutztier auf sich hat. Eine Spurensuche in den alten Quellen

von Chajm Guski  01.07.2021 11:58 Uhr

Der Esel ist nicht koscher, doch ist er in der Tora ein besonderes Tier. Die Mizwa, einen erstgeborenen Esel bei einem Kohen »auszulösen«, zeichnet ihn aus (2. Buch Mose 13,13).

Was ist das Besondere an ihm? Versuchen wir eine Spurensuche. Von zwei sprechenden Tieren in der Tora ist eines die Schlange. Das andere Tier ist die Eselin von Bileam (4. Buch Mose 22, 28–30). Sie spricht mit Bileam, der auf ihr reitet, nachdem G’tt ihr den »Mund geöffnet« hatte.

Der Esel ist bei wichtigen Begebenheiten dabei: Als Awraham aufbrach, seinen Sohn zu opfern, nahm er einen Esel mit (1. Buch Mose 22,3), und als Mosche mit seiner Frau und den Kindern nach Ägypten zog (2. Buch Mose 4,20), taten sie dies ebenfalls mit einem Esel.

MAschiach Da Esel beliebte Nutztiere waren, tauchen sie an verschiedenen Stellen des Talmuds im Kontext des Alltags auf. So lesen wir zum Beispiel in Chullin 7ab davon, wie Rabbi Pinchas ben Ja’ir zu einem Gasthaus kam, und dort wurde nicht nur er selbst versorgt, sondern auch sein Esel. Die Wirte gaben ihm Gerste, doch der Esel fraß nicht. Auch als die Wirte die Gerste siebten, fraß er nicht. Auch nach Trennung der Spreu von der Gerste fraß er nicht.

Da fragte Rabbi Pinchas die Wirte: »Habt ihr die Gerste nicht verzehntet?« Daraufhin holten sie das nach, und der Esel fraß. Rabbi Pinchas sprach daraufhin zu ihnen: »Dieses arme Tier möchte den Willen seines Schöpfers erfüllen, und ihr füttert es mit Ungezehntetem?« Der Esel war also besonders intelligent und vorsichtig mit der Ausführung der Gebote.

Zu einem besonderen Tier macht den Esel auch die Tatsache, dass er eines Tages den Maschiach, den Messias, tragen soll. Dieser wird laut dem Propheten Sacharja (9,9) auf einem Esel reiten.

widerspruch Den Weisen des Talmuds fiel jedoch auf, dass dies dem Buch Daniel widerspricht. Denn dort heißt es, der Maschiach werde eines Tages aus den Wolken kommen.

Im Talmudtraktat Sanhedrin (98a) wird der Widerspruch aufgelöst. »Rabbi Alexandri sagt: Rabbi Jehoschua ben Levi weist auf einen Widerspruch hin. Es steht geschrieben: ›Da kam mit den Wolken des Himmels einer gleich einem Menschensohn‹ (Daniel 7, 13−14). Und es steht geschrieben: ›Siehe, euer König wird zu euch kommen; er ist gerecht und siegreich, niedrig und reitet auf einem Esel und auf einem Fohlen, dem Fohlen einer Eselin.‹ Rabbi Alexandri erklärt: Wenn das jüdische Volk die Erlösung verdient hat, dann wird der Maschiach mit den Wolken des Himmels kommen. Wenn es die Erlösung nicht verdient, dann wird der Maschiach niedrig und auf einem Esel reitend kommen.«

Weiter heißt es, dass König Schapur anbot, dem Maschiach sein Pferd zu überlassen: »König Schapur sprach zu Schmuel: ›Du sagst, dass der Maschiach auf einem Esel kommen wird; ich werde ihm mein Reitpferd senden.‹ Daraufhin sprach Schmuel: ›Hast du etwa ein Pferd mit einem Fell aus 1000 Farben?‹« Der Esel des Maschiach wird also ein sehr buntes Fell haben.

exodus Auch die Tatsache, dass sie den Hebräern beim Exodus behilflich waren, macht Esel zu besonderen Tieren. So erzählt Rabbi Elieser im Talmud: »Und außerdem halfen Esel dem jüdischen Volk beim Auszug aus Ägypten, denn unter den Mitgliedern des jüdischen Volkes gab es nicht einen, der nicht 90 nubische Esel bei sich hatte, die mit dem Silber und Gold der Ägypter beladen waren« (Bechorot 5b).

Der Esel ist also ein häufiger, aber durchaus besonderer Begleiter des jüdischen Volkes.

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