Erziehung

Sicher im Wasser

Verbindet das Geistige und das Körperliche auf besondere Weise: der Schwimmunterricht Foto: Getty Images

In Deutschland sind im vergangenen Jahr mindestens 299 Menschen ertrunken – rund 20 Prozent weniger als 2020, teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kürzlich mit: »Damit verzeichnen wir für 2021 den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000, seit wir begonnen haben, die Zahlen systematisch zu erheben.«

Im Jahr 2021 ertranken 17 Kinder im Alter von zehn Jahren und darunter, sechs weniger als im Jahr 2020. Bei den Elf- bis 20-Jährigen gab es einen Anstieg von 26 auf 30 Todesfälle. »In diesem Zusammenhang sehen wir mit großer Sorge, dass immer weniger Kinder heutzutage sicher schwimmen können«, so Ute Vogt von der DLRG.

pflicht Das Schwimmenlernen hat in der jüdischen Erziehung immer einen großen Platz eingenommen. Bereits in der Mischna, die vor über 1800 Jahren niedergeschrieben wurde, wird der Schwimmunterricht als Erziehungspflicht der Eltern erwähnt. Und das ist nicht verwunderlich: In Amerika ist der Waffenbesitz weniger tödlich als der Swimmingpool im Hinterhof.

Laut dem Talmud haben Eltern viele weitere Verpflichtungen gegenüber ihren Kindern: Tora lehren, einen Beruf erlernen und einen Ehepartner finden (Kidduschin 29a). Aber Chinuch – Bildung und Erziehung – bedeutet mehr. Erziehen heißt, die Kinder auf ein reifes und verantwortungsbewusstes Leben in körperlicher und spiritueller Hinsicht vorzubereiten.

Schwimmen gilt auch als Symbol für das Lernen der Tora.

Vor allem an Orten mit viel Wasser ist Schwimmen ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Aber im Judentum bekommt das Ganze noch eine zusätzliche Bedeutung: Der Schwimmunterricht war schon immer ein Moment der Verbundenheit mit den Kindern, weil er das Geistige und das Körperliche auf besondere Weise verbindet. Er ist sowohl Spannung – auch für die Eltern – als auch Vergnügen, vor allem, wenn das Schwimmzeugnis erworben wurde. Er ist Freude und Angst zugleich.

Schwimmen gilt auch als Symbol für das Lernen der Tora: »Schwimmen im Meer des Talmuds«. Über das Schwimmen am Schabbat ist viel geschrieben worden, und in den vergangenen Jahren war in den Medien auch viel über die muslimischen »Schwimmburkas« zu lesen und zu hören.

TRENNUNG Ich werde regelmäßig gefragt, ob das gemeinsame Schwimmen erlaubt ist. Der Talmud ist eindeutig: Wenn ein Mann einer Frau in einem Fluss folgt, verliert er seinen Anteil an der zukünftigen Welt (Eruwin 18b), weil sie ihre Kleider hochhebt. Das gemeinsame Schwimmen ist also verboten. Laut dem Talmud (Bava Batra 57b) darf ein Mann auch nicht zusehen, wenn Frauen ihre Wäsche waschen.

Für orthodoxe Juden stellt sich zudem die Frage, ob gemeinsames Schwimmen voll angekleidet erlaubt ist. In Israel wurden speziell für die Orthodoxen eigene Strände eingerichtet. Im heißen Israel wird oft gefragt, ob man am Schabbat im Schwimmbad baden darf. Unter den großen jüdischen Gelehrten herrscht Konsens darüber, dass dies nicht mit der Heiligkeit des Schabbats vereinbar ist und nicht empfohlen werden sollte.

Aber ist das wirklich verboten? Es kann nicht strikt verboten werden, weil viele Frauen am Freitagabend in die Mikwe und viele Männer am Schabbatmorgen zum rituellen Bad gehen. Doch dies ist nur zum Untertauchen.

Die sefardischen und aschkenasischen Rabbiner haben unterschiedliche Meinungen zum Schwimmen Rabbi Ovadia Josef, der einstige sefardische Oberrabbiner Israels, erlaubte das Schwimmen in einem privaten Pool mit Rand am Schabbat grundsätzlich. Aschkenasische Rabbiner hingegen sind viel strenger.

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