Mundgeruch ist ein Thema, über das niemand gern spricht. Doch nicht wenige haben schlechten Atem. Die Berliner Hautärztin, Ernährungsmedizinerin und Buchautorin Yael Adler meint: »Mundgeruch, und beileibe nicht nur der morgendliche, betrifft rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung.«
Mundgeruch – Fachleute sprechen von Halitosis – war schon zu talmudischen Zeiten ein Thema. Arie Shifman, Shmuel Orenbuch und Mel Rosenberg von der Fakultät für Zahnmedizin der Universität Tel Aviv haben dazu 2002 eine Abhandlung veröffentlicht.
Mundgeruch wurde im Talmud als »schwerwiegende Behinderung« angesehen
Darin stellen sie fest, dass Mundgeruch im Talmud als »schwerwiegende Behinderung« angesehen wird, insbesondere in Bezug auf Ehepartner und Priester. Mundgeruch wurde als wichtiger Scheidungsgrund betrachtet, Kohanim mit schlechtem Atem war sogar die Ausübung ihrer heiligen Riten im Tempel verboten.
Den Priestern wurde vorgeschlagen, »Pfeffer in den Mund zu legen«, damit sie ihre Pflichten weiterhin ausüben konnten (Ketubot 75a). Selbst eine winzige Menge wurde als wirksam angesehen. In der Gemara (Schabbat 90a) heißt es: »Wofür ist das kleinste Quantum Pfeffer verwendbar? Gegen üblen Mundgeruch.«
Doch das half Frauen nicht: Der Mundgeruch als »Leibesfehler« machte sie »untauglich«. Hatte der Mann eine Frau ohne Kenntnis dieses »Makels« geheiratet, konnte er sich von ihr scheiden lassen, ohne die im Ehevertrag festgelegte Summe zu zahlen. Sie sei »ohne Morgengabe zu entlassen« (Ketubot 72b).
Die Wissenschaftler der Universität Tel Aviv stellen in ihrer Abhandlung auch Vermutungen über die verschiedenen Ursachen von Mundgeruch zur Zeit des Talmuds an. Sie nennen unter anderem fortgeschrittene Parodontitis oder eine unzureichende Wasserversorgung, die zu chronischer Trockenheit im Mund- und Nasenraum geführt haben könnte.
Der Talmud diskutiert weitere Ursachen im Zusammenhang mit der Ernährung.
Der Talmud diskutiert weitere Ursachen im Zusammenhang mit der Ernährung. Im Traktat Berachot (40a) heißt es, dass jeder, der ohne Salz isst oder Flüssigkeiten außer Wasser zu sich nimmt, Gefahr laufe, tagsüber Mundgeruch zu haben. Rabbi Hisda hingegen warnte seine Töchter, dass der Verzehr von Gemüse am Abend Mundgeruch verursachen könnte (Schabbat 140b).
Gemüse, das vom Tisch gefallen ist, ist laut dem Weisen Abaje ebenfalls ein Risikofaktor (Chulin 105b). An anderer Stelle werden auch bestimmte Gemüsesorten als Risiken für Mundgeruch genannt: rohe Erbsen (Jeruschalmi Eruvin 19a) und der übermäßige Verzehr von Linsen (Berachot 40a).
Unzureichende Bewegung nach den Mahlzeiten
Ein anderer Traktat bezieht sich auf unzureichende Bewegung nach den Mahlzeiten (Schabbat 41a). Es wird empfohlen, nach dem Essen mindestens vier Schritte zu gehen, um die Fäulnis der aufgenommenen Nahrung zu vermeiden, die zu schlechten Gerüchen führt. Ebenso wurde die Nichtentleerung des Darms als Ursache für Darmfäulnis angesehen, die zu Mund- sowie Körpergeruch führt (Schabbat 82a).
Wie Shifman, Orenbuch und Rosenberg schreiben, schlägt der Talmud eine Vielzahl von Heilmitteln gegen Mundgeruch vor. Mehrere dieser Heilmittel haben starke antibakterielle Eigenschaften – und werden auch heute verwendet, beispielsweise Kaugummi und Mundwasser. Bei Kaugummi handelte es sich demnach um ein Harz, das vom Pistacia lentiscus, dem Mastix-Strauch, abgesondert wird. Das im Talmud beschriebene Mundwasser bestand aus »gesäuertem Wasser, Salz und Olivenöl« (Avoda Sara 28a). Und für eine Art Mundspray empfiehlt der Talmud (Schabbat 65a) die Verwendung aromatischer Gewürze wie Ingwer und Zimt.
Zusätzlich zu den talmudischen Heilmitteln hier abschließend noch der Rat von Yael Adler: Sie meint, dass 80 bis 90 Prozent des schlechten Atems ihre Ursache im Mund- und Rachenraum haben. Insofern beginne Mundgeruchsbekämpfung mit der entsprechenden Hygiene. Die Empfehlung der Medizinerin und Buchautorin lautet, den Mund gründlich zu reinigen: zweimal täglich Zähne putzen und eine Zungenbürste und Zahnseide verwenden.